Vier Geschichten : Weihnachtskrimis von P.D. James: «Der Mistelzweig-Mord»

«Der Mistelzweig-Mord» von Phyllis Dorothy James. Droemer Verlag/dpa
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«Der Mistelzweig-Mord» von Phyllis Dorothy James. Droemer Verlag/dpa

P.D. James war eine der klassischen britischen Krimiautorinnen in der Tradition von Agatha Christie. Britischer Tradition folgt auch «Der Mistelzweig-Mord», denn Kriminalgeschichten gehören auf der Insel zu den Feiertagen fest dazu.

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03. Dezember 2019, 17:34 Uhr

Zu einem gelungenen Weihnachtsfest gehört auch ein guter Krimi. Das ist eine bewährte Tradition in Großbritannien. Auch P.D. James (1920-2014), eine der bedeutendsten Autorinnen britischer Kriminalliteratur, beteiligte sich an dieser Tradition.

Unter dem Titel «Der Mistelzweig-Mord» sind nun mehrere ihrer Geschichten in einem kleinen Buch zusammengefasst worden. Das Besondere dabei: Drei der vier Erzählungen sind hier erstmals in deutscher Übersetzung zu finden.

Die Titelgeschichte «Der Mistelzweig-Mord» erschien im Original 1995, zwölf Jahre später dann auf Deutsch. James tritt hier nicht nur als Autorin, sondern auch als handelnde Figur und Ich-Erzählerin in Erscheinung. Rund 60 Jahre nach den Geschehnissen erinnert sich die Autorin an ein Weihnachtsfest mitten im Zweiten Weltkrieg. Als junge Witwe wird sie von ihrer Großmutter über die Feiertage aufs Land eingeladen. Zwei weitere Verwandte sind zu Besuch, und einer der beiden überlebt die Feiertage nicht. Mit zahlreichen Anspielungen auf die Schriftstellerei erzählt James augenzwinkernd, wie sie höchstpersönlich den Mörder identifiziert.

Die zweite Geschichte, «Ein ganz banaler Mord», passt im Grunde nicht in eine Sammlung von Weihnachtskrimis. 1969 erstmals veröffentlicht, erzählt sie die Erlebnisse eines Mannes, der eher zufällig Zeuge wird, dass eine Frau regelmäßig Besuch von ihrem Liebhaber bekommt. Eines Abends wird die Frau ermordet, und ihr Liebhaber steht bald darauf unter Mordverdacht vor Gericht. Der Beobachter könnte dem Angeklagten ein Alibi geben, überlegt aber hin und her, welche Konsequenzen es für ihn gäbe, wenn er eine Aussage machte.

Die dritte Geschichte, «Das Boxdale-Erbe» aus dem Jahr 1979, und auch das abschließende «Die zwölf Weihnachtsindizien» von 1996 sind dann wieder klassische Weihnachtskrimis. In beiden Fällen stirbt ein alter Mann während des Weihnachtsfestes auf dem Land unter seltsamen Umständen. Lösen soll beide Fälle der in vielen Büchern etablierte Ermittler Dalgliesh, der wie ein moderner Sherlock Holmes seine Schlüsse aus kleinsten Details zieht. Und diese haben einen eindeutigen Bezug zu britischen Weihnachtstraditionen, die für deutsche Leser bisweilen etwas exotisch wirken mögen.

Die Erzählungen in «Der Mistelzweig-Mord», alle im Durchschnitt 40 Seiten lang und sehr flüssig geschrieben, bieten beste britische Kriminalliteratur traditioneller Art. Man merkt den Geschichten an, dass sie vor mehreren Jahrzehnten entstanden sind. Sie sind weniger düster, blutrünstig und psychologisierend als moderne Krimis. Aber diese entspanntere Atmosphäre passt zu der Weihnachtszeit, für die sie geschrieben wurden.

- P.D. James: Der Mistelzweig-Mord. Droemer Verlag, München, 187 Seiten, 14,00 Euro, ISBN 978-3-426-28217-5.

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