Unsere Helden aus Lübtheen : Sie löschten nicht nur den Durst

Nahkauf-Chef Samuel Seidel  in seinem Markt mit Verkäuferin Martina Pagels. Seidels Team hat während des Lübtheener Brandes Großes bei der Versorgung der Einsatzkräfte geleistet.
Nahkauf-Chef Samuel Seidel in seinem Markt mit Verkäuferin Martina Pagels. Seidels Team hat während des Lübtheener Brandes Großes bei der Versorgung der Einsatzkräfte geleistet.

Samuel Seidel und seine Mannschaft vom Lübtheener Nahkauf haben sich beim Großbrand rund um die Uhr gekümmert

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14. August 2019, 20:00 Uhr

„Wir brauchen ganz viel Getränke und das gleich. Und du müsstest sie aber selbst zur Einsatzzentrale rumbringen. Geht das?“ Samuel Seidel, Inhaber des Lübtheener Nahkauf-Marktes, musste bei dieser Nachfrage von der Stadt Lübtheen nicht lange überlegen. Zusammen mit seinem Team konnte er schnell reagieren. Und das sollte erst der Anfang einer Versorgungsoffensive rund um den Großbrand sein. Für Seidel und seine 16 Mitarbeiter war das keine Heldentat, dennoch haben sie die Woche des Großbrandes als etwas Besonderes in Erinnerung.

Stadt und Wehr forderten Getränke an

„Stadt und Feuerwehr wissen, dass sie mich rund um die Uhr anrufen können, wenn ich etwas liefern soll, den Vertrag haben wir schon seit 12 Jahren.“ Und so dachte sich Seidel zunächst auch nicht viel dabei, als er am Freitag beim ersten Lübtheener Brand seine Kameraden von der heimischen Wehr das erste Mal versorgte. Einen Tag später, beim Sommerfest der Firma Dankwardt, hatte er beim Ausschank den Rauch schon direkt vor Augen.

Samuel ist verlässlich, immer präsent, zuverlässig und schnell. Den kannst du wirklich in der Nacht anrufen, er liefert. Bernd Skobel, einer der stellvertretenden Lübtheener Bürgermeister
 

Wasser und Apfelsaftschorle sind in solchen Fällen die gefragten Getränke, weiß der 47-Jährige aus Erfahrung. Er ist als Getränkehändler in Lübtheen groß geworden bevor er den kleinen aber gut sortierten Supermarkt im Herzen Lübtheens eröffnete. Getränke hat er eigentlich immer ausreichend auf Lager. Doch dieses Mal war es anders, denn schnell kam die zweite Anforderung nach Getränken, während die Zahl der Einsatzkräfte zügig wuchs. „Ich haben beim Ausladen mit den vielen Kameraden schnell gemerkt, was da droht.“ Noch am Abend setzte er sich mit der Rewe, seinem Handelspartner, in Verbindung. Von nun ab wurden täglich neue Getränke geliefert, sonst ist das nur zweimal in der Woche üblich.

Samuel ist verlässlich, immer präsent, zuverlässig und schnell. Den kannst du wirklich in der Nacht anrufen, er liefert. Bernd Skobel, einer der stellvertretenden Lübtheener Bürgermeister
 

Was los war, wussten alle ganz schnell

Eine Mitarbeiterin des Marktes gehörte zu den Evakuierten von Trebs, andere kommen aus Lübbendorf und hatten die Branderfahrungen aus dem Vorjahr noch im Kopf. Seidel: „Es haben sich alle Sorgen gemacht. Auch die Einsatzkräfte, die zu uns in den Laden kamen. Alle waren dabei höflich und zuvorkommend. Immer. Wir haben dann gesehen, was alles aufgefahren wurde, das war schon beeindruckend.“

Doch Getränke allein reichen beim Dauereinsatz für Tausende Einsatzkräfte nicht. Die Stadt fragte schnell nach Toilettenpapier, Küchenrollen, Sonnenspray, Mückenschutz und Süßigkeiten. Seidel sprach schnell mit dem Vertriebsleiter Rewe-Ost und organisierte fast über Nacht eine Großspende des Einzelhandelsriesen im Wert von mehr als 1500 Euro. Bei Rewe rannte er mit seiner Bitte offene Türen ein. Der Lübtheener Brand war da längst bundesweit das Gesprächsthema Nummer eins.

Und plötzlich stand eines Abends ein Kamerateam von RTL im Laden. Warum er den Feuerwehrleuten denn helfe, wurde er gefragt. „Ich habe dann sinngemäß geantwortet, dass ich eine hohe Achtung vor der Arbeit der Ehrenamtlichen haben, denn sie halten ja die Köpfe für uns alle hin. Und sie schützen unser Hab und Gut. Klingt zwar etwas pathetisch, aber am Ende ist es dann auch so.“

Anfragen aus ganz Deutschland

Wenig später kamen Anfragen aus ganz Deutschland von Leuten die wissen wollten, wie es in Lübtheen wirklich steht. „Das Interesse, an dem was hier passierte, war wirklich groß.“ Das war auch im Laden zu merken. So viele Polizisten habe er in der Stadt noch nie gesehen. Am Ende gab es zwar ein kleines Umsatzplus im Markt. Doch mehr auch nicht, dafür war die Zeit viel zu kurz. Zudem kam auch von anderen Firmen viel Unterstützung für die Einsatzkräfte, vieles lief über Spenden.

Es gab auch die kleinen Begebenheiten am Rande. So gab der Supermarktchef einer Mitarbeiterin die Erlaubnis, sich um die Versorgung der Fliegerkräfte zu kümmern, die rund um den Sportplatz Quartier bezogen hatten. Eine kleine Spende war dann vom Nahkauf-Markt auch noch drin.

Seidel ist nicht nur bei Großbränden für die Feuerwehr da

Er ist Mitglied im Förderverein der Wehr und gerade für die Jugendwehr immer wieder zu einer Spende bereit. Zu dem Brand hat er seine eigene Meinung. „Am Ende sind wir mit einem blauen Auge davongekommen. Der Wind war für Lübtheen günstig. Was wäre denn gewesen, wenn der ganze Rauch in die Stadt gedrückt worden wäre? Dann hätte man ganz Lübtheen evakuieren müssen. Das will sich niemand vorstellen.“

Sorgen um sein Geld macht Seidel sich nicht, auch wenn noch nicht alle Rechnungen beglichen sind. „Die haben jetzt beim Landkreis sicher viel zu tun mit den Abrechnungen. Bisher hat es mit den Finanzen immer geklappt.“

Ein Landkreis sagt danke: Alle Einsatzkräfte, Helfer und Anwohner sind am 7. September auf den Festplatz nach Lübtheen eingeladen.

 
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