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Der Prignitzer

29. Juni 2016 | 20:11 Uhr

Reportagen aus dem Tschad : „Wir haben ein starkes Team“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Mahamat Moussa Djibert wird am Jahresende den Staffelstab von Urban Britzius übernehmen, die Arbeit von Help forsetzen.

Oft klingt es wie eine hohle Phrase, wie eine Pflichtformulierung in so ziemlich jedem sozialen Projektmittelantrag: Hilfe zur Selbsthilfe. Auch die Organisation Help arbeitet mit diesem Slogan, aber zumindest im Tschad scheint das Konzept aufzugehen.

Zehn Jahre lang hat Urban Britzius aufgebaut, Know How vermittelt. Wenn er Ende des Jahres in den Ruhestand geht, wird es keine Flucht sein, sondern ein geordneter Rückzug. Auf seine Initiative hin wurde die heimische Hilfsorganisation Help Tschad gegründet. Sie soll die Arbeit fortsetzen, als Partner von Help in Deutschland. Mit ihrem Chef Mahamat Moussa Djibert (38) spreche ich zum Abschluss meiner Reise.

Mahamat, Sie haben schon unter Urbans Vorgängerin für Help gearbeitet, das sind jetzt mehr als zehn Jahre. Was bedeutet Help für Sie?

Ich bin in N'Djamena geboren, habe in Ghana studiert und arbeitete ab 2003 als Dolmetscher für das THW Deutschland. Wir bauten die Flüchtlingslager auf, bevor ich zu Help wechselte.
Die Organisation bedeutet mir viel. Als unsere Arbeit in Iriba begann, haben die Menschen nach Wasser geschrien. Help ist all die Jahre vor Ort geblieben, hat diesen Hilferuf als Aufgabe verstanden. Die Dankbarkeit der Menschen ist mein Motiv, die Arbeit fortzusetzen.

Ich konnte mich selbst von den guten Ergebnissen der Projekte überzeugen. Wie erklären Sie sich den Erfolg Ihrer gemeinsamen Arbeit?

Wir hatten eine beständige finanzielle Unterstützung durch die Bundesregierung, wir hatten im Gegensatz zu anderen Organisationen den Mut, so lange vor Ort zu bleiben. Wir haben das positive Feedback von den Flüchtlingen und aus den Dörfern. Und wir haben ein starkes Team.

Fraglos ist Urban Ideengeber und treibende Kraft in diesen Jahren gewesen. Welche Eigenschaften schätzen Sie an Ihrem Chef besonders?

Er ist ein guter Kerl, sagt, was er denkt. Wenn ihm etwas nicht passt, macht er Krach, aber er ist nicht nachtragend.

Sie sind Leiter von Help Tschad. Sehen Sie Ihr Team in der Lage, die begonnene Arbeit erfolgreich fortzusetzen?

Davon bin ich überzeugt, wir stehen hinter dieser Idee und haben uns ein typisch deutsches Motto zu eigen gemacht: Mach es richtig oder lass es bleiben. Das haben wir verstanden.

Wenn Sie drei, vier Jahre vorausschauen, welche Ziele wollen Sie erreichen?

Unsere Organisation ist noch jung, aber wir haben die Erfahrung, unsere Projekte auf andere Regionen auszuweiten. Wir wollen uns künftig nicht nur auf die Flüchtlinge konzentrieren, sondern auch auf Dörfer, deren Bewohner noch nie eine Hilfsorganisation gesehen haben. Glauben Sie mir, in meinem Land gibt es viele vergessene Ecken.

Worin sehen Sie die größte Herausforderung?

Für unsere Arbeit brauchen wir auch künftig eine finanzielle Grundlage, die Unterstützung durch die lokale Bevölkerung und den Rückhalt durch staatliche Behörden.

In den zwei Wochen hier habe ich gesehen, dass es im Tschad bei einem sinnvollen Management ausreichend Wasser gibt, ja sogar Stauseen in der Wüste. Das hatte ich nicht erwartet. Was muss in Ihrem Heimatland passieren, damit die Menschen lernen, diese wertvolle Ressource richtig zu nutzen?

Sie brauchen Bildung und müssen zuerst verstehen, was Wasserqualität bedeutet. Sie müssen lernen, das Tiere und Menschen nicht aus dem gleichen Brunnen trinken. Das klingt banal, aber das ist es hier nicht.

Gar nicht weit von hier, liegt der reiche Wüstenstaat Dubai. Dort werden mitten in der Wüste und auf künstlichen Inseln Millionen Liter Wasser für Prachthotels, Golfplätze und üppig grüne Gärten verbraucht. Haben Sie dafür Verständnis?

Wasser kostet dort doppelt so viel wie Benzin und was damit gemacht wird, ist für mich Missbrauch. Die Verantwortlichen denken, mit Geld lässt sich alles kaufen. Über kurz oder lang wird das zum Kollaps führen.

Was wünschen Sie Urban zum Abschied für die Zukunft?

Wir haben einen Plan: Er soll hier bleiben, wir brauchen ihn. Aber das haben Sie mich ja gar nicht gefragt. Ich wünsche ihm Gesundheit und Ruhe, er sollte etwas mehr an seinen Kreislauf denken.

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