Schwaan : Der geplante Wohnhausbrand

Thomas Kulow-Krehl, Leiter der First Responder Gruppe.
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Thomas Kulow-Krehl, Leiter der First Responder Gruppe.

Die Gemeinden des Amtes Schwaan legen Schutzziele fest, auf denen der Brandschutzbedarfsplan basiert

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16. April 2019, 05:00 Uhr

Schwaan | Mit ihrem einstimmigen Votum zur Anerkennung von Punkt 3 der Brandschutzbedarfsplanung haben die Mitglieder des Schwaaner Amtsausschusses nun die Grundlage für selbigen beschlossen. Mit ihren Stimmen haben die Mitglieder bestätigt, dass sie die „Schutzziele und standardisierten Schadensereignisse“ anerkennen. Diese bilden die Grundlagen des gesamten Konzepts.

Um sowohl personelle als auch technische Bedarfe zu ermitteln, werden zwei Schadensereignisse planerisch zu Grunde gelegt. Zum einen handelt es sich um einen Brand im zweiten Obergeschoss eines Wohnhauses, in dem Menschen vermutet werden. Das andere Szenario bezieht sich auf einen Verkehrsunfall mit einer eingeklemmten Person.

Das von einem Ingenieurbüro erarbeitete Konzept sieht vor, dass bei einem innerörtlichen Einsatz Kameraden binnen zehn Minuten vor Ort sein müssen.In fünf Minuten sollen die Feuerwehrleute am Gerätehaus sein, hinzu kommen fünf Minuten Fahrt. Am Einsatzort muss mindestens ein Tragkraftspritzen-Fahrzeug mit Wasser an Bord oder ein Mittleres Löschfahrzeug sein. Und binnen 15 Minuten muss zusätzlich ein Löschgruppenfahrzeug eintreffen. 15 Kameraden mit entsprechenden Qualifikationen müssen am Einsatzort eintreffen. Einer muss die Qualifikation des Gruppenführers haben, vier der Atemschutzgeräteträger.

Zudem sieht der Brandschutzbedarfsplan vor, dass Ziele außerorts binnen 15 Minuten erreicht werden müssen. Neun Minuten Fahrtzeit wird den Kameraden eingeräumt.

Grundsätzlich seien die formulierten Schutzziele sinnvoll, erklärt Schwaans Amtswehrführer Thomas Kulow-Krehl. Die Kameraden seien zwar auch dafür da, eine brennende Mülltonne zu löschen. Doch der Grundsatz „retten, löschen, bergen, schützen“ sei eher auf den Brand und die eingeklemmte Person ausgelegt, weswegen die formulierten Schutzziele treffend seien. Auch die festgeschriebenen Eintreffzeiten seien angesichts der so genannten Reanimationsgrenze sinnvoll. Die besagt, dass eine im Brandrauch befindliche Person nach 17 Minuten kaum noch Chancen auf eine erfolgreiche Reanimation hat. Die Erträglichkeitsgrenze liegt übrigens bei 13 Minuten. Einzig für den Bereich Alte Weide sei die Frist kaum einzuhalten. Deswegen ist seit geraumer Zeit angedacht, dass die Schwaaner Wehr in die John-Brinckman-Straße umziehen soll.

Ausgehend von diesen Zielen wurde seitens des Ingenieurbüros für jede Gemeinde des Amtes eine Bestandsaufnahme der Wehren angefertigt. Dabei kamen in einigen Gemeinden Mängel in der Ausstattung, Personalstärke oder auch technischer Ausstattung zu Tage, die mit entsprechenden Handlungsempfehlungen zu beheben sind. Es dürfte wenig verwundern, dass das in einigen Gemeinden zu starken finanziellen Belastungen führen wird. Die Gemeinden werden sich mit ihren jeweiligen Brandschutzplänen noch befassen und diese beschließen – oder eben nicht.

„Die Gemeinden kommen nicht umhin, Geld in die Hand nehmen zu müssen“, weiß Amtswehrführer Thomas Kulow-Krehl. Dafür müsse aber jede Gemeinde einen eigenen Fahrplan erarbeiten. Fahrzeugtechnisch seien die Wehren im Amt allerdings gut aufgestellt. „Wir haben im Amt alle nötigen Fahrzeuge für den Grundschutz.“ In so mancher Wehr steht jedoch ein Fahrzeug, dass bereits ein der 20-Jahre-Marke kratzt und bald ausgetauscht werden muss. Problematischer als die Fahrzeug-Situation ist im Amt die Gerätehaus-Situation. Denn praktisch überall muss nachgebessert werden, um den Normen zu entsprechen.

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