Tarnow : Das Glas ist stets halb voll

Hieraus wird ein Schreibtisch: Heiko Lange hat nun mehr Zeit, sich um die „dreckigen Arbeiten“ zu kümmern. Der normale Kundenverkehr ist in der Tarnower Antik Mühle eingestellt.
Hieraus wird ein Schreibtisch: Heiko Lange hat nun mehr Zeit, sich um die „dreckigen Arbeiten“ zu kümmern. Der normale Kundenverkehr ist in der Tarnower Antik Mühle eingestellt.

Die Langes spüren coronabedingt finanzielle Auswirkungen in ihrer Antik Mühle, wollen aber trotzdem auch in Zukunft positiv denken

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03. April 2020, 05:00 Uhr

Ein seltenes Bild. Vor der Antik Mühle in Tarnow steht nicht das Schild „Antik offen“, die Tür ist geschlossen, draußen stehen keine Schränke. Im Mai besteht das Antiquitätengeschäft von Heiko und Susanne Lange seit 25 Jahren. Aber eine Situation wie diese haben die Langes noch nicht erlebt. Wie so viele Geschäfte auch muss die Antik Mühle derzeit aufgrund des Corona-Virus geschlossen bleiben. Zumindest der Laden samt Ausstellung, die Werkstatt ist weiterhin in Betrieb. „Natürlich macht sich das finanziell bemerkbar“, sagt Heiko Lange. Und trotzdem ist er überzeugt: „Wir werden das überleben, egal wie lange das dauert.“ Er ist kein Fan vom Trübsal blasen. Im Gegenteil. „Für meinen Mann ist das Glas stets halb voll“, sagt Susanne Lange. Den Kopf in den Sand zu stecken, das kommt für die Langes nicht in Frage. Wie immer im Leben bringe es nichts, sich nur auf das Schlechte zu fokussieren. Die positiven Dinge hervorheben und das Beste draus machen, das ist das Lang’sche Credo. Kürzlich habe eine Dame aus Bülow angerufen und einfach gefragt, wie es den Langes geht. Und das hat sie sehr gefreut.

„Es ist mein Leben, hier zu sein“, sagt Heiko Lange. Und so ist er auch in der Antik Mühle, wenn diese für den normalen Kundenverkehr geschlossen bleiben muss. Denn zu tun gibt es immer etwas. Wenn es viel Arbeit gibt, bleibe man immerhin normal. „Dann muss man nicht so viel nachdenken“, sagt der Geschäftsmann. In diesen Tagen arbeitet er die Sachen ab, die zeitintensiv sind und bislang gern mal liegen geblieben sind. Zum Teil auch, weil sie im laufenden Betrieb mit Kundschaft schwer zu machen sind. „Ich fange beispielsweise gerade damit an, einen Tisch zu bauen. Und da steckt viel dreckige Arbeit drin.“

Eigentlich würde auch genügend Zeit bleiben, um mal wieder das Inventar zu studieren. „Ich kenne nicht jedes Teil“, sagt Heiko Lange. Manchmal kommen Kunden mit Gegenständen zur Kasse, die die Langes gar nicht mehr in Erinnerung hatten. Kein Wunder bei hunderttausenden Teilen, sagt Heiko Lange.

Heute und morgen werden vorerst aber keine Kunden an die Kasse kommen. Der Verkauf beschränkt sich derzeit zwangsweise aufs Internet. Aber zur Goldgrube wird der Onlinehandel jetzt auch nicht, eher im Gegenteil. „Das Kaufverhalten der Menschen ist derzeit total verstört, sie werden regelrecht verrückt gemacht“, erklärt Heiko Lange. Auch in dem Wissen, dass Antiquitäten in Zeiten häuslicher Quarantänen sicherlich unwichtiger sind als das heißbegehrte Toilettenpapier. „Es gab sonst auch immer mal Phasen, wo einige Wochen lange Flaute herrschte“, weiß Susanne Lange. Aber dieses Mal sei es anders. Die Leute halten ihr Geld zusammen, weiß ihr Mann. Aber beide sind davon überzeugt, dass sich das auch wieder ändern wird. „Die Menschen werden irgendwann im Kopf auch wieder befreit sein.“ Nicht so plötzlich wie die Krise eintrat, aber ganz sicher. Und bis dahin profitieren die Langes davon, dass sie von der Pike auf gelernt haben, vernünftig zu wirtschaften, erklären sie.

Und obwohl der Krisen-Modus unbestimmt lange anhalten wird, die Langes bleiben positiv, wenden ihren Blick vom Negativen ab. Ein Beispiel: „Vor zwei Jahren habe ich mir ein Motorrad gekauft. Dafür habe ich nun mehr Zeit. Und die Autobahnen sind auch noch leer“, sagt Heiko Lange. Das Glas ist halb voll.

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