Mordprozess gegen Ex-Krankenpfleger : Staatsanwältin hält noch mehr Taten von Niels Högel für denkbar

Ex-Pfleger Niels Högel ist wegen Mordes an 100 Patienten an den Kliniken in Oldenburg und Delmenhorst angeklagt. Foto: dpa/Hauke-Christian Dittrich
Ex-Pfleger Niels Högel ist wegen Mordes an 100 Patienten an den Kliniken in Oldenburg und Delmenhorst angeklagt. Foto: dpa/Hauke-Christian Dittrich

Die Staatsanwaltschaft hat im Mordprozess gegen den Ex-Krankenpfleger Niels Högel mit ihren Plädoyers begonnen.

prignitzer.de von
16. Mai 2019, 10:39 Uhr

Oldenburg | Der Angeklagte habe sich eines Lügenmodells bedient, Vorgänge bestritten und nur mit zunehmender Beweislast nach und nach Taten eingeräumt, sagte Oberstaatsanwältin Daniela Schiereck-Bohlmann am Donnerstag vor dem Landgericht Oldenburg zum Auftakt ihres Plädoyers. Es gebe aber keine grundsätzlichen Zweifel an der Glaubhaftigkeit der von Högel abgelegten Geständnisse. Mehr noch: Sie hält es für möglich, dass Högel noch mehr Taten begangen hat. Sie sei nicht davon überzeugt, dass Högel in seiner Zeit in der Anästhesie in Oldenburg und während seiner Tätigkeiten im Rettungsdienst keine Morde begangen hat.

43 Taten eingeräumt

Högel hatte in dem Prozess 43 der 100 Taten eingeräumt und 5 bestritten. An die übrigen konnte er sich nach eigenen Angaben nicht erinnern. Er schloss aber nicht aus, diese Patienten getötet zu haben. Schiereck-Bohlmann wollte in ihrem vermutlich mehrere Stunden dauernden Plädoyer auf jeden einzelnen Fall eingehen. „Allein die Aussage „Größter Serienmörder der Geschichte“ reicht nicht aus, ihn zu verurteilen“, sagte die Oberstaatsanwältin auch mit Blick auf die Medienberichterstattung.

Alle Fälle werden Högel zugeordnet

Sie geht offenbar davon aus, dass Högel alle ihm zur Last gelegten Morde auch begangen hat. Bis zur ersten Prozesspause ging sie die ersten zehn Fälle aus dem Klinikum Oldenburg chronologisch durch. Bei allen sieht sie es als unstrittig an, dass Högel für den Tod des Patienten verantwortlich ist. Er habe den Tod der Patienten zumindest billigend in Kauf genommen. Mit Spannung wird vor Ort erwartet, ob die Staatsanwaltschaft den Mordvorwurf in allen 100 Taten aufrecht erhält. Ebenso ist noch nicht sicher, ob sie neben der Forderung einer lebenslanger Haftstrafe eine besondere schwere der Schuld als gegeben sieht.

Bereits zu lebenslanger Haft verurteilt

Der 42-jährige Högel muss sich seit Ende Oktober 2018 vor dem Gericht verantworten. Er soll seine 34 bis 96 Jahre alten Opfer in den Jahren 2000 bis 2005 an den Kliniken Oldenburg und Delmenhorst mit verschiedenen Medikamenten zu Tode gespritzt haben. Wegen des Todes von sechs Patienten auf der Delmenhorster Intensivstation war der Deutsche bereits 2015 zu einer lebenslangen Haft verurteilt worden.

Großes Interesse

Zu den Plädoyers ist das Interesse am Prozess vor Ort wieder größer geworden: Deutlich mehr Nebenkläger und Besucher als zuletzt haben sich in der Weser-Ems-Halle eingefunden.

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