SVZ-Serie Ehrenamt : „Ich verkaufe besondere Dinge, die fair gehandelt sind“

Hanna Seimer (69) arbeitet seit über einem Jahr im Weltladen Güstrow mit / Nach der Goldene Konfirmation 2008 zog sie wieder in ihre Heimatstadt zurück

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15. Februar 2014, 06:00 Uhr

Hanna Seimer hat im Güstrower Weltladen am Markt 22 seit der Eröffnung eine ehrenamtliche Beschäftigung gefunden, die ihr viel Freude macht. „Als ich von der Eröffnung erfuhr, dachte ich gleich daran, mich als Mitarbeiterin zu melden“, erzählt die 69-Jährige, die die Güstrower auch aus der Garderobe und vom Einlass im Theater kennen dürften. Denn schon in Greifswald, wo sie zuletzt wohnte, hatte sie eine solche Beschäftigung für sich im Auge.

Durchschnittlich einmal in der Woche steht sie an der Kasse, packt Ware aus oder bereitet Kunden einen Kaffee zu. „Ich verkaufe besondere Dinge, die fair gehandelt sind und ich komme unter Menschen“, erklärt sie ihre Motivation. Für die drei Stunden gibt es zwar kein Geld, aber Hanna Seimer hat so Kontakt mit vielen Güstrowern und Gästen der Stadt. Denn sie wohnt erst seit 2010 wieder in Güstrow, wo sie ihre Kindheit verbrachte. Neben ihren damaligen Mitschülern hat sie durch ihre Arbeit im Theater und Weltladen viele neue Kontakte knüpfen können. Außerdem hat sie das Gefühl etwas Gutes zu tun. „Die Vorträge sind wirklich immer sehr interessant und weiten den Horizont“, so Hanna Seimer. Einmal monatlich gibte es eine Zusammenkunft aller Mitarbeiter, bei der immer ein anderes Thema behandelt wird. Die Arbeit hier tue also auch ihr gut. „Daneben hilft man anderen Menschen, denn die Erlöse werden für Wasserleitungen oder Ähnliches in der Dritten Welt eingesetzt“, erzählt sie.

Bis zum 16. Lebensjahr war Hanna Seimer in Güstrow zu Hause. Dann besuchte sie das kirchliche Oberseminar in Potsdam. Auch wenn sie letztlich nicht Theologie studierte sondern Buchhändlerin in der Stiftungsbuchhandlung in Potsdam lernte, blieb sie in dieser Stadt hängen. Hier schenkte sie drei Söhnen das Leben und nahm, als diese aus dem Haus waren, ihre Mutter wieder zu sich.

Beruflich war es nach der Wende nicht so leicht für Hanna Seimer. Sie machte sich mit einem Kollegen mit einer Musikalienhandlung selbstständig, doch ihre Geschäftsidee ging nicht auf.

Deshalb zog sie zurück in den Norden, ging nach Greifswald. Als aber Ende 2008 die Einladung zur Goldenen Konfirmation in Güstrow kam, staunte sie, wie viele ihrer Bekannten noch in der Barlachstadt waren. „Da dachte ich, ich könnte doch auch gut wieder nach Güstrow ziehen“, so die Ruheständlerin.

Jetzt ist sie froh über diese Entscheidung. Ihre Enkel auf Rügen und Usedom kann sie auch von Güstrow aus besuchen. Ihre Arbeit im Weltladen kann sie dennoch leisten. Dass der Weltladen jetzt den Eine-Welt-Preis gewonnen hat, freut Hanna Seimer. „Das ist einfach toll“, sagt sie. Derzeit arbeiten etwa 20 Mitarbeiterinnen im Weltladen im Verkauf mit. Um die Öffnungszeiten erweitern zu können, wären weitere Mitarbeiter notwendig. Wer also glaubt, ebenso wie Hanna Seimer hier arbeiten zu wollen, ist willkommen.



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