Umwelt : «Runder Tisch Wald und Wild»: Verbände fordern Dezimierung

Dammwild steht in einem Wildpark-Gehege. /dpa/Archivbild
Dammwild steht in einem Wildpark-Gehege. /dpa/Archivbild

Der Klimawandel setzt den Wäldern heftig zu. Doch nicht nur die Trockenheit der vergangenen beiden Jahre ist ein Problem. Hohe Wildtierbestände schädigen die Forste und behindern die natürliche Verjüngung.

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21. November 2019, 17:24 Uhr

Die erheblichen Trockenschäden auch in den Wäldern Mecklenburg-Vorpommerns erfordern nach Ansicht des Umweltschutzverbandes Nabu eine Neuausrichtung von Forstwirtschaft und Jagdrecht. Ziel müsse eine zunehmend natürliche Verjüngung der Wälder sein. «Aus Naturansamung entstehende Bäume haben eine bessere Wurzelentwicklung, sind vielfältig besser angepasst und bilden später Bestände mit höherer Widerstandskraft», sagte Nabu-Landeschef Stefan Schwill am Donnerstag in Schwerin. Um den jungen Bäumen bessere Entwicklungsbedingungen zu schaffen, müsse der Bestand an Schalenwild deutlich verringert werden. Vor allem Rehe, Damm- und Rotwild fressen junge Triebe immer wieder ab und behindern somit das Wachstum.

Schwill verwies darauf, dass eine Allianz aus Naturschutz-, Jagd- und Forstverbänden im Land angesichts der klimabedingten Waldbelastung schon mehrfach eine stärkere Bejagung verlangt habe. Dieser Forderung solle bei dem von Agrar- und Umweltminister Till Backhaus (SPD) für Freitag einberufenen «Runden Tisch Wald und Wild» Nachdruck verliehen werden. Schon seit der Sitzung des Landesforstbeirates im Mai 2016 herrsche breiter Konsens, dass das Jagdrecht geändert werden müsse. Doch keiner der Vorschläge dazu sei bislang umgesetzt worden», beklagte Schwill. In anderen Bundesländern, zuletzt in Brandenburg und Schleswig-Holstein, seien Änderungen bereits erfolgt. Mecklenburg-Vorpommern müsse endlich nachziehen.

Die beiden Dürrejahre 2018 und 2019 hätten deutlich gezeigt, dass die Waldökosysteme erheblichem Stress ausgesetzt seien. Betroffen seien nicht nur Nadelwälder. Mit andauernder Trockenheit würden zunehmend auch Bäume in Laubholzbeständen sterben, aktuell vornehmlich Buchen, sagte Schwill. Diese Entwicklungen wirkten sich nachteilig auf die Artenvielfalt in den Wälder aus.

In Mecklenburg-Vorpommern gibt es rund 560 000 Hektar Wald. Mit einem Waldanteil von 24 Prozent ist der Nordosten eines der waldärmsten Gebiete in Deutschland. Langfristig sollte sich der Nordosten am Bundesdurchschnitt von rund 30 Prozent Waldanteil orientieren, heißt es im 2016 beschlossenen Landeswaldprogramm. Doch verfehlt Mecklenburg-Vorpommern seither sein Ziel für die Waldmehrung von jährlich 1000 Hektar. Im vergangenen Jahr waren es lediglich 254,5 Hektar.

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