Spanischer Opernstar : Sexuelle Belästigung? Plácido Domingo weist Vorwürfe zurück

Der Spanier Plácido Domingo betont, seine Verhältnisse zu Frauen seien stets einvernehmlich gewesen.
Der Spanier Plácido Domingo betont, seine Verhältnisse zu Frauen seien stets einvernehmlich gewesen.

Der Opernstar reagiert mit einer Stellungnahme – und räumt ein, dass sich gesellschaftliche Regeln geändert hätten.

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13. August 2019, 19:18 Uhr

New York | Der spanische Opernstar Plácido Domingo, der zusammen mit José Carreras und Luciano Pavarotti als einer der Drei Tenöre große Erfolge feierte, wird im Rahmen einer Recherche der Nachrichtenagentur AP sexuelle Nötigung vorgeworfen. Acht Sängerinnen sowie eine Tänzerin beschuldigen den Startenor demnach, sie über einen längeren Zeitraum hinweg sexuell belästigt zu haben.

Die Frauen berichteten von Umarmungen, von Küssen auf den Mund, von nächtlichen Telefonanrufen und davon, dass Domingo auf private Treffen gedrängt habe. Dem AP-Bericht zufolge liegen die Fälle über 30 Jahre in der Vergangenheit. Die übergriffige Art Domingos soll jedoch auch heute noch ein offenes Geheimnis in der Opernwelt sein.

Domingo weist Anschuldigungen zurück

Domingo selbst weist die Vorwürfe zurück. "Die Anschuldigungen dieser ungenannten Personen, die bis zu dreißig Jahre zurückliegen, sind zutiefst beunruhigend und – so wie sie dargestellt werden – unzutreffend", erklärte Domingo in einer Stellungnahme, die der Deutschen Presse-Agentur in New York vorlag.

Ich habe geglaubt, dass all meine Handlungen und Beziehungen immer gewünscht und einvernehmlich waren. Plácido Domingo, Opernsänger


Es sei schmerzhaft zu hören, dass er jemanden verletzt haben könnte oder Unwohlsein verursacht habe, so Domingo weiter. "Ich habe geglaubt, dass all meine Handlungen und Beziehungen immer gewünscht und einvernehmlich waren." Er sei niemand, der jemand anderen absichtlich verletze, beleidige oder blamiere. Jedoch erkenne er an, dass sich heutige Regeln und Standards von denen der Vergangenheit unterschieden.


Domingo gehört zu den erfolgreichsten Opernsängern aller Zeiten, gewann in der Vergangenheit mehrere Grammys. Der heute 78-Jährige hat sich zudem als profilierter Dirigent hervorgetan und wirkte als Direktor an der Los Angeles Opera.

Im Rahmen der AP-Recherche berichten die Frauen detailliert von den Übergriffen des Spaniers, in dessen Rahmen er oftmals seine berufliche Position ausgenutzt habe. Eine Sängerin berichtet darin beispielsweise, wie Domingo beim Geschäftsessen aufdringlich geworden sein soll. "Er berührte einen immer in irgendeiner Art und Weise und küsste einen ständig", sagte sie der AP.

Plácido Domingo mit seiner Duett-Partnerin Virginia Tola bei einem Konzert 2001 im westfälischen Halle. Foto: dpa/Bernd Thissen
dpa/Bernd Thissen
Plácido Domingo mit seiner Duett-Partnerin Virginia Tola bei einem Konzert 2001 im westfälischen Halle. Foto: dpa/Bernd Thissen


Sieben Frauen berichten, dass ein Nein gegenüber Domingo sich negativ auf ihre Karriere ausgewirkt habe. So habe er ihnen auch nach einem Engagement bei anderen Häusern nie wieder eine Rolle gegeben.

Frauen vermieden es, allein mit ihm zu sein

Im Backstage-Bereich, in Hotel-Zimmern und bei Geschäftsessen soll Domingo die Frauen belästigt haben. Ein mutmaßliches Opfer berichtet, wie Domingo seine Hand unter ihren Rock gesteckt habe. Weitere sechs Frauen sagten gegenüber der AP, sie hätten sich in seiner Anwesenheit stets unbehaglich gefühlt. So hätten sie versucht ihn zu vermeiden. Gingen etwa nicht mehr auf die Toilette in der Nähe seines Büros oder vermieden es allein im Backstage-Bereich zu sein.

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