Steinhagen : Jeder zweite Garten steht leer

Kleingärtner durch und durch: Julius Dietz (l.) hat sich hier in mehr als 40 Jahren mit seiner Frau eine grüne Oase geschaffen. Vereinschefin Heidrun Villmow kann sich aber nur über jeden zweiten bewirtschafteten Kleingarten in der Anlage in Steinhagen freuen.  Fotos: Ralf Badenschier
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Kleingärtner durch und durch: Julius Dietz (l.) hat sich hier in mehr als 40 Jahren mit seiner Frau eine grüne Oase geschaffen. Vereinschefin Heidrun Villmow kann sich aber nur über jeden zweiten bewirtschafteten Kleingarten in der Anlage in Steinhagen freuen. Fotos: Ralf Badenschier

Sommerzeit – Gartenzeit: „Am Gänseberg“ gibt es grüne Oasen und verwilderte Gärten.

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24. Juli 2018, 05:00 Uhr

Als Julius Dietz Anfang der 1970er-Jahre einen Garten in Steinhagen haben wollte, war das nicht so einfach. Es gab eine lange Warteliste. Mittlerweile gehört er zu den Urgesteinen der Kleingartenanlage „Am Gänseberg“ in Steinhagen. In seiner kleinen grünen Oase, fast 500 Quadratmeter groß, wächst fast alles, was das Herz begehrt. Kartoffeln, Gurken, Zwiebeln, Tomaten, Pfirsiche und so weiter. Auch Blumen.

Julius Dietz ist eines von 58 zahlenden Mitgliedern des Gartenvereins, die bei Vereinschefin Heidrun Villmow auf dem Zettel stehen. Dabei hat der Verein, der offiziell 1984 gegründet wurde, 130 Parzellen. Doch mittlerweile stehen viele Gärten leer. „Wir haben eine Leerstandsquote von 55 Prozent“, sagt die Vereinsvorsitzende. Allein das ist schon ein Problem. Ein viel größeres: Ist ein Stück Garten erste einmal aufgegeben, verwahrlost es ganz schnell. „Insbesondere hier am Gänseberg haben wir damit extrem zu kämpfen“, sagt Julius Dietz. Denn der Gartenverein ist auf drei Standorte verteilt. Im Schloßgarten entstanden die ersten Gärten bereits 1954. Und dann gibt es noch den Bereich des Spielplatzes. Das Besondere: Zwei Drittel des gesamten Pachtlandes, insgesamt rund 26 000 Quadratmeter, sind von privat. Der Rest, 10 000 Quadratmeter, ist Gemeindeland. Und der Verein ist dafür zuständig, dass alles in einem beräumten Zustand zurückgegeben werden kann, sollte einmal die Pacht auslaufen.

So weit ist es in Steinhagen noch nicht. Doch es fällt immer schwerer, neue Pächter zu finden. Viele hören verständlicherweise aus Altersgründen auf. Andere geben nur ein kurzes Intermezzo und sind nach ein paar Jahren wieder verschwunden. „Wer seine Pacht nicht zahlt oder seinen Garten verwahrlosen lässt, dem kündigen wir auch“, sagt Julius Dietz. Die Pflicht, Gartenhäuser dann zurückzubauen, wenn kein Nachfolger für den Garten gefunden wird, werde von vielen Ex-Vereinsmitgliedern einfach ignoriert. Die Situation in Steinhagen ist typisch für ein Dorf, weiß Andrea Broekelschen, Vorsitzende des Kreisverbandes der Gartenfreunde Güstrow. Anders sei das in den Städten. Insbesondere Gartenvereine in zentraler Lage hätten viele Nachfragen. „Gegenwärtig findet ein Generationswechsel statt“, erzählt Andrea Broekelschen. Viele junge Familien suchen eine grüne Oase. Jetzt komme es auch auf das Fingerspitzengefühl der Alteingesessenen an. Sie drücke auch mal ein Auge zu, wenn nicht ganz nach der Drittelregelung der Garten bewirtschaftet wird. „Ich halte diese sowieso für zu streng, eine Halbe-Regelung wäre völlig ausreichend“, so die Kreischefin. Andererseits ist ihre Erfahrung. Hätten die jungen Gärtner erst einmal ihre ersten Ernten eingefahren, dann wollen sie mehr. Dennoch verschließe der Kreisverband mit seinen 67 Kleingartenvereinen nicht die Augen vor dem Problem Leerstand. „Wir müssen in den nächsten Jahren definitiv über Rückbau reden“, sagt Andrea Broekelschen. Die Vereine benötigen dazu auch finanzielle Unterstützung. „Viele der Häuser stammen aus DDR-Zeit, haben teilweise Asbest verbaut“, so die Güstrowerin. Deshalb müsse über eine Förderung von Rückbauten gesprochen werden, zumal auch Gartenvereine unter den Lasten von Gartennomaden leiden. „Da pachten Leute Gärten, versprechen, was sie alles machen wollen und sind dann auf einmal verschwunden und hinterlassen Schulden und Müll“, erzählt Andrea Broekelschen. Eine Erfahrung, die der Verein in Steinhagen auch schon gemacht habe, wie Julius Dietz berichtet. Die Vorsitzende des Kreisverbandes ist dennoch optimistisch, dass Gärten nach wie vor eine Zukunft haben. „Deshalb rühren wir jetzt gerade wieder die Werbetrommel, zum Beispiel bei der Güstrowschau“, sagt Andrea Broekelschen.

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