«Schatzinsel»-Autor : Robert Louis Stevenson starb vor 125 Jahren

Reverend Gilleasbuig Iain Macmillan 1985 vor einem Bronzerelief von Robert Louis Stevenson in der St.-Giles-Kathedrale in Edinburgh. /Zuma Press/dpa
Reverend Gilleasbuig Iain Macmillan 1985 vor einem Bronzerelief von Robert Louis Stevenson in der St.-Giles-Kathedrale in Edinburgh. /Zuma Press/dpa

Sein Seeräuberschmöker «Die Schatzinsel» und die Gruselgeschichte über Dr. Jekyll und Mr. Hyde wurden innerhalb weniger Jahre zu Klassikern. Obwohl Robert Louis Stevenson chronisch krank war, reiste er viel, immer auf der Suche nach Anerkennung und einem gesunden Klima.

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02. Dezember 2019, 09:24 Uhr

London (dpa) – An seinem Todestag schrieb er morgens noch an einem Roman, nachmittags beantwortete er Briefe, und abends starb er plötzlich beim Mayonnaise-Anrühren - vermutlich an einem Schlaganfall. So will es zumindest die Legende.

Robert Louis Stevensons Leben endete nach 44 Jahren so abenteuerlich wie seine Geschichten: Schon in der «Schatzinsel» (1883) erschuf er mit dem Schiffskoch Long John Silver den Prototyp eines einbeinigen Seeräubers, komplett mit sprechendem Papagei auf der Schulter. Der Bestseller gilt heute als Klassiker der Jugendliteratur, aber damals warfen ihm Kritiker vor, seine Handlungen seien unrealistisch und psychologisch zu simpel.

Am 13. November 1850 wurde der kleine Louis – wie er als Kind genannt wurde – in eine Familie von schottischen Leuchtturmingenieuren geboren. Er wuchs in Edinburgh auf. Schon als Kind litt er, wie seine Mutter, an chronischen Atemwegserkrankungen – unter anderem vermutlich an Tuberkulose - und musste das Bett hüten. Mit sechs diktierte er seiner Mutter eine erste Erzählung über Moses. Seine Pflegerin «Cummy» beeinflusste ihn mit ihren schaurigen Fabeln über Gespenster, Schottlands Geschichte und die Bibel so stark, dass er ihr seine Gedichtsammlung für Kinder «Im Versgarten» als «meine zweite Mutter, meine erste Frau» widmete.

Der Teenager und Student rebellierte gegen die Erwartungen seiner religiösen Eltern: Seine Freunde nannten ihn «Velvet Jacket», da er sich mit Schnurrbart, Samtmantel und breitkrempigem Hut als Dandy gab. Er schrieb, rauchte Hasch, ließ sich mit Prostituierten ein, wurde Atheist und gab zuletzt sogar das Technikstudium und damit die Familientradition als Bauingenieur auf. Daraufhin verlangten seine enttäuschten Eltern, dass er etwas «Ordentliches» wie Jura studierte.

Auf der Suche nach dem perfekten Klima für seine Krankheiten und zur Inspiration für seine Bücher begann Stevenson viel zu reisen und schrieb kontinuierlich weiter. Schließlich verliebte er sich in die zehn Jahre ältere, unglücklich verheiratete Autorin Fanny Van de Grift Osbourne, die mit ihren Kindern in einer Künstlerkolonie in der Nähe von Paris wohnte. Als sie nach Kalifornien zurückkehrte, folgte er ihr und heiratete sie schließlich 1880. Kurz darauf segelten sie nach Großbritannien zurück und ließen sich schließlich im südenglischen Bournemouth nieder.

Stevenson war damals chronisch krank und versuchte sich mit Kokain zu kurieren. Ein Alptraum inspirierte ihn zu «Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde» (1886), dessen ersten Entwurf von 30 000 Wörtern er innerhalb weniger Tage wie im Fieberwahn zu Papier brachte. Doch seine Frau bezeichnete die berühmteste Schauernovelle der Welt als «völligen Unsinn» und warf den Psychothriller über eine Persönlichkeitsspaltung ins Feuer. Er beruhte auf der wahren Geschichte des Tischlers und Stadtrats William Brodie, der spielsüchtig war und daher ein mörderisches Doppelleben führte. Schwer geschwächt schrieb Stevenson das Werk im Bett mit Federkiel und Tinte in den nächsten drei Tagen und Nächten komplett neu.

Ein halbes Jahr später war der Groschenroman zum Bestseller geworden, der ihn vor den Geldeintreibern rettete. Raubkopien erschienen in den USA und Europa. In Tausenden von Kirchen wurde darüber gepredigt, darunter auch in der Londoner St.-Pauls-Kathedrale. Bis heute wird Stevensons Geschichte über den inneren Kampf zwischen Gut und Böse alle paar Jahre neu verfilmt.

Das britische Klima setzte dem Kranken weiter zu. Deshalb bereiste Stevenson nach dem Tod seines Vaters mit seiner Familie im Segelboot den Pazifik auf der Suche nach Wärme und Seeluft. Er ließ sich schließlich in einem Dorf auf der Insel Upolu in Samoa nieder. Dort baute er ein riesiges Herrenhaus mit dem einzigen Kamin im ganzen Inselstaat, ließ sich Möbel und Kunstwerke aus Großbritannien kommen und kleidete die einheimischen Bediensteten in Schottenkaro. Er legte sich außerdem den samoanischen Namen «Tusitala» zu – «Geschichtenerzähler». Sein Talent beschränkte sich jedoch nicht nur auf Literatur. Der Schubert-Fan Stevenson komponierte mehr als 100 Arrangements, nachdem er erst mit Mitte 30 gelernt hatte, Klavier und Flageolett zu spielen.

Als er 1894 starb, schrieb er gerade an seinem Meisterwerk, dem Vater-Sohn-Drama «Weir of Hermiston», das nur als Fragment existiert; sowie an dem unvollendeten Abenteuerroman «St. Ives». Stevenson wurde auf der Bergspitze nahe seinem Haus beigesetzt; auf seinem Grabstein ist der Anfang seines Gedichts «Requiem» eingemeißelt: «Unter dem weiten und sternenklaren Himmel / Schaufel das Grab und lass mich liegen...» Seine Witwe Fanny wurde nach ihrem Tod neben ihm beigesetzt.

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