Zwei Wochen unermüdlich im Einsatz: Unter den rund 3000 Einsatzkräften beim Waldbrand in Lübtheen waren mit Hauke Köhn, Rico Welk, Pierre Frehse, Marco Zietzling und Marvin Frehse (v.l.) auch Helfer des THW Güstrow.

Unsere Helden aus Lübtheen : THW aus Güstrow: „Da fühlt man sich ganz klein“

Zwei Wochen unermüdlich im Einsatz: Unter den rund 3000 Einsatzkräften beim Waldbrand in Lübtheen waren mit Hauke Köhn, Rico Welk, Pierre Frehse, Marco Zietzling und Marvin Frehse (v.l.) auch Helfer des THW Güstrow.

Helfer des THW aus Güstrow beim Großfeuer in Lübtheen dabei: Naturgewalt, Dankbarkeit und Zusammenarbeit beeindrucken.

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13. August 2019, 20:00 Uhr

Ein gespenstischer Anblick bot sich den Helfern des Technischen Hilfswerks (THW) aus Güstrow, als sie beim Waldbrand auf dem Truppenübungsplatz in Lübtheen durch das munitionsbelastete Gebiet fuhren. Links und rechts waren Schneisen in den Wald geschlagen worden, es roch nach verbranntem Holz und aus dem verkohlten Boden stiegen Rauchschwaden gen Himmel. Hubschrauber zogen ihre Kreise, versuchten dem Feuer von der Luft aus Herr zu werden.

Die Güstrower selbst waren zur Amtshilfe von der Bundesforst angefordert worden. Mehr als zwei Wochen waren die Helfer bei Lübtheen im Einsatz. „Am 1. Juli wurden wir in Alarmbereitschaft versetzt. Schon einige Stunden später ging es los. Wir sollten Schlafgelegenheiten für die Einsatzkräfte aufbauen“, erklärt Rico Welk von der Fachgruppe Räumen den ersten Auftrag. Gemeinsam mit weiteren Kräften wurden 40 Zelte aufgebaut. Noch am gleichen Abend ging es zurück in die Barlachstadt. Es sollte nicht der einzige Einsatz bleiben.

Für die rund 3000 Einsatzkräfte vor Ort mussten Schlafgelegenheiten geschaffen werden. In so einem Bereitsstellungsraum 500 finden 500 Personen Platz. Luxus ist das nicht.
Rico Welk
Für die rund 3000 Einsatzkräfte vor Ort mussten Schlafgelegenheiten geschaffen werden. In so einem Bereitsstellungsraum 500 finden 500 Personen Platz. Luxus ist das nicht.
 

Durch die Bergepanzer der Bundeswehr waren Wege und Schneisen im Waldgebiet geschoben worden. Das Passieren: unmöglich. „Um die Wege für die Feuerwehr befahrbar zu machen, wurde unser Radlader angefordert“, beschreibt Rico Welk. Stunde um Stunde, Kilometer um Kilometer begradigten und befestigten die Güstrower die Zuwegungen zum Brandgebiet.

Bergepanzer haben Wege und Schneisen in den Wald gefahren. Aufgabe der THWler war es, die Zuwegungen für die Feuerwehr befahrbar zu machen.
Rico Welk
Bergepanzer haben Wege und Schneisen in den Wald gefahren. Aufgabe der THWler war es, die Zuwegungen für die Feuerwehr befahrbar zu machen.
 

 „Begleitet wurden wir vom Munitionsbergungsdienst und den Feuerwerkern der Bundeswehr. Erst nach ihrer Freigabe durften wir einen Streckenabschnitt befahren“, erklärt der 33-Jährige. In Gefahr habe er sich zu keiner Zeit versetzt gefühlt. „Das war alles professionell organisiert“, sagt er. Ein mulmiges Gefühl kam aber schon auf, als er aufgelesene Munition an einem Baum habe aufgereiht stehen sehen. „Den Respekt vor den möglichen Risiken haben wir nicht verloren“, sagt Welk, der neben dem Wegebau auch eine Pumpenstrecke für die Wasserwerfer aufzubauen half und entwurzelte Bäume abtransportierte.

Auch entwurzelte Bäume mussten beseitigt werden. Das Wurzelwerk wurde zu einem Sammelplatz transportiert. Da auch hier mögliche Munition stecke könnte, konnten die Wurzeln erst nach einem Röntgen geschreddert werden.
Rico Welk
Auch entwurzelte Bäume mussten beseitigt werden. Das Wurzelwerk wurde zu einem Sammelplatz transportiert. Da auch hier mögliche Munition stecke könnte, konnten die Wurzeln erst nach einem Röntgen geschreddert werden.
 

„Nachts habe ich die eine oder andere kleine Detonation gespürt – da macht man nichts unüberlegtes, verlässt keinen Weg“, ergänzt Kollege Pierre Frehse. Auch vor der gewaltigen Kraft des Feuers hat der 40-Jährige Respekt.

Es macht einen schon nachdenklich, wenn man kilometerlang durch ein bereits gelöschtes Quadrat fährt und plötzlich aus dem nix eine Stichflamme aus dem Boden schießt. Da fühlt man sich ganz klein. Pierre Frehse, THW Güstrow
 

Sein Vertrauen galt dem eigenen Wissen, seiner Technik und dem unermüdlichen Einsatz der Kameraden. Kraft schöpften er und seine Kollegen beim Essen. „Was der Betreuungszug des DRK da auf die Beine gestellt hat, war unglaublich. Einfach toll“, lobt er die Versorgung.

Dankbarkeit größte Motivation

Insgesamt sei die Zusammenarbeit vor Ort tadellos gewesen und „es ist ein großes Glück, dass niemand zu Schaden gekommen ist“, zeigt sich Pierre Frehse erleichtert. Eins wird der Güstrower, der in den drei Jahren beim THW noch keinen so großen Einsatz erlebt hat, nie vergessen: die Dankbarkeit der Anwohner. „Da standen zwei kleine Mädchen am Straßenrand. Auf ihrem Schild stand ,Danke, dass ihr uns helft‘ – das war ein Motivationsschub“, erinnert sich Frehse mit einem Lächeln auf den Lippen.

Die Dankbarkeit der Anwohner war für die ehrenamtlichen Helfer die größte Motivation.
Rico Welk
Die Dankbarkeit der Anwohner war für die ehrenamtlichen Helfer die größte Motivation.
 

Ein Landkreis sagt danke: Alle Einsatzkräfte, Helfer und Anwohner sind am 7. September auf den Festplatz nach Lübtheen eingeladen.

Weiterlesen: Nach dem Waldbrand bei Lübtheen: „Im Einsatz funktionierst du nur“

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