Hagenow : Warnstreik: Eltern-Taxi statt Schulbus

Grundschüler gestern früh vor der Hagenower Europaschule, viele wurden von ihren Eltern gebracht.
Grundschüler gestern früh vor der Hagenower Europaschule, viele wurden von ihren Eltern gebracht.

Heutige Arbeitsniederlegung von Verdi im Kreis: Etliche Schüler kamen morgens nicht in die Schulen

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23. Januar 2018, 21:00 Uhr

Heute früh kurz vor 7 Uhr vor der Europaschule im Hagenower Kietz herrscht pure Leere an der Bushaltestelle. Kein Bus ist zu sehen, nur ein paar Kinder aus der Stadt sind schon da. Dann kommen sie, die Wagenkolonnen der Eltern, die an diesem Morgen ihre Kinder selbst zur Schule fahren müssen. Die meisten hatten die Nachricht vom Warnstreik bei den Busbetrieben aus den Medien erfahren, der Rest lief dann über die Whats-app-Gruppen in den Klassen. Gegen 7.20 Uhr reicht der Rückstau der Elternfahrzeuge schließlich bis zum Kreisel auf der Landesstraße. Am Ende werden 58 Kinder der Europaschule nicht zum Unterricht kommen, die meisten aus den höheren Klassen. Das ist legal, denn die Eltern bestimmen über den Schulweg. Und ein Warnstreik ist höhere Gewalt.

Ein ähnliches Bild zeigt sich an der Schule in Picher. Dort kam heute in der höheren Klasse nur die Hälfte der Schüler, wie Schulleiter Michael Tiede berichtete. Die Grundschüler seien fast vollständig gewesen. In der Grundschule und Regionalschule Lübtheen fehlten am Morgen insgesamt nur 21 Kinder in den Klassen 1 bis 10 bei insgesamt 300 Schülern. „Viele Eltern hatten sich abends bereits verabredet, dass sie die Kinder in Fahrgemeinschaften zur Schule bringen. Das zeigt einmal mehr unsere starke Gemeinschaft“, sagt Schulleiter Andreas Cordt.

Übersichtlich war die Fehlquote auch im Hagenower Robert-Stock-Gymnasium, dort fehlten laut Schulleiterin jeweils nur wenige Schüler pro Klasse. Beherrschbar war die Lage auch in Vellahn, an der dortigen Schule wurden für den Unterricht teilweise auch Klassen zusammengelegt. Verständnis hatten die meisten Eltern hier allerdings nicht für die Aktion der Busfahrer.

Bei vielen anderen herrschte dagegen Ergebenheit ob des plötzlichen Streiks. Es gab aber auch Zustimmung. „Bei denen, die arbeiten, kommt immer am wenigsten an“, finden die Busfahrer, die für die Verkehrsgesellschaft Ludwigslust-Parchim im Amt Neuhaus unterwegs sind. „Wenn es nur Spaß wäre, wäre es kein Streik“, äußert Schulleiterin Bärbel Scheday ihr Verständnis für die Streikenden, „Streiken ist ein verbrieftes Recht und hier hat auch niemand auf die Busfahrer geschimpft.“ Während in der Grundschule der Unterricht planmäßig ablaufen könne, da die meisten Kinder anwesend seien, seien in der Oberschule kaum Schüler angekommen. „Wir machen das Beste daraus, die Schüler, die da sind, werden natürlich gut betreut“, so die Schulleiterin, „Für uns kamen die Informationen einfach zu spät und sind schlecht bis zu den Eltern durchgedrungen.“ Der Streikaufruf sei recht spontan gewesen, bestätigen die Busfahrer, eigentlich war der Warnstreik für Donnerstag geplant.

Stefan Lösel der Chef der Busbetriebe (VLP) war am Vormittag froh, als er gegen 10 Uhr wieder einigermaßen Normalität verkünden konnte. Der Streik habe ihn überrascht, die VLP seien schließlich tarifgebunden und gar nicht Verhandlungspartner in der Sache.

Es gab aber auch Busfahrer, die den Verdi-Streik völlig daneben fanden und nicht mitmachten. Das betraf z. B, die Fahrer die bei der Nahverkehrsgewerkschaft organisiert sind. Deren Mitglieder fordern gleiche Bedingungen für alles Busfahrer und kritisieren dabei den so genannten Verdi-Bonus. Diese „Erholungsbeihilfe“ bekommen Mitglieder der Gewerkschaft Verdi zusätzlich, dabei geht es um bis zu 300 Euro im Jahre. Sowohl VLP-Chef Lösel als auch Karl-Heinz Pliethe von Verdi bestätigten, dass es für die VLP aktuell eine derartige Vereinbarung gibt, wenn auch in geringerer Höhe.

Gewerkschafter Pliete war mit der Streikbeteiligung dennoch sehr zufrieden, gut 120 Kollegen der Busbetriebe hätten mit gestreikt. Verdi fordert in den Tarifverhandlungen mit dem Kommunalen Arbeitgeberverband ein Gehaltsplus von 180 Euro für ein Jahr für die rund 1600 Busfahrer und Mitarbeiter in den kommunalen Nahverkehrsgesellschaften. Die Arbeitgeber haben den Angaben zufolge Lohnsteigerungen von 2,2 Prozent zum 1. Januar 2018, mindestens jedoch 75 Euro, sowie noch einmal 2,5 Prozent mehr ab dem 1. Januar 2019 angeboten.


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