Kommentar : Brexit-Streit: Dann lasst sie doch gehen

Dann sollen sie doch gehen, auch wenn es schmerzt: Das Werk 'Brexit. Stay with us' des Künstlers 'Bananensprayer' wird derzeit in der 'Uran Art Biennale' im Weltkulturerbe Völklinger Hütte gezeigt. Foto: Oliver Dietze/dpa
Dann sollen sie doch gehen, auch wenn es schmerzt: Das Werk "Brexit. Stay with us" des Künstlers "Bananensprayer" wird derzeit in der "Uran Art Biennale" im Weltkulturerbe Völklinger Hütte gezeigt. Foto: Oliver Dietze/dpa

Brexit-Fans haben auf dem europäischen Festland keine Lobby. Damit einher geht eine Einseitigkeit der Betrachtung und Berichterstattung - Panikmache eingeschlossen. Ein Kommentar.

prignitzer.de von
12. April 2019, 14:45 Uhr

Schwerin | Ja, nein, bald, vielleicht: Das Brexit-Drama geht weiter. Ob der Aufschub genutzt wird, mal wieder runter von den Palmen zu kommen? Das britische Parlament hat in den vergangenen Wochen jedenfalls ein ums andere Mal deutlich gemacht, dass es die EU verlassen will – zur Not auch unter hohen Kosten. Die Art und Weise, mit der Kritiker dies nicht wahrhaben wollen, trägt Züge einer merkwürdigen Weltfremdheit, die kaum besser ist als jene, die einem bedingungslosen Brexit jede Vernunft unterordnet. Wenn die Briten denn unbedingt gehen wollen, dann sollen sie doch, auch wenn es schmerzt.

Geht es um die öffentliche Meinung, ist zu bedenken, dass Brexit-Fans auf dem Festland keine Lobby haben. Im eigenen Land verfügen sie sehr wohl darüber, inklusive der besagten Mehrheit im Parlament und augenscheinlich in der Bevölkerung. Damit einher geht außerhalb Großbritanniens eine gewisse hämische, manchmal aggressive Einseitigkeit der politischen Betrachtung sowie der medialen Darstellung; Panikmache eingeschlossen.

Nicht jedes Szenario sollte hier als Tatsache, nicht jede Behauptung als notwendige Folge eines Ausstiegs bewertet werden. Ein Beispiel ist, dass das ausverhandelte Brexit-Abkommen ja weitgehend völlig unstrittig ist und von den Briten nur wegen eines Details des Umgangs mit der nordirischen Grenze bisher mehrfach abgelehnt wurde. Gab es Kompromissvorschläge der EU oder zumindest eine Befristung der strittigen Regel? Fehlanzeige. Das riecht danach, als wäre es manchem ganz recht, wenn das Drama möglichst lange währt und die Briten als chaotisch und dumm dastehen.

Im Ergebnis spielt hier jeder sein Spiel – auf allen Seiten.

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