Hintergrund : Renaissance einer alten Idee

„Die (neue) Hanse“ versucht, den alten Gedanken grenzüberschreitend wiederzubeleben

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03. August 2015, 17:53 Uhr

Die Hanse hatte kein Staatsgebiet, kein Staatsvolk oder Staatssprache: heute wirkt das modern. Im 19. Jahrhundert, als die Völker gegen Napoleon um nationale Selbstbestimmung kämpften, galt die nichtstaatliche Hanse als überholt.

Dieses Bild hat sich gewandelt: stolze Bürger, die über Landesgrenzen hinweg ihre Werte und Rechte verteidigen.

Um an diese Tradition anzuknüpfen, wurde 1980 die Neue Hanse im niederländischen Zwolle gegründet. Anfangs ging es nur um eine Möglichkeit, für Tourismus zu werben – mit ein wenig Hansefolklore.

Genau das werfen Historiker der Neuen Hanse vor: Etikettenschwindel. Auch ist fraglich, wozu eine solche Organisation heute gebraucht wird angesichts der EU und europaweiter Kooperationen in nahezu jedem Bereich. Bernd Saxe, Bürgermeister der alten und neuen Hansehauptstadt Lübeck erklärt, warum er die neue Organisation trotzdem für notwendig hält: „Angesichts des europäischen Einigungsprozesses und der Globalisierung verlieren die Nationalstaaten an Bedeutung zugunsten der Regionen als Orte der Identität. Hier setzt die Neue Hanse an, indem sie eine gemeinsame Hanseidentität stiftet.“ Teil dieser Identität seien Werte wie Toleranz, Weltoffenheit, Vertrauen und das Bild des ehrbaren Kaufmanns, aber auch die hansische Architektur. Bürger der alten Hansestädte entdecken ihre gemeinsamen kulturellen Wurzeln wieder. Mittlerweile gehören über 183 Städte in 18 Ländern der neuen Hanse an – meist die früheren Mitgliedsstädte des Originals. Der dank des kulturellen Erbes positiv besetzte Hansebegriff soll als Marke für das Standortmarketing genutzt werden. So hat sich ein Hansetourismus zwischen den Städten entwickelt, aber auch ein Wirtschaftsverband Hanse mit über 70 Mitgliedern. Unternehmen, Wirtschaftsverbände und wissenschaftliche Einrichtungen aus den Hansestädten knüpfen über den Verband Kontakte.

Alle Mitgliedsstädte werden vertreten durch den Hansetag.

Alle Mitglieder haben dort gleiches Stimmrecht. Die Städte arbeiten dort gemeinsam in Projektgruppen zu den Themen Tourismus, Umwelt, Denkmalschutz, Wirtschaft.

Auch Nowgorod ist in die neue Hanse integriert – trotz und gerade wegen der Sanktionen gegen Russland.

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