Haftbefehl wegen Mordes : 14-Jähriger in München totgerast – Dashcam-Video zeigt Tathergang

In der Nacht von Freitag auf Samstag wurden in München zwei Jugendliche angefahren.
In der Nacht von Freitag auf Samstag wurden in München zwei Jugendliche angefahren.

Ein 34-Jähriger hat beim Versuch, der Polizei zu entkommen, zwei Teenager angefahren.

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16. November 2019, 16:10 Uhr

München | Der tödliche Raserunfall in München ist mit einer sogenannten Dashcam aus einem anderen Wagen gefilmt worden. Das sind in Autos installierte Videokameras, die während der Fahrt die Sicht aus der Windschutzscheibe aufzeichnen. "Diese Aufzeichnung der Dashcam ist für uns ein ganz wesentliches Beweismittel", sagte Staatsanwältin Anne Leiding am Montag. Bei dem 34 Jahre alten Fahrer sei zudem Alkoholgeruch festgestellt worden, teilte die Polizei mit.

Auf der Gegenfahrbahn unterwegs

Der Autofahrer aus dem Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen war am Freitag kurz vor Mitternacht auf der Flucht vor einer Polizeikontrolle mit bis zu 100 Stundenkilometern durch die Stadt gerast – auf der Gegenfahrbahn. Er ignorierte laut Polizei mehrere rote Ampeln und erfasste zwei 14 und 16 Jahre alte Jugendliche. Diese überquerten gerade mit anderen jungen Leuten den Erkenntnissen zufolge bei Grün eine Straße. Der 14-Jährige starb wenig später im Krankenhaus, die 16-Jährige wurde schwer verletzt.

Ein Mensch starb nach der Kollision mit dem BMW. Foto: dpa/Sven Hoppe
Ein Mensch starb nach der Kollision mit dem BMW. Foto: dpa/Sven Hoppe


Unter Mordverdacht in U-Haft

Der Leiter der Mordkommission, Josef Wimmer, sagte, die Aufzeichnung zeige, wie der 34-jährige Fahrer mit hoher Geschwindigkeit vorbeischieße, das Auto einen Jungen erfasse, und wie dieser in die Luft geschleudert werde. Danach sei auf dem Video zu sehen, wie die nachrückende Streife sofort anhalte, um eine Reanimation einzuleiten.

Der Raser war in falscher Richtung unterwegs. Der Besitzer der Dashcam fuhr parallel zu ihm. Leiding sagte, das Aufzeichnen mit einer Dashcam sei zwar eine Ordnungswidrigkeit, die Aufnahmen dürften aber trotzdem auch in einem Prozess verwertet werden.

Beamte hätten auch eine geringe Menge an Drogen im Auto des Rasers gefunden, teilten die Ermittler mit. Genaue Promillewerte oder Ergebnisse weiterer toxikologischer Untersuchungen stünden noch aus.

Der Mann ist wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft. Er sei – zu seinem eigenen Schutz – kurzfristig in der Psychiatrie gewesen, sagte Leiding. Unklar blieb aber zunächst, ob er derzeit in einem Krankenhaus oder in einem Gefängnis untergebracht ist. Zum Grad seiner Verletzungen machten die Behörden keine Angaben.


Stuttgarter Raser muss ins Gefängnis

Raser werden in Deutschland bei tödlichen Verkehrsunfällen in der Regel nicht wegen Mordes verurteilt. In der vergangenen Woche etwa hatte das Landgericht Stuttgart gegen einen 21-Jährigen fünf Jahre Jugendstrafe verhängt – unter anderem wegen eines verbotenen Kraftfahrzeugrennens mit Todesfolge. Angeklagt war er wegen Mordes. Der junge Deutsche hatte im März bei hoher Geschwindigkeit die Kontrolle über einen gemieteten Sportwagen verloren. Das Fahrzeug war gegen einen stehenden Wagen geprallt, in dessen Trümmern zwei junge Menschen starben.

Weiterlesen: Gericht schreibt Rechtsgeschichte: Stuttgarter Raser muss ins Gefängnis

Das deutschlandweit erste Mordurteil wegen Raserei wurde im Februar 2017 vom BGH kassiert. Die Richter sahen den bedingten Tötungsvorsatz bei den beiden Angeklagten nach einem tödlichen Autorennen in der Berliner Innenstadt nicht ausreichend belegt. Im neu aufgerollten Prozess wurden die Männer im März dann erneut wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Diese Entscheidung ist allerdings noch nicht rechtskräftig.

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