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Bundestagswahl 2017 : Hat man die AfD unterschätzt?

vom
Aus der Onlineredaktion

Neue Partei könnte als drittstärkste Kraft in Bundestag einziehen. Der Druck von rechts auf Merkel wächst

So langweilig der Wahlkampf erscheinen mag, sobald sich Angela Merkel derzeit auf den Marktplätzen der Republik zeigt, kochen die Emotionen hoch. Dann fliegen Tomaten, dann wird gepfiffen, gebrüllt, gehupt und gestört. Immer wieder kommt es zu massiven Protesten rechter Gruppen gegen Merkel-Auftritte. „Hau ab!“, rufen sie, oder „Merkel muss weg!“. Im Osten brüllen oft so viele Protestler, dass die CDU-Anhänger Merkel nicht mehr verstehen können. Auch wenn die Kanzlerin in den Umfragen weit vorne liegt: Es brodelt an vielen Orten, in Heidelberg, in Torgau und Wolgast. CDU-Generalsekretär Peter Tauber sagt, dass Rechtsextreme „unter dem Banner der AfD“ mittlerweile fast alle Veranstaltungen störten.

Der Druck von rechts auf Merkel wächst – aber nicht nur auf der Straße. Zwei Wochen vor der Wahl erhält die AfD Rückenwind in den Umfragen. Die Partei könnte womöglich als drittstärkste Kraft in den Bundestag einziehen. Während Merkel als Kanzlerin gesetzt gilt und bei der SPD bereits Katerstimmung herrscht, geht es nun um das Rennen um Platz drei. Im aktuellen ARD-„Deutschlandtrend“ liegt die Partei mit 11 Prozent vor Linken (10), FDP (9) und Grünen (8). Der von vielen als inhaltsleer gesehene Wahlkampf dürfte ihnen noch in die Hände spielen.

Hat man die AfD unterschätzt? Die rechte Flanke offen gelassen? In der Union heißt es, es sei gelungen, Wahlkampf gegen die Vorstellung einer rot-rot-grünen Regierung zu machen. Dabei sei die Abwehr der AfD vernachlässigt worden. Das müsse nun bis zur Wahl nachgeholt werden.

Ein Unionsmann sagt: „Keiner hat ein Patentrezept im Umgang mit dieser in Teilen rechtsextremen Partei. Der Zwiespalt ist groß: Man will die AfD nicht dadurch aufwerten, dass man sich andauernd öffentlich mit ihr beschäftigt, und andererseits muss man den eben mitunter rechtsextremen Charakter dieser Partei beschreiben. Das gehört auch zu einem Wahlkampf in einer Demokratie, die von der Wahrheit lebt.“ In der Union heißt es zudem, es sei massiv versäumt worden, der oftmals von AfD-Anhängern betriebenen Verrohung der Sprache und des Umgangs im Netz früh und konsequent zu begegnen – bei aller Meinungsfreiheit.

Über die AfD reden, sie enttarnen, aber bloß nicht aufwerten - ein schmaler Grat. Die Union will sich gegen die Störenfriede nun wehren. Peter Tauber wurde am Wochenende in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ sehr deutlich: „Diese selbsternannten Patrioten sind in weiten Teilen Rechtsextreme, die mit der einen Hand AfD-Plakate schwenken und die andere zum Hitlergruß heben.“

 

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