Bilderflut auf Instagram : Selfie vor der Strahlenwüste: Serie "Chernobyl" kurbelt Tourismus an

Die Geisterstadt Pripyat liefert Touristen außergewöhnliche Fotomotive.
Die Geisterstadt Pripyat liefert Touristen außergewöhnliche Fotomotive.

Die morbide Kulisse der Geisterstadt von Tschernobyl lockt immer mehr Touristen an. Grund ist eine gehypte Fernsehserie.

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12. Juni 2019, 11:58 Uhr

Prypjat | Die kürzlich veröffentlichte US-amerikanische Miniserie "Chernobyl" gilt bei der Filmadatenbank "IMDb" als beste je gedrehte Serie. Weltweit überschlagen sich die Kritiker mit Lob. Die Serie arbeitet die Geschehnisse nach dem Reaktorunfall im ukrainischen Tschernobyl von 1986 auf.

Der Erfolg der Serie kurbelt nun offenbar den Tourismus in der Strahlenwüste an. Ein Reiseanbieter berichtete der Nachrichtenagentur Reuters, die Buchungen für Führungen in den kommenden Monaten seien um 40 Prozent gestiegen, seit die ersten Folgen im Mai ausgestrahlt wurden.

Ein anderer Reiseunternehmer sagte, er erwarte ebenfalls einen Anstieg der Buchungen um 30 bis 40 Prozent. Insgesamt gehe man in der Ukraine davon aus, dass sich die Touristenzahlen in diesem Jahr auf rund 150.000 verdoppeln könnten.

Der Touristenboom lässt sich auch auf Instagram mitverfolgen. Dort dokumentieren viele Besucher der Geisterstadt Pripyat ihre Eindrücke:

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Auch vor dem stählernen Sarkophag posieren die Touristen gerne:

Manche inszenieren sich in dem "Lost Place" wie bei einem professionellen Fotoshooting:


Geführte englischsprachige Tagestouren kosten derzeit rund 90 Euro. Die Anbieter berichten von Vorwürfen gegen sie, ihr Geschäft sei "widerwärtig und demütigend" für die von der Nuklearkatastrophe Vertriebenen. Nach Angaben der Reiseanbieter geht jedoch ein Großteil ihrer Einnahmen an die ukrainische Regierung.

Meist reisen die Touristen mit Bussen aus Kiew nach Pripyat. Dass es zuletzt mehr waren als zuvor, berichtete auch eine Reiseleiterin Reuters: "Viele Leute fragen nach der TV-Serie und den Ereignissen, die sie behandelt. Die Leute werden immer neugieriger."

Tourenanbieter melden ein Buchungsplus nach dem Erfolg einer TV-Serie zum Thema. Foto: AFP/ Genya SAVILOV
Tourenanbieter melden ein Buchungsplus nach dem Erfolg einer TV-Serie zum Thema. Foto: AFP/ Genya SAVILOV

Ist der Besuch der Tschernobyl-Anlage sicher?

Die Tourenführerin betont, dass professionell geführte Besuche der Anlage gesundheitlich unbedenklich seien. Das bestätigt auch ein Sprecher der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) in Köln gegenüber "Travelbook". Die Teilnehmer bekämen nach ukrainischen Angaben eine Strahlendosis von maximal 0,004 Millisievert ab. "Das liegt immer noch deutlich unter der Dosis, die man durch einen Flug von Frankfurt nach Kiew erhält", sagt der Experte. Auch ein mehrtägiger Aufenthalt in der Sperrzone sei somit grundsätzlich keine Gefahr für die Gesundheit.

Am 26. April 1986 war nach einem Bedienfehler ein Reaktor des ukrainischen Atomkraftwerks Tschernobyl explodiert. Die sowjetischen Behörden versuchten zunächst, den Reaktorunfall herunterzuspielen und zu vertuschen. Doch die enorme radioaktive Freisetzung verseuchte schnell weite Teile Europas. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation kamen mehrere tausend Menschen ums Leben. Zehntausende Menschen im Umkreis der Anlage mussten ihre Häuser für immer verlassen.

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