Geständnis von 30-Jährigem : Brunnen-Zerstörung in Güstrow aufgeklärt

Der teilweise zerstörte Borwinbrunnen in Güstrow
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Der teilweise zerstörte Borwinbrunnen in Güstrow

Fassungslos haben Einwohner in Güstrow am Neujahrsmorgen ansehen müssen, wie einer ihrer historischen Brunnen stark beschädigt wurde. In kurzer Zeit wurde die Randale aufgeklärt: Ein 30-Jähriger hat die Sprengung mit Pyrotechnik gestanden.

prignitzer.de von
02. Januar 2018, 12:02 Uhr

Einen Tag nach der teilweisen Zerstörung des historischen Borwin-Brunnens in Güstrow hat die Polizei den mutmaßlichen Täter ermittelt. Ein 30 Jahre alter Güstrower wird verdächtigt, mit einer Sprengstoffexplosion – vermutlich mit illegal beschafftem Feuerwerk – in der Silvesternacht den Brunnen auf dem Pferdemarkt erheblich zerstört zu haben.

In der Nacht zu Dienstag habe die Polizei einen Hinweis bekommen, dass der Mann Sachen beiseite schaffen wolle, die mit der Tat in Verbindung gebracht werden könnten, sagt Gert Frahm, Sprecher der Polizeiinspektion Güstrow. Deshalb seien die Wohnung und eine Garage durchsucht und dabei verschiedene Beweisstücke sichergestellt worden. Frahm: „Letztendlich war die Beweislage dann wohl auch für den Mann selbst so erdrückend, dass er in der Vernehmung die Tat gestanden hat.“

Zum schnellen Ermittlungserfolg hatten verschiedene Videos und Fotos von dem Geschehen auf dem Pferdemarkt in der Silvesternacht beigetragen, die in sozialen Netzwerken verbreitet wurden. Außerdem gab es laut Frahm zahlreiche weitere Hinweise aus der Bevölkerung.

Ein Video auf der Facebook-Seite Güstrow Fotos zeigt die Explosion in der Silvesternacht:

Die Frage bleibt, ob der Verursacher des Schadens dafür aufkommen kann, oder ob die Stadt auf den Kosten sitzen bleibt, weil beim Verursacher womöglich nichts zu holen ist. Der durch die Straftat verursachte Schaden – von der oberen Wasserschale wurde rund die Hälfte weggesprengt – wird von der Stadt inzwischen auf rund 100.000 Euro geschätzt.

<p>Der Borwinbrunnen um 1892, kurz nach seiner Errichtung  </p>
Ulrich Schirow

Der Borwinbrunnen um 1892, kurz nach seiner Errichtung 

 
Zu Ehren des Stadtstifters - der Borwinbrunnen in Güstrow

Planung und Errichtung unseres Borwindenkmals war 1889 keine fixe Idee, es war Würdigung und Ehrung historischer Ereignisse zugleich. Es waren gleich zwei wichtige Anlässe, die die Stadt zur Schaffung des Denkmals bewogen. In einem kleinen Stadtführer von 1892, erschienen im Verlag A: Polemberski in Güstrow, werden die Anlässe zur Errichtung des Denkmals ausführlich beschrieben. Der Güstrower Stadthistoriker Ulrich Schirow hat nachgeblättert und fand im Stadtmuseum auch das historisches Foto.

Schon über einen langen Zeitraum gab es in Güstrow eine öffentliche Wasserversorgung, die jedoch im 19. Jahrhundert auf Grund der stetigen Veränderung der Stadt völlig unzureichend geworden war. So war nun das Leitungssystem komplett erneuert worden und 1885 ein neuer, größerer Wasserturm in der Baustraße errichtet worden. Polmberski schreibt: Da tauchte der Gedanke auf, mit einem öffentlichen Brunnen dem neuen Werk den Schlussstein einzufügen.“ Gleichzeitig wollte man aber auch dem Stadtbegründer, Heinrich Borwin II., ein Erinnerungszeichen setzen. Aus dem Verschönerungsfonds der Stadt gab es 12000 Mark zur Herstellung des Brunnens.

Der Brunnenentwurf stammt vom Oberbaurat Daniel aus Schwerin, die Bildhauerarbeit der kunstvollen Borwinfigur mit der Stadtgründungsurkunde in der Hand und den Wehrsymbolen Schwert und Schild, stammen von dem Hamburger Bildhauer Richard Thiele. In dessen Atelier hat übrigens Ernst Barlach freies Modellieren erlernt.

Das Denkmal, aus Sandstein gearbeitet,  ist in mehreren Teilen aufgebaut. Auf dem Unterbau ist in lateinischer Sprache eine Inschrift gehauen. „Sowohl unsere Zeitgenossen als unsere Nachfolger späterer Zeiten sollen wissen, dass wir, dem Wunsche unserer Bürger von Güstrow mit freundlichem Wohlwollen entgegenkommend, denselben das Schwerinsche Stadtrecht , welches unser Vater ihnen verliehen hatte, bestätigen.“ Darunter hinzugefügt: „Zur Erinnerung an Heinrich Borwin II., Fürsten zu Mecklenburg, dem Stifter der Stadt, ist nach Vollendung der Wasserwerke dieser Brunnen errichtet im Jahre 1889.“

 

Bürgermeister Arne Schuldt verweist darauf, dass nach der Silvesternacht 2003, als der Brunnen schon einmal erhebliche Brandwunden erlitten hatte, nur ganz kleine monatliche Raten auf das Stadtkonto geflossen sind. Schuldt hatte damals unmittelbar nach dem Vorfall sein Amt im Rathaus angetreten und erinnert sich daher noch sehr lebhaft an das Geschehen vor 14 Jahren. Jetzt sei es notwendig, zunächst einen Statiker die Standsicherheit des Brunnens untersuchen zu lassen, und dann müssten Restauratoren zu Rate gezogen werden.

Bereits am 1. Januar hatten Mitarbeiter des städtischen Bauhofes Trümmer geborgen. Zwar hatte die Polizei den Tatort abgesperrt, aber zahlreiche Güstrower ignorierten das, wollten dem Brunnen wohl besonders nahe sein. Einige fingen an, Sandsteinbrocken als „Souvenir“ einzustecken. „Da mussten wir, obwohl die Polizei am Dienstag vor Ort gerne noch weitere Ermittlungen anstellen wollte, alles sicherstellen“, erklärte Schuldt.

Fassungslosigkeit und große Sorge: So reagiert das Netz

Auf unseren Facebook-Kanälen ruft die teilweise Sprengung des Borwin-Brunnens in Güstrow vor allem Entsetzen hervor. „Es ist verantwortungslos und ein Angriff gegen uns alle. Ein Wahrzeichen von Güstrow wurde mutwillig zerstört. Diese kriminelle Energie, die dort hintersteckt, ist mehr als zu verurteilen", bringt es Kevin Sell in dem sozialen Netzwerk auf den Punkt.

Sarah Müller kann nicht verstehen, wie jemand zu solch einer sinnlosen Zerstörung fähig ist. „Man kann dazu einfach nichts mehr sagen. Da fehlen einem die Worte bei so viel Dummheit! Ich hoffe, die Leute bekommen eine ordentliche Strafe... denen ist es wahrscheinlich gar nicht bewusst, was sie da kaputt gemacht haben und wofür das steht." Ebenso sieht es auch Christoph Reeps. „Einfach nur traurig, wie einige mit den (Kultur-)Gütern anderer umgehen", sagt er.

Wie konnte es soweit kommen? Ein Frage, die Katharina Beer auch in Richtung Stadtverwaltung stellt. „Wenn ich mich recht erinnere, war der Brunnen über den Winter immer mit Holz verschalt. Warum dieses Jahr nicht? Dann hätte das vielleicht verhindert werden können..., dann wäre der Schaden vielleicht nicht so groß."

Sammy Fischer geht noch weiter. Seiner Ansicht zufolge wäre die einzige Lösung, um solchem Vandalismus vorzubeugen, explosive Stoffe aus dem Handel zu entfernen. „Es wird Zeit den Mist endlich zu verbieten. Sollen die Städte und Gemeinden offizielle und vor allem professionelle Feuerwerke installieren, die sich dann jeder frei anschauen kann. Da wäre viel mehr gewonnen."

Roland Loeckelt macht sich Sorgen, dass frei erhältiches Feuerwerk auch für Anschläge genutzt werden könnten. „Bei dem Feuerwerk steht jedem Amateursprengmeister und potentiellen Terroristen genügend Sprengstoff zur Verfügung, um diese und weitere größere Zerstörungen anzurichten. Da hilft dann auch keine Ausspähung und Überwachung von potentiellen Tätern. Hier konnte sich jeder ohne Kontrolle mit den notwendige in den Tage vor Silvester eindecken."

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