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Der Prignitzer

09. Dezember 2016 | 18:18 Uhr

Zoff im Perleberger Museum? : Ehrenamtler „gekündigt“, Museumsmitarbeiter geht

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Bürgermeister weist Vorwürfe zurück und betont Wichtigkeit des freiwilligen Engagements für die Stadt

Welchen Stellwert hat das Ehrenamt in Perleberg? Die Ansichten von Bürgermeister Fred Fischer und von ehemaligen Ehrenamtlern des Stadt- und Regionalmuseums gehen da offensichtlich auseinander.

Betroffenheit spiegelt sich in den Gesichtern der ehemaligen Ehrenamtler bzw. den über Bürgerarbeit für Brandenburg Beschäftigten wider. Dr. Peter Knüvener, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Stadt- und Regionalmuseum, streicht die Segel. „Ich gehe.“ Die Worte gehen ihm sichtlich schwer über die Lippen, denn er und seine Familie haben sich sehr wohl hier gefühlt. Doch seine Entscheidung stehe fest. Voller Tatendrang und mit Visionen sei er nach Perleberg gekommen, habe sich richtig auf die Arbeit gefreut. Von all dem ist nichts mehr übrig geblieben. Kreativität, Eigenverantwortlichkeit – das sei hier nicht gewünscht.

Beispiele gebe es viele. So sind von den monatlichen Vorträgen für Geschichtsinteressierte in diesem Jahr drei übrig geblieben. Das Argument der Verwaltung: die Bauarbeiten im Museum. Die Veranstaltungen waren stets gut besucht. Ein Grund für Dr. Knüvener, sie trotz Bauarbeiten fortzusetzen, eben im „Effi“.

„Für uns war es wichtig, sie einfach nicht abreißen zu lassen“, betont Werner Seidler. Seit zehn Jahren ist er für drei Stunden wöchentlich im Museum angestellt, auf die Uhr habe er aber noch nie geschaut. „Die Arbeit hat mir Spaß gemacht und zu tun gibt es viel.“ Doch jetzt verstehe er die Welt nicht mehr. „Die Stadt hatte mit Dr. Knüvener einen absoluten Fachmann, der es noch dazu versteht, auch andere für die Arbeit zu begeistern.“ Nicht von ungefähr wären sie als Ehrenamtler sofort mit in die Bresche gesprungen, als es galt, den kompletten Fundus für die Auslagerung vorzubereiten. „Wir sind mit vier Mann durch die Bäckerstraße gezogen, haben Kartons aus den Geschäften besorgt“, berichtet Heike Wiechmann.


Kartons gepackt, Kisten gebaut


Über 600 Kartons haben sie, unterstützt von zwei Praktikantinnen der Uni Greifwald, monatelang gepackt, plus mehrere 100 Einzelstücke für den Transport vorbereitet. Statt Blumen und Pralinen hob die Stadt im Dezember die Vereinbarung zur ehrenamtlichen Tätigkeit mit sofortiger Wirkung auf. Begründung: die Baumaßnahmen. Per Post sei das Schreiben zugegangen, kein Händedruck, kein persönliches Dankeschön. „Aus heutiger Sicht lege ich auch keinen Wert darauf. Für mich zählt die Anerkennung von Dr. Knüvener und den anderen Mitstreitern“, betont Holger Pleß. Ihm wurde nicht „gekündigt“, sein Vertrag lief aus. Zuvor hat er aber etliche der Transportkisten gebaut.

„Das stößt schon sauer auf und macht betroffen“, gesteht Ehrenamtlerin Bärbel Neidel. Denn Arbeit gebe es im Museumsdepot und -archiv auch jetzt mehr als genug, bestätigen alle. „Wir haben u. a. viele Bücher, die noch nicht im Sammlungsbestand aufgenommen sind“, fügt Peter Knüvener an. Unter fachlicher Anleitung durchaus von Ehrenamtlern machbar.

Für jene, die bis dato im Stadt- und Regionalmuseum sich engagierten, Kassendienst insbesondere an den Sonn- und Feiertagen übernahmen, Veranstaltungen im Museum betreuten, die Museumsnacht mit absicherten, Plakate verteilten und …, unverständlich, welchen Stellenwert die Stadt dem Ehrenamt einräumt.


Fischer: Wir brauchen das Ehrenamt


Der „Prignitzer“ stellte diese Frage Bürgermeister Fred Fischer wie auch die zur Entscheidung des wissenschaftlichen Museumsmitarbeiters, zu gehen. „Ich weiß um sein Ansinnen, aber bis jetzt (Anmerkung der Redaktion: gestern Mittag) liegt mir keine Kündigung vor. Insofern kann ich keine Aussagen treffen.“

Hinsichtlich des Ehrenamtes stehe dessen Bedeutung für ihn außer Frage, ebenso, dass es auch künftig im Museum und anderen Einrichtungen gebraucht werde. Doch derzeit sei das Museum eine Baustelle, habe man keine Tätigkeiten, die im Ehrenamt zu erledigen wären. „Und wir können eben auch nicht die Haftung übernehmen. Wir schauen aber, was es zu tun gibt, wenn der Museumsumbau abgeschlossen ist.“ Seitens des Jobcenters habe er sich schon rechtfertigen müssen, was ein Ehrenamtler machen darf bzw. was Sache des Betriebshofes ist oder Angestellte der Stadt erledigen müssen.

Gegenwärtig prüfe man den Arbeitsaufwand im Museum unter dem Gesichtspunkt, reichen zwei Stellen hier aus. Man könne nicht davon ausgehen, dass Ehrenamtler die Tätigkeiten übernehmen und wenn, wie die Kasse zu besetzen, das nur eine Übergangslösung sein könne. „Niemand will das Ehrenamt schmälern, wir brauchen es. Aber nicht alles ist darüber machbar, auch wenn wir viel Arbeit auf dem Tisch haben.“

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erstellt am 24.Jan.2014 | 09:50 Uhr

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