Infektion durch Spritze? : Gefährlicher Keimausbruch in Kölner Praxis: 28 Patienten erkrankt

In einer Kölner Arztpraxis hat sich ein Keim verbreitet, vermutlich übertragen durch eine Spritze.
In einer Kölner Arztpraxis hat sich ein Keim verbreitet, vermutlich übertragen durch eine Spritze.

Nach Medizinerangaben könnte es einer der gravierendsten Vorfälle mit dem Erreger sein.

prignitzer.de von
15. Mai 2019, 15:40 Uhr

Köln | Hygiene- und Infektionsexperten halten die angenommene Verbreitung eines gefährlichen Bakteriums in einer Kölner Radiologiepraxis für dramatisch. Sollte sich bestätigen, dass sich mindestens 28 Patienten in der Praxis mit Pseudomonas aeruginosa infiziert haben, wäre es "meines Wissens einer der schwerwiegendsten Vorfälle mit diesem Erreger in einer ambulanten Einrichtung in Deutschland, wenn nicht sogar in Europa", sagte der Infektiologe Peter Walger. Er ist Vorstandssprecher der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene.

Die Kölner Staatsanwaltschaft prüft derzeit, ob der Tod eines 84-Jährigen und die Erkrankungen weiterer Patienten der Praxis auf eine Infektion mit dem Bakterium zurückzuführen sind.

Warum ist der Keim so gefährlich?

Infektionen mit dem Keim in Praxen oder Kliniken gäbe es in Europa immer wieder, sagte Mikrobiologe Alexander Friedrich von der Universität Groningen in den Niederlanden. "Meist betrifft es einen einzelnen Patienten, in den meisten publizierten Fällen weniger als zehn Patienten", sagte er. Nur selten seien es mehr.

Pseudomonas aeruginosa kann unter anderem Lungenentzündungen sowie Harnwegs- und Wundinfektionen verursachen. Zur Infektion benötigt der Erreger meist eine Eintrittsstelle in den menschlichen Körper – etwa eine Wunde oder einen Katheter. Die im aktuellen Fall betroffenen Patienten sollen Spritzen in den Rücken bekommen haben, berichtet der "Kölner Stadt-Anzeiger".

Hygieneproblem in Praxis

Es spreche einiges dafür, "dass in der betroffenen Praxis ein Hygieneproblem im Rahmen der angewendeten medizinischen Maßnahme aufgetreten ist", sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie, Gerd Fätkenheuer.

Es spiele keine Rolle, dass der Erreger in einer ambulanten Einrichtung und nicht in einer Klinik aufgetreten sei, "da sowohl hier wie dort dieselben hygienischen Anforderungen für medizinische Eingriffe gelten", ergänzte Fätkenheuer, der an der Uniklinik Köln arbeitet.

Multiorganversagen nach OP

Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer sagte, der Rentner habe sich Anfang des Jahres wegen Rückenproblemen in der Praxis behandeln lassen. Nachdem er eine Spritze erhalten hatte, sei es wiederholt zu Komplikationen gekommen. Nach einer Operation starb er Mitte April an Multiorganversagen. Laut Staatsanwaltschaft war der Keim bei der Obduktion gefunden worden.

Das Gesundheitsamt sei unverzüglich nach Bekanntwerden des Falls eingeschaltet worden, sagte Gerhard Wiesmüller, Leiter der Abteilung Infektions- und Umwelthygiene des Amts. Schnell sei aufgefallen, dass mehrere Patienten der Praxis den Erreger ebenfalls in sich trugen. Der ärztliche Geschäftsführer der betroffenen Radiologie-Praxis verwies am Dienstag auf die laufenden Ermittlungen und äußerte sich nicht zu dem Fall. Der "Kölner Stadt-Anzeiger" hatte zuvor über den Fall berichtet.

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