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Flüchtlinge in MV : Erneuter Großeinsatz der Polizei in Horst

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Prügeleien und Messerstechereien in der Flüchtlingseinrichtung: Ein Ende der Streitereien ist nicht in Sicht.

In der Nacht zum Mittwoch gab es nach einer mutmaßlichen Messerstecherei einen Großeinsatz der Polizei in der Horster Einrichtung für Flüchtlinge. An dem Einsatz waren etwa 20 Polizeibeamte aus drei Bundesländern mit neun Einsatzfahrzeugen beteiligt.

Es gab zwei Verletzte und einen Verdächtigen bei Auseinandersetzungen, an denen vermutlich 15 Flüchtlinge verschiedener Nationalitäten beteiligt waren.

Es war nicht der erste gewalttätige  Vorfall dieser Art. Erst Ende Januar hatte ein 22-jähriger Iraker nach körperlichen Auseinandersetzungen Gesichtsverletzungen und eine Platzwunde am Kopf erlitten. Und Mitte März musste die Polizei auch mit etlichen Kräften anrücken, weil eine Frau in der Einrichtung zu schützen war.

Nicht nur die Polizei geht davon aus, dass sich die Lage in Horst weiter verschärfen wird. „Wir stellen dort in letzter Zeit gehäuft Auseinandersetzungen fest“, bestätigte Klaus Wiechmann, der Sprecher der Polizeiinspektion Ludwigslust. Einer der Gründe: In Horst werden derzeit vor allem die Flüchtlinge untergebracht, die vermutlich keine oder nur eine sehr schlechte Bleibeperspektive in Deutschland haben. Das bestätigte auch Michael Teich, Sprecher im Innenministerium des Landes. Es sei bundesweit so abgestimmt, dass man diese Flüchtlinge in Landeseinrichtungen konzentriere. Für Westmecklenburg wären das eben Horst und Stern Buchholz nahe Schwerin. Währenddessen würden syrische Flüchtlinge sehr schnell auf die kommunale Ebene verteilt.

Im konkreten Fall hatte der Wachschutz in Horst die Polizei gegen 23.30 Uhr wegen einer Messerstecherei gerufen. Die reagierte sofort und zog alle verfügbaren Streifenwagen aus der ganzen Region zusammen. Das waren  ein Einsatzwagen aus dem Hagenower und dem Ludwigsluster Bereich. Zusätzlich wurden auch die Kollegen im nahen Schleswig-Holstein und Niedersachsen zu Hilfe gebiete, die schickten insgesamt sechs Streifenwagen.

Vor Ort fanden die Beamten eine unübersichtliche Lage und aufgebrachte Menschen vor.

Was tatsächlich passierte, ließ sich bis gestern Nachmittag durch den vor Ort ermittelnden Kriminaldauerdienst nicht vollständig klären. Die Beamten bekamen nämlich unterschiedliche Versionen zu hören. Einmal soll es um ruhestörenden Lärm gegangen sein, in einer anderen Version war von ethnischen Konflikten die Rede.

Fakt bleibt, es gab zwei Verletzte aus dem Iran, der eine mit einer Schnittwunde, der andere mit einem ausgekugelten Arm. Beide kamen zur Versorgung ins Krankenhaus. Ob der eine Verletzte tatsächlich, wie behauptet, mit einer Glasscherbe angegriffen wurde, ließ sich nicht eindeutig feststellen. Klar ist, dass im Zuge der Auseinandersetzungen eine Zwischentür zu Bruch ging.

Auf der Täterseite gab es einen 23-jährigen Verdächtigen aus dem Irak, der zum Tatzeitpunkt unter dem Einfluss von Alkohol  stand und von der Polizei vorübergehend in Gewahrsam genommen wurde. Der Mann wurde nach SVZ-Informationen gestern wieder auf freien Fuß gesetzt.  Zum Einsatzgeschehen gehört auch, dass die Polizisten an dem Abend die meiste Mühe hatten, aufgebrachte Anhänger beider Seiten voneinander zu trennen. „Weitere Bewohner der Einrichtung solidarisierten sich mit den Beteiligten und attackierten sich lautstark“, hieß es dazu im gestrigen Lagebericht.

Die Polizei ermittelt nun in der Sache wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung.

Eigentlich gibt es in der Horster Einrichtung für die Erstaufnahme von Flüchtlingen eine extra Polizeiwache. Doch die war zum Zeitpunkt der Vorfälle nicht besetzt. Auf Nachfrage erfuhr SVZ, dass es sich hier um eine so genannte Schwerpunktwache handelt. Das zuständige Polizeirevier Boizenburg, selbst mit geringer Personalbesetzung konfrontiert, kann diese Station in keiner Weise ständig besetzen. Somit bleibt der Wachschutz des Objektes, der gern und schnell die Polizei alarmiert.

Laut Polizeisprecher Klaus Wiechmann gab es in den letzten Wochen häufig Einsätze in Horst. Oft habe es sich um Provokationen gehandelt, die drohten, sich aufzuschaukeln.  In einigen Fällen gab es auch  Diebstahlshandlungen unter den Zuwanderern.

„Mit Stand gestern waren in der Erstaufnahmeeinrichtung des Landes MV am Standort Nostorf-Horst 297 Personen untergebracht. Insgesamt werden zur Unterbringung von Asylbewerbern und Flüchtlingen 400 Plätze in Nostorf-Horst vorgehalten.  Von diesen 297 Bewohnern stammten 78 aus so genannten sicheren Herkunftsländern“, teilte das Schweriner Innenministerium am gestrigen Nachmittag auf eine Anfrage unserer Redaktion mit.

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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erstellt am 19.Apr.2017 | 20:45 Uhr

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