Bülow : Fliegende Monster am Gartenteich

Eine Mosaikjungfer verspeist auf diesem Foto Läuse an einer Kiefer.
Eine Mosaikjungfer verspeist auf diesem Foto Läuse an einer Kiefer.

Libellen haben in alten Überlieferungen einen schlechten Ruf – zu Unrecht, wie Hajo Kahl vom Bülower Kastanienhof belegt

prignitzer.de von
23. Juni 2018, 12:00 Uhr

Sie sind lebensgefährlich, lauern in der ufernahen Vegetation von Teichen, Seen und Tümpeln auf ihre Opfer, die gerade ein Sonnenbad nehmen oder Erfrischung in den Fluten eines Gewässers suchen. Auch vor Privatgärten machen sie nicht Halt. Ihre todbringende Brut legen sie dort auf Wasserpflanzen, in Gartenteichen und an deren Ufern ab, um daraus eine vernichtende Armee von hubschrauberartigen Monstern mit fürchterlichen Beißwerkzeugen und vergifteten Stacheln entstehen zu lassen. Sieben Stiche, so sagt man, töten einen Menschen. Und zehn Stiche dieser grausamen Insekten töten ein Pferd, erzählen Großeltern ihren ungläubig staunenden Enkelkindern.

Anfang der 90er-Jahre berichtete sogar eine große Tageszeitung: „Am Müritzsee vertrieben riesige Libellen die Badegäste … zehntausende 18 Zentimeter große Libellen stürzten sich mit Tempo 100 auf die Badegäste und lösten Panik aus.“ Alles Quatsch sage ich Ihnen! Libellen, von denen hier die Rede ist, sind für Menschen völlig harmlos. Lediglich alte Bezeichnungen für Libellen, wie „Teufelsnadel“, „Augenbohrer“ und „Pferdetod“ sorgen für ihren schlechten Ruf. Ihr Stachel, wenn man das Gerät für die Eiablage so nennen will, enthält kein Gift. Es gibt weltweit etwa 4700 Libellenarten, von denen leider nur wenige auf dem Kastanienhof leben.

Bei uns gibt es in diesem Jahr besonders viele Libellen. Auffällig sind die Blaugrünen Mosaikjungfern, die sich gerne an den Uferpflanzen unseres Teiches aufhalten um dem Wasserballett unserer Gänse zuzuschauen. Die Blaugrünen Mosaikjungfern gehören mit einer Flügelspannweite von etwa zehn Zentimetern zu den Großlibellen. Sie können Dank mehrerer „Flügelmotoren“ ihre Flugwerkzeuge unabhängig voneinander bewegen. Das versetzt sie in die Lage, in der Luft stehen zu bleiben oder von einem auf den anderen Moment ruckartig ihre Flugrichtung zu ändern.

Ich finde Libellen wunderschön. Ihre schillernden Körper mit den großen Augen und Flügeln erinnern mich immer an edle Schmuckstücke.

Schon vor mehr als 100 Jahren haben die Mosaikjungfern mit ihrem schillernden, blau-grünen Körper, der aus Smaragden und Aquamarinen zu bestehen scheint, die Künstler des Jugendstils, der Zeit des ausgehenden 19. Jahrhunderts inspiriert. Libellendarstellungen aus dieser Zeit findet man an Fassaden, bleiverglasten Fenstern, Lampen und Schmuck.

Der Entwicklungszyklus einer Libelle kann mehrere Jahre dauern. Bei der Blaugrünen Mosaikjungfer sind es bis zu drei Jahre, in denen sich die im Wasser lebenden Larven bis zu 15-mal häuten. Vor der letzten Häutung verlassen die Larven das Wasser, um sich in ein wunderschönes Fluginsekt zu verwandeln. Nach dieser Metamorphose fliegen die Libellen los, um im Flug Jagd auf Fliegen, Bienen, Mücken und Schnaken zu machen, die sie mit ihren kräftigen Beißzangen töten und ganz ohne Sättigungsbeilage verspeisen. Auch der Sex findet überwiegend in der Luft statt. Die ineinander verliebten Libellen formen im Flug einen Ring oder manchmal auch eine Art Herz, was ich sehr passend finde. Libellen brauchen Gewässer um überleben zu können. In unserer Gegend sind es die vielen Kleingewässer und Sölle, an deren Ufern sie sich wohl fühlen und manchmal frisch verliebt als fliegende Herzen für ihre Arterhaltung sorgen.



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