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Der Prignitzer

02. Oktober 2016 | 00:15 Uhr

Tschad-Serie : Mit Esel oder Kamel zur OP

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Das Krankenhaus von Iriba versorgt Menschen im Umkreis von 500 Kilometern mit einfachsten Mitteln

Nicht krank werden, nicht in Iriba. Das nehme ich mir beim Besuch des hiesigen Krankenhauses ganz fest vor. Die eisernen, teils verbogenen Bettgestelle bilden die perfekte Filmkulisse für eine Lazarettszene aus dem Zweiten Weltkrieg. Die Intensivstation müsste mal intensiv gereinigt und renoviert werden. Lampen baumeln an ihren Kabeln vor den Wänden. Um von hier zum OP zu gelangen, durchqueren wir einen Raum, in dem altertümliche Rollstühle mit aufgerissenen Sitzflächen einstauben. Der OP macht zumindest aus hygienischer Sicht einen akzeptablen Eindruck.

„Wir besitzen ein Narkose- und ein Sauerstoffgerät“, sagt Stationsleiter Totobeye Hassan stolz. Vorbei an drei den Frauen vorbehaltenen Krankensälen, einer Notaufnahme, die einem Büro zum Verwechseln ähnlich sieht, und einem großen Zelt für männliche Patienten führt uns Totobeye zur Entbindungsstation. Im dem engen Kreißsaal mit seinen kalt abweisenden Fliesen stehen zwei Gebärstühle, zumindest bezeichnet sie der Stationsleiter so. Zwischen ihnen ein roter, offener Abfalleimer, den jemand vergessen hat zu entleeren.

Für die ärztliche Versorgung gelten hier andere Richtlinien als in Deutschland, wo beständig über Warte- und Fahrzeiten zu Fachärzten geklagt wird: Das Einzugsgebiet der Klinik umfasst einen 500 Kilometer großen Umkreis. Wer irgendwo in einem der Wüstendörfer lebt, hat aber kein Auto, im besten Fall einen Esel oder ein Kamel. Mit viel Glück würde an der Hauptpiste ein Auto halten, den Kranken mitnehmen.

Trotz dieser schweren Arbeitsbedingungen versuchen die Ärzte ihr Möglichstes. Totobeye Hassan erklärt es am Beispiel der Vorsorge: „Wir impfen gegen Polio, Tetanus, Tuberkulose und Hepatitis B“, zählt er auf. Dazu fahren sie auch in die Dörfer, klären die Menschen auf, die teils noch an Naturreligionen glauben. „Eine Geburtsvorsorge und eine Betreuung der Neugeborenen im ersten Lebensjahr bieten wir nur in der Klinik an“, sagt Totobeye Hassan. Der Eindruck des Hauses ist also nur die eine Seite, auf der anderen steht viel engagiertes, aber viel zu wenig medizinisches Personal.

 



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erstellt am 27.Jan.2015 | 12:00 Uhr

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