Regionale Schule Zehna : Was braucht ein Azubi zum Leben?

Der Zehntklässler Tim Krüger grübelt über die Angebote der Aussteller in der Schule Zehna.
Der Zehntklässler Tim Krüger grübelt über die Angebote der Aussteller in der Schule Zehna.

Auf der 8. Lehrstellenmesse in der Regionalen Schule Zehna vergleicht ein Schüler die Gehälter für Azubis – was ist sein Fazit?

prignitzer.de von
19. Januar 2018, 20:45 Uhr

Tim Krüger steht hinter einem geöffneten Rettungswagen. Vor ihm drei Notfallsanitäter des DRK Güstrow. Tim zögert nicht lange und stellt die harten Fragen. „Was verdient man denn bei euch im ersten Lehrjahr“, fragt der 16-Jährige die Männer. Einige Sekunden herrscht Schweigen, Blicke werden ausgetauscht. „Sag du“, meint einer zum anderen. 1000 Euro brutto ist die Antwort. „Nach Steuern ist das natürlich etwas weniger. Aber du kannst nach der Ausbildung in Güstrow und bundesweit arbeiten. Sanitäter werden extrem gesucht“, sagt ein DRK-Mitarbeiter. Es ist die Gretchenfrage für angehende Azubis aus der Region. Hierbleiben oder Weggehen? Nur am Geld orientieren oder auch am Spaß bei der Arbeit?

Firmen werben um Auszubildende

Tim geht entspannter als andere Jugendliche in die 8. Lehrstellenmesse in der Regionalen Schule Zehna. Er hat bereits eine Zusage für seine Traumlehre als Kfz-Mechatroniker in Güstrow. „Das wollte ich schon als Kind werden“, sagt er. Trotzdem will der Noch-Schüler aus Zehna wissen, was die anderen Firmen anbieten, auch für seine Freunde, die noch auf der Suche sind. Er kennt das Thema Abwanderung aus seiner Familie. Seine Schwester ist bereits weggezogen. „Sie hat hier nichts gefunden“, sagt er.

Tim geht durch den Eingang der Turnhalle. An der Glastür kleben Fahrpläne. Das Busunternehmen hat auch einen Stand in der Halle. Es geht regional zu, auch um die Schüler im Landkreis zu halten. Drinnen kann Tim zwischen Gerüstbauern, einer Drogerie, der Debeka-Versicherung oder der Landesforst MV wählen, die auf grünen Teppichen ihre Tische aufgestellt haben. Auch größere Arbeitgeber sind von weiter her ins kleine Zehna angereist. Der Hafenlogistiker Europort aus Rostock, das Hauptzollamt Stralsund, die Bundespolizei und die Bundeswehr sind hier. 24 Aussteller insgesamt.

Tim setzt sich an den Tisch der MV Werften Wismar. Das Unternehmen sucht Anlagenmechaniker-Azubis. „Und was verdient man bei euch“, fragt Tim. 1004 Euro beträgt die Ausbildungsvergütung im ersten Lehrjahr. Nach dem kurzen Gespräch sagt er: „Ich schaue nicht nur auf den Lohn. Wenn ich viel Geld verdienen würde, aber jeden Tag deprimiert wäre, bringt mir das ja auch nichts.“

Doch beim nächsten Stand kommt er ins Grübeln. Im Rostocker Hafen sucht ein Logistiker Auszubildende, die als Lagerarbeiter, Stapler-Fahrer oder Kranfahrer arbeiten sollen. Der Mitarbeiter gibt sich Mühe und beantwortet Tims Fragen. Nachtschicht? Nicht für Azubis. Später aber schon. Gibt es auch Kolleginnen? Der Hafen sei eine Männerdomäne. Und das Gehalt im ersten Lehrjahr? „560 Euro“, ist die Antwort. „Gibt es dazu einen Wohnheimplatz?“, fragt Tim. Nein. Tim grübelt. Er zählt Miete, Lebensmittel und andere Kosten auf. „Könnte eng werden“, stellt er fest. Aber Tim ist ein Optimist, versucht das Gute zu sehen. Man müsse eben flexibel sein und Glück haben, dass Eltern oder Freunde in Rostock leben, bei denen man unterkommen könnte. Dann könnten Azubis auch mit 500 Euro Gehalt auskommen.

Trotzdem sei er froh, nicht mehr bangen zu müssen. Er hat eine sichere Lehrstelle. „Und ich werde auch deutlich mehr als 560 Euro verdienen“, sagt Tim.

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