Hagenow : „Heini“ prägte die Seele Hagenows

Unvergessen: Heinrich Ullrich (Bildmitte) bei einem seiner unvergessenen Auftritte unter den Fittichen der Hagenower Dörpschaft.   Repro: Lilo Schömer
Unvergessen: Heinrich Ullrich (Bildmitte) bei einem seiner unvergessenen Auftritte unter den Fittichen der Hagenower Dörpschaft. Repro: Lilo Schömer

Heinrich Ullrich gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Dörpschaft und schied nun viel zu früh aus dem Leben

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17. Oktober 2019, 12:00 Uhr

Die Nachricht von seinem Tod beschäftigt viele Hagenower, Heinrich Ullrich, einer der prägenden Künstler der Stadt, ist nicht mehr. Seine Mitstreiterin und heutige Chefin der Dörpschaft. Lilo Schömer, wandte sich im Auftrag der Künstlergruppe und vieler Hagenower mit diesem Nachruf an die Öffentlichkeit.

„Hagenow, dat is ne lütte Stadt“ – seit mehr als 30 Jahren beginnt die Dörpschaft to Hagenow e.V. jeden Auftritt mit diesem Lied. Wir singen diese Melodie ganz fröhlich ohne bisher daran gedacht zu haben, wer sie geschrieben hat: Heinrich Ullrich. Das wird sich nun ändern, denn es erreichte uns die Nachricht, dass Heini, wie wir ihn alle nannten, von uns gegangen ist.

Wir sind erschüttert und traurig. Wir erinnern uns an viele Momente mit diesem leidenschaftlichen Musiker, denn Heini war von der ersten Stunde unseres Vereines an dabei, und wir haben ihm unendlich viel zu verdanken.

Mit der Gruppe „Püttelkows Enkel“, die er leitete, stand Heini seit dem ersten Fastelabend im Jahr 1983 mit uns auf der Bühne. Von da an trat die Gruppe viele Jahre mit uns auf, sang lustige Lieder und in jedem Jahr war mindestens ein neues Lied aus Heinis Feder dabei. Der kleine Extra-Programmpunkt machte Heini, den Enkeln und dem Publikum so viel Spaß, dass die damalige Leiterin der Dörpschaft Helga Stöter immer Angst hatte, dass ihr eigenes Programm gesprengt werden würde. Auch zu Programmen außerhalb unserer Stadt reisten Heini und seine Musiker mit. Damalige Mitglieder erinnern sich an viele Episoden, die sie schmunzeln lassen. Bei Auftritten in Berlin z.B. machte Heini sich selbstständig und versuchte die Mitarbeiter der chinesischen Botschaft von seiner Musik und seiner Trinkfestigkeit zu überzeugen.

1984 nahm Heini am ersten Fastelloopen teil und sorgte auf dem geschmückten Pferdewagen mit seiner Musik für beste Stimmung.

1990 standen Heini und die Enkel gemeinsam mit uns auf dem Hagenower Lindenplatz und feierten die Einheit Deutschlands. Unvergessen die beiden neuen Lieder „Dütschland is wedder eins“ und „Ach wie schön war`s hinterm Mond“ von Heini komponiert, ohne zu ahnen, welch schwerwiegende Auswirkungen dies Ereignis für sein Leben haben sollte.

In den neunziger Jahren betreute uns Heini dann auch technisch. Im Keller der Poliklinik hatte er sich ein Studio eingerichtet. Ausgerüstet mit moderner Technik arbeitete er mit uns, immer ruhig gelassen und freundlich, manchmal auch nett kritisch. Zwischen mit Eierkarton benagelten Wänden standen wir mit Kopfhörern an Mikrofonen und Heini brannte unsere Stimmen dann auf CD. Später verbrachten wir viele Probenabende in seinem Studio in Schwaberow. Bei jeder Zusammenkunft hatte Heini neue Ideen in seinem Kopf. Mit seinem jungenhaften Charme versuchte er auch uns zu begeistern. Mal machte er sich auf die Suche nach alten Instrumenten, die er in seinen Programmen nutzen wollte, mal ließ er uns unsere Dachböden nach alten Schallplatten durchsuchen, um sie zu digitalisieren. Stolz führte er uns neue Melodien vor, die er auf dem Saxophon spielte, das er erst verhältnismäßig spät erlernte. Wir bewunderten ihn dafür. Und dann ging es wieder an die Mikros und Heini an seinen Computer. Unzählige Male beherrschte aber der Computer ihn und nicht umgekehrt. Als liebenswürdiger Chaot, der Heini nun mal war, drückte er oft die falschen Knöpfe, fand aber den Schuldigen dafür in seiner Familie und so gibt es in unserem Verein bis heute das geflügelte Wort: Robert war`s!

Robert und Griti – unsere Gedanken sind bei euch – und vor allen Dingen bei dir, liebe Gundi!„Das Leben ist wie Musik – ein paar hohe Noten, ein paar tiefe Noten, aber immer eine schöne Melodie“ (Zit.Int.).

Das Schöne an Künstlern ist, dass sie Spuren hinterlassen. Heinis Lieder bleiben bei uns, sie sind unvergesslich-und so denken wir also bei jedem Auftritt mit unserem ersten Lied „Hagenow, dat is…“ an ihn. Als chaotischer Künstler hatte Heini seinen Terminkalender nie so richtig im Griff. Dieser Termin, dein letzter, lieber Heini, ist definitiv falsch! Du gehst zu früh!

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