BRANDENBURG
Der Oder-Biber im Fadenkreuz
Ein Biberbau im Oderdeich: In dem am Grenzfluss gelegenen Regionen sorgt das für Unmut - man sieht die Schutzfunktion der Wälle dadurch in Gefahr.
LEBUS/POTSDAM - Pausenlos im Einsatz für Brandenburg - so sieht der Geschäftsführer des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) in der Mark den Biber. "Den Kampf gegen den sinkenden Grundwasserspiegel, den sich die Politik auf die Fahnen geschrieben hat, erledigt der Biber für uns, sagt Wolfgang Mädlow. "Kostenlos, indem er Dämme baut." Vehement protestierte die Organisation deshalb, als der Biber während des Hochwassers ins Fadenkreuz geriet.
So forderte etwa der Landrat von Märkisch-Oderland, der nach eigener Darstellung mehr als 150 Schäden an Deichanlagen durch Biber zu beklagen hatte, die Erlaubnis zum Abschuss der Tiere. Deiche müssten in Zukunft Tabuzonen für die Nager werden, forderte Gernot Schmidt und drang auf ein "Biber-Management". Dies sei derzeit nicht geplant, reagierte Umweltministerin Anita Tack (Linke). Der generelle Abschuss wird ihr zufolge nicht erlaubt, da das Tier unter strengem Schutz steht. Allenfalls könne es Ausnahmen geben, wenn Hochwasseranlagen gefährdet seien.
Heute trifft sich nun in Lebus im Märkisch-Oderland das Landesumweltamt mit Vertretern der Kreise Oder-Spree, Märkisch-Oderland, Barnim und Uckermark zu einer Biberkonferenz. Der Präsident des Landesumweltamtes, Matthias Freude, ist überzeugt davon, dass auch Gegner des knuffigen Nagers diesem kein Leid zufügen können. "Während des Hochwassers lag ein verletzter Biber im Hof eines Bauern, der immer schwer auf die Tiere geschimpft hat - und was hat er gemacht? Ihn aufgepäppelt!" Er selbst sei froh, dass das einst fast ausgerottete Tier wieder da ist, sagt Freude. Gleichzeitig sei klar: "Am Deich hat der Biber nichts zu suchen." Freude würde ein Management zur Problemlösung begrüßen.
Bei der Konferenz werde sich herausstellen, "dass unsere Positionen gar nicht so weit auseinander liegen", meint der Umweltamtspräsident. Er legt Wert auf die Feststellung, dass die jetzt festgestellten Deichschäden durch Biber neu seien - weder an der Elbe noch an der Oder sei das bislang vorgekommen. Als Ursache vermutet Freude den ungewöhnlich frühen Zeitpunkt der Flut, die vor allem den noch kaum schwimmfähigen Nachwuchs erwischt habe. In Panik hätten die Eltern trockene Plätze gesucht - und auf Deiche zurückgegriffen.
Welche Maßnahmen ihm im Umgang mit dem fleißigen Nager vorschweben, will Freude nicht vorab verraten, verspricht aber: "Wir werden dafür sorgen, dass es die Probleme mit Bibern am Deich so nicht mehr geben wird."
Statt Abschüssen wäre das Einfangen nach klaren Regeln eine Option. In Brandenburg leben schätzungsweise 2600 Biber, davon rund zehn Prozent im Oderbuch. Auch die Sorgen der Bauern sollen auf der bevorstehenden Konferenz thematisiert werden. Im Oderbruch stehen große Maisfelder, aus denen Biomasse hergestellt wird - gute Bibernahrung.
"Wir haben enormen Druck aus der Bevölkerung", heißt es im Landratsamt von Märkisch-Oderland. Schon während der Flut hätten etliche die Entfernung der Biber aus der Region verlangt. Der Landkreis hat sich inzwischen in Bayern und der Schweiz Anregungen zum Umgang mit den Nagern geholt. Landrat Schmidt wäre es am liebsten, wenn der Naturschutzstatus aufgehoben würde: "Der hat sein Ziel längst erreicht." Der Biber habe in der Region keine natürlichen Feinde und seine Population innerhalb weniger Jahre verdoppelt. Es sei kein Wunder, dass Landwirte den Maisfresser hassten.
Um seine Deiche zu schützen, hat der Landkreis inzwischen zu Schutzgittern in den Deichen gegriffen, oder aber die Tiere werden gefangen und ausgesetzt. Letztes Mittel wäre der Abschuss. Für diesen Job könnte man auf Bisamjäger zurückgreifen, die es in der Region ohnehin gebe.
"Unverantwortlich", findet das Nabu-Geschäftsführer Mädlow. Er ist überzeugt davon, dass das Biber-Problem hausgemacht ist. "Ständen die Deiche nicht direkt am Fluss, wären sie für die Biber unattraktiv." Sein Verband plädiere schon lange für zusätzliche Überflutungsflächen. Immerhin habe die Landesregierung nach der Flut von 1997 enorme Flächen in Aussicht gestellt, davon sei kaum etwas verwirklicht worden. Als Sofortmaßnahmen empfiehlt der Nabu Rettungsinseln sowie Schutzgitter in Deichen.
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