Zehntausende Tote : Italienischer Klinik-Chef nennt Corona „nicht mehr existent“ – WHO übt scharfe Kritik

Alberto Zangrillo, Direktor des San Raffaele-Krankenhauses in Mailand – er wurde als Hausarzt von Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi bekannt.
Alberto Zangrillo, Direktor des San Raffaele-Krankenhauses in Mailand – er wurde als Hausarzt von Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi bekannt.

Mit seinen Äußerungen löste Alberto Zangrillo in Italien eine heftige Debatte aus.

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01. Juni 2020, 19:42 Uhr

Mailand | "Wir müssen ganz besonders vorsichtig sein, nicht den Eindruck zu vermitteln, dass das Virus von sich aus plötzlich beschlossen hat, weniger krank zu machen", sagte Experte Michael Ryan von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Montag in einer virtuellen Pressekonferenz in Genf. "Das ist überhaupt nicht der Fall."

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Der italienische Arzt Alberto Zangrillo, Direktor des San Raffaele-Krankenhauses in Mailand, hatte am Sonntag in einem Interview mit dem italienischen Fernsehsender RAI gesagt, "in Wirklichkeit existiert das Virus in Italien klinisch nicht mehr". "Die in den vergangenen zehn Tagen entnommenen Abstriche haben gezeigt, das die Viruslast quantitativ im Vergleich zu der vor ein oder zwei Monaten absolut unendlich klein ist", sagte er und fügte hinzu, es sei an der "Zeit, dieses Land nicht mehr zu terrorisieren".

Meisten Corona-Fälle im Norden des Landes

An dem neuartigen Coronavirus sind in Italien binnen drei Monaten fast 33.500 Menschen gestorben. Nachdem das Virus Ende 2019 zunächst in China aufgetaucht war, wurde Italien zeitweise zum Zentrum der Pandemie in Europa. Die meisten Fälle gab es im Norden des Landes und dort vor allem in der Lombardei, deren Hauptstadt Mailand ist.

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Mit seinen Äußerungen löste Zangrillo, der als Hausarzt von Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi bekannt wurde, in Italien eine heftige Debatte aus. "Während wir auf wissenschaftliche Beweise warten, die die These vom Verschwinden des Virus stützen, fordere ich diejenigen, die von dieser These überzeugt sind, auf, keine Verwirrung unter den Italienern zu stiften", erklärte Gesundheitsstaatssekretärin Sandra Zampa.

Der Chef des Nationalen Gesundheitsrates, Franco Locatelli, sagte, es reiche schon ein Blick auf die Zahl der täglichen Neuinfektionen "um festzustellen, dass das neuartige Coronavirus in Italien weiter umgeht". Zuletzt schwankte die Zahl der Neuinfektionen zwischen 300 und 500 pro Tag.

Am Montag registrierte der italienische Zivilschutz eine Reihe von ermutigenden Zahlen: Es gab nur 178 Neuinfektionen binnen eines Tages, die Zahl der Corona-Todesfälle war mit 60 ebenfalls rückläufig. 424 Covid-19-Patienten lagen noch auf der Intensivstation. Auch diese Zahl ging somit weiter zurück.

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