Bützow : Kunstwerke auf der Haut

Seit zehn Jahren in Bützow: Dirk Schmidt (links) tätowiert Benjamin ein weiteres Porträt auf den Oberschenkel. Benjamins Tochter schaut zu.
Seit zehn Jahren in Bützow: Dirk Schmidt (links) tätowiert Benjamin ein weiteres Porträt auf den Oberschenkel. Benjamins Tochter schaut zu.

Dirk Schmidt betreibt seit zehn Jahren ein Tattoo-Studio.

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14. Oktober 2019, 05:00 Uhr

Er liegt wie auf einer Zahnarztliege, nur hält er seinen Mund geschlossen, ab und an mal sehr verkniffen. Aber er macht keinen Mucks, obwohl es ihm immer doch an bestimmten empfindlichen Stellen weh tue, gibt Benjamin unumwunden zu.

Der 26-Jährige sitzt oder liegt beim „Tattoo-Artist“, bei Dirk Schmidt in der Bahnhofstraße 6 b in Bützow. Und es ist nicht seine erste Sitzung, die er bei dem Tätowierer hat. Es wird auch nicht die letzte sein, denn „erstens habe ich noch Platz und zweitens macht Dirk das gut“, erklärt Benjamin.

Dirk Schmidt ist jetzt 41 und sagt von sich: „Ich habe einen Beruf, der mir wirklich Spaß macht, und ich würde nie wieder was anderes machen wollen.“ Dabei ist Tätowierer kein Ausbildungsberuf. In erster Linie müsse er Talent zum Zeichnen haben, erklärt Dirk Schmidt.

Er selbst habe das Tätowieren in einem Rostocker Studio gelernt. Hatte viel zugesehen und durfte später auch schon einmal Kleinigkeiten selbst machen. Als er das Tätowieren gut beherrschte, suchte er sich in einem Schweriner Tattoo-Studio eine Anstellung. Bis er sich 2009 selbstständig machte, eben hier in Bützow zwischen Innenstadt und Bahnhofsviertel. Nun ist er, wie unschwer zu errechnen, bereits zehn Jahre lang dabei und sei immer noch gut ausgebucht, wie er erklärt. Es gibt eben ganz viele Wiederholungstäter wie Benjamin.

„Laufkundschaft habe ich kaum, eigentlich gar nicht. Jeder, der einmal hier war, kommt wieder.“ Und weil es so gut läuft, steht ihm seit einem Jahr Alexander Hedrich (37) zur Seite, der eigentlich Zeichner ist und ab und an auch tätowiert. Eine Anmeldung sei Pflicht, betont Dirk Schmidt ausdrücklich.

Sich tätowieren zu lassen, ist das eine Sucht? Das meint jedenfalls der junge Mann auf dem Stuhl. „Mein erstes Tattoo habe ich mir mit 15 Jahren stechen lassen“, gesteht Benjamin. „Eine typische Jugendsünde in der eigenen Küche im Neubau. Die Frau schenkte mir dann zu Weihnachten einen Tattoo-Gutschein.“

Zuerst übermalte Dirk das alte Tattoo. Im März 2018 war die erste Sitzung. Das jüngste Kunstwerk auf seiner Haut ist jetzt ein, zwei Monate her. Auf seinem Oberschenkel sind besondere Porträts aus Film und Fernsehen zu sehen. „Die sind ausgesprochen gefragt“, weiß Dirk Schmidt. „Allerdings gibt es auch viele Trends. Uhr und Kompass zum Beispiel. Das ändert sich jährlich. Gott sei dank kommen zu mir Leute mit individuellen Wünschen.“

Wer sich nicht sicher ist, den berät er gern. Wer zum ersten Mal bei ihm aufschlägt, erst recht. Und wenn jemand einen ganz verrückten Wunsch hat, rät er schon mal dazu, sich das noch einmal zu überlegen und empfiehlt Alternativen.

„Aus Erfahrung weiß ich: Sie werden es früher oder später bereuen. Und mit mal eben wieder wegwischen ist da nichts.“ Bis jetzt habe niemand bereut, auf ihn gehört zu haben. Bis jetzt seien alle wieder ins Studio gekommen – aber nicht, um sich ein von gestaltetes Tattoo wegmachen zu lassen.

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