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Familienhilfe Landkreis Rostock : Betrugsvorwurf an Jugendamt

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Familienhelfer sollen Stunden abrechnen, die sie nicht erbracht haben - Landkreis weist Anschuldigungen vehement zurück.

von
erstellt am 05.Dez.2017 | 20:45 Uhr

Schwere Vorwürfe gegen das Jugendamt des Landkreises. Vom Jugendamt bewilligte sozialpädagogische Familienhelfer sollen Stunden abrechnen, die sie nicht ableisten. „Die können abrechnen was sie wollen“, behauptet Simone Hermissen aus Dersentin. Sie hatte einen Familienhelfer beantragt, als ihre 17-jährige Tochter schwanger wurde. „Sie kommen zwei Stunden im Monat und rechnen 16 Stunden ab.“ Simone Hermissen spricht von „Betrug“. Sie selbst müsse jetzt alles abarbeiten, was der Familienhelfer versäumt habe.

Für Anja Kerl, Dezernatsleiterin Finanzen und Soziales beim Landkreis, unhaltbare Vorwürfe. „Das weisen wir ganz entschieden zurück“, sagte sie in einem Interview mit unserer Zeitung. Und weiter: „In meiner zweijährigen Amtszeit hat es bisher keine Klagen über die gewährte Familienhilfe gegeben“, so Anja Kerl. Ein Abrechnungsbetrug sei in keinem Fall festgestellt worden.

<p>Anja Kerl, Dezernentin Finanzen und Soziales im Landkreis Rostock</p>

Anja Kerl, Dezernentin Finanzen und Soziales im Landkreis Rostock

Foto: svz
 

Für die Familienhilfe bedient sich der Landkreis freier Träger. Insgesamt zwölf erbringen diese Leistung für den Landkreis. Ein Betroffener stellt einen Antrag auf Familienhilfe beim Jugendamt. Das Amt erteilt dann einen Bewilligungsbescheid mit einer bestimmten Anzahl von Fachleistungsstunden. „Diese Stundenzahl kann variieren und wird individuell auf den Betroffenen abgestimmt“, erklärt Anja Kerl. Im Auftrag des Jugendamtes wird dann ein ausgebildeter Familienhelfer von dem freien Träger entsandt. Im vergangenen Jahr gab es im Landkreis durchschnittlich 449 Fälle von sozialpädagogischer Familienhilfe pro Monat.

Soweit das Prozedere. Ein Problem: Wie viele Stunden die freien Träger für die Arbeit ihrer Familienhelfer beim Landkreis abrechnen und ob diese Stunden konkret erbracht wurden, kann der Landkreis nur eingeschränkt überprüfen. „Wir kontrollieren die Abrechnungen monatlich. Aber hier spielt auch ein gewisses Vertrauen gegenüber dem freien Träger eine wichtige Rolle. Ich kann nicht jedem Familienhelfer hinterherlaufen“, sagt Anja Kerl. Die Zusammenarbeit mit den freien Trägern sei für den Landkreis grundlegend. Vertrauen müsse deshalb vorhanden sein. Die Familienhelfer müssten monatlich einen Leistungsnachweis über gewährte ambulante Hilfe zur Erziehung gegenüber dem Jugendamt erbringen. „Dabei gibt es Auswertungen und Rückkopplungen mit dem Familienhelfer“, unterstreicht Anja Kerl. Zudem seien immer mehrere Personen an einem Fall beteiligt. So sei auch ein Sozialarbeiter des Landkreises eingebunden.

Laut Anja Kerl sei es für Außenstehende nicht immer erkennbar, wie die Familienhilfe erbracht werde. „Der Familienhelfer muss für seine Stundenzahl nicht immer vor Ort sein“, erklärt sie. „Es laufen auch andere Aktivitäten im Hintergrund ab, vor allem Vor- und Nachbereitungen.“ Diese würden ebenfalls abgerechnet. Auch sei die Familienhilfe eine „Hilfe zur Selbsthilfe“, hebt Dezernatsleiterin Anja Kerl immer wieder hervor. „Es geht nicht darum, den Betroffenen alle Probleme abzunehmen, sondern sie sollen zu eigenen Lösungen angeregt werden.“

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