Mordprozess: Antragsflut verzögert Verhandlung

prignitzer.de von
11. Januar 2019, 05:00 Uhr

Auch gestern kam Verteidiger Ulrich Knye im Strafverfahren gegen den des Mordes angeklagten Güstrower Geschäftsmann Jens H. (40) nicht dazu, sein Plädoyer zu halten. Wieder musste sich das Gericht mit den Befindlichkeiten des Angeklagten beschäftigten. Der hatte bereits Anfang Dezember, nach dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft, die für den Güstrower eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes aus niedrigen Beweggründen an seiner langjährigen Partnerin Sophie W. (36) gefordert hatte, zahlreiche Befangenheitsanträge gegen das Gericht gestellt. Er warf dem Gericht vor, seine Persönlichkeitsrechte und die Menschenrechte zu missachten.

Der Leitung der Justizvollzugsanstalt drohte H. mit Strafanzeigen. Der Angeklagte ist der Meinung, dass er während der Fahrt zum Gericht und auf der Rückfahrt zu Unrecht Fußfesseln angelegt bekommt. Außerdem seien ihm Friseur und Grundnahrungsmittel verweigert werden.

Diese Anschuldigungen wurden gestern vom Abteilungsleiter der U-Haft eindeutig widerlegt. Der Zeuge stellte klar, dass Jens H. in der JVA als Hausarbeiter tätig ist und dadurch in der glücklichen Lage, jeden Morgen in der Küche zu frühstücken. Er könne auch wie alle anderen die Sportanlagen nutzen. Ein Friseur sei nicht da, denn die Häftlinge würden sich aus Kostengründen in der Regel gegenseitig die Haare schneiden. Was das Grundnahrungsmittel Zucker betrifft, den würde es lose aus „gegebenem Anlass“ nicht zu kaufen geben. Und zu der Fesselung der Füße sagte er, dass Jens H. eine lange Haftstrafe zu erwarten habe. Und in diesem Falle sei die Fesselung erforderlich, denn es sei nicht abschätzbar, wie die Sicherheitsmaßnahmen zum Beispiel im Gericht gegeben sind.

Der Angeklagte wiederholte seine Anschuldigungen und protestierte gegen die Zurückweisung seiner Befangenheitsanträge. Außerdem stellte er Strafanzeigen wegen Körperverletzung im Amt und Nötigung gegen das Gericht. Außerdem hätte er neue Wunden an den Füßen.

Staatsanwaltschaft und Nebenklage wiesen die Anträge zurück. Der Angeklagte setze sich nicht mit seiner Tat auseinander, wie es angebracht wäre, sondern ausschließlich mit seiner eigenen Befindlichkeit. Der Vorsitzende Richter ordnete an, dass Jens H. in der JVA sofort einem Arzt vorgeführt wird, der seine Füße begutachtet.

Am 25. Januar wird weiter verhandelt.







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