"Ich bin nur Nebenkriegsschauplatz"

Carina Stopsack-Sternberg sieht sich als politisches Bauernopfer. Heute, auf der nächsten öffentlichen Sitzung der Stadtvertretung, steht ihre Abwahl  als Stadtvertretervorsteherin erneut auf der Tagesordnung. Thorsten Meier
Carina Stopsack-Sternberg sieht sich als politisches Bauernopfer. Heute, auf der nächsten öffentlichen Sitzung der Stadtvertretung, steht ihre Abwahl als Stadtvertretervorsteherin erneut auf der Tagesordnung. Thorsten Meier

Avatar_prignitzer von
22. Dezember 2010, 01:57 Uhr

Grabow | Die Abberufung der Grabower Stadtvertretervorsteherin Carina Stopsack-Sternberg (38) - sie bekleidet das Amt seit 2009 und ist seit 2004 Mitglied der Stadtvertretung - steht heute auf der nächsten öffentlichen Sitzung der Stadtvertretung erneut auf der Tagesordnung. Sie findet um 18.30 Uhr im Reuterhaus statt. Ihr wird eine Verquickung von persönlichen und wirtschaftlichen Interessen im Amt vorgeworfen. Gegen ihre Abwahl im November (SVZ berichtete) hatte Bürgermeister Ulrich Schult Widerspruch eingelegt. Mit Erfolg.

Ihnen wird von den Befürwortern der Abwahl ein Interessenkonflikt zwischen Ihrer Funktion als Rechtsberaterin für die Stadt Grabow und der Funktion als Stadtvertretervorsteherin vorgeworfen? Was ist dran an der Kritik?

Es hat zu keinem Zeitpunkt eine Interessenkollision zwischen meinen Tätigkeiten gegeben, weder in persönlicher noch in finanzieller Hinsicht. Der Vertrag über die Rechtsberatung bei der Stadt Grabow besteht seit 2008. Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits Stadtvertreterin. Deshalb ist der Vertrag entsprechend den Vorschriften in der Kommunalverfassung auch nicht zwischen mir und dem Bürgermeister alleine abgeschlossen worden, sondern die Stadtvertretung hat hierüber abgestimmt. Der Vertrag wurde den Fraktionen zur Einsicht zur Verfügung gestellt, so dass vorliegend auch nicht von mangelnder Transparenz gesprochen werden kann. Die Stadtvertretung wusste also, wen sie sich da hinsetzt. Alle, die mir das jetzt vorwerfen, sagen bewusst die Unwahrheit.

Ihnen wird außerdem vorgeworfen, die Kommune im Hinblick auf den Erwerb des Sparkassengebäudes rechtlich beraten oder hieraus sogar einen finanziellen Vorteil für sich erlangt zu haben...

Um es noch einmal deutlich auszudrücken: Ich habe die Stadt Grabow zu keinem Zeitpunkt im Hinblick auf den Erwerb des Sparkassengebäudes rechtlich beraten oder hieraus irgendeinen finanziellen Vorteil erlangt. Im Übrigen hat durch mich auch keinerlei andere Rechtsberatung der Stadt stattgefunden, die sich auf die Beschlussfassung in der Stadtvertretung hätte auswirken können oder ausgewirkt hat. Auch hat es zu keinem Zeitpunkt eine politische Einflussnahme von Seiten der Verwaltung auf meine Person im Hinblick auf die in der Stadtvertretung zu treffenden Entscheidungen gegeben. Ebenfalls habe ich in der Ausübung meiner Tätigkeit als Stadtvertreter und auch als Stadtvertretervorsteherin keine finanziellen Vorteile erlangt. Die von den Fraktionen der FDP, Die LINKE und Bürger für Grabow aufgestellten Behauptungen stellen eine üble Nachrede dar, die durch nichts unterlegt ist. Sofern mir ein persönlicher Interessenkonflikt auf Grund meiner Ehe mit Stefan Sternberg nachgesagt wird, kann ich nur sagen, dass auch unsere Lebenspartnerschaft den Stadtvertretern bekannt war, als sie mich zur Stadtvertretervorsteherin gewählt haben. Erst seit einigen Wochen wird durch die drei benannten Fraktionen pressewirksam meine bisherige Arbeit in Frage gestellt. Die Gründe hierfür sind mir nicht bekannt. Entgegen der Meinung der Mitglieder der drei Fraktionen, dass ich politisch nicht mehr tragbar sei, werde ich mich deshalb auch zukünftig dafür einsetzen, dass es in Grabow vernünftige Entscheidungen für unsere Stadt geben wird.

Wieso werden Sie derzeit dann so angefeindet?

Ich bin nur ein Nebenkriegsschauplatz. Es gibt die Bestrebungen einiger Fraktionen, insbesondere der Liberalen, den Bürgermeister aus dem Amt zu bekommen. Das ist das große wie erklärte Ziel. Er sitze zu viel aus, mache zu wenig für Grabow, so lauten einige Vorwürfe. Mir wird unterstellt, mit ihm zu kungeln und ihn zu schützen. Auch wird meinem Mann gern unterstellt, er wolle Bürgermeister werden. Das alles ist totaler Quatsch. Mittlerweile wird sogar vor Erpressung nicht halt gemacht.

Was meinen Sie damit? Schließlich ist das ein ziemlich schwerer Vorwurf, den Sie erheben?

Dirk Dobbertin von der FDP ist zweimal bei Ulrich Schult vorstellig geworden. Nach der ersten Abwahl hat er dem Bürgermeister gesagt, er möge mir mitteilen, ich solle freiwillig zurücktreten. Dann bekäme ich einen netten Blumenstrauß und könne meinen Beratervertrag behalten. Beim zweiten Besuch von Herrn Dobbertin wurde dem Stadtoberhaupt nahe gelegt, den Widerspruch zurück zu nehmen. So wird mittlerweile in der Stadtvertretung gearbeitet.

Was halten Sie davon, dass auf der letzten Amtsausschussitzung der Wählergemeinschaft "Grabower Zukunft" unter anderem wirtschaftliche Profilierung sowie eine zur Schaustellung vorgeworfen und dass deren Gründungsanzeige im Amtsboten als Angriff gegen die Stadt Grabow bezeichnet und die Gründungsmitglieder sogar mit der NPD auf eine Stufe gestellt wurden?

Das ist das Allerletzte. Hier ist gar nicht der Versuch unternommen worden, zu verstehen, warum diese Gruppierung sich gegründet hat. Sie will nichts Böses und führt auch nichts Eigennütziges im Schilde. Sie wehrt sich einfach gegen die Bildung informeller Gruppen in der Stadtvertretung und fordert Transparenz und Aufklärung.

Was wird, wenn die neuerliche Abwahl gelingt?

Ich bleibe natürlich weiterhin Stadtvertreterin.

Was kommt danach. Wie wird es in der Stadt Grabow weitergehen?

Ich finde sehr beängstigend, dass auf der Stadtvertretung Anträge auf Änderung der Hauptsatzung und der Geschäftsordnung beraten und beschlossen werden sollen. Damit sollen nach meiner Meinung Mehrheitsverhältnisse verschoben und der Wählerwillen ausgehebelt werden. Der Hauptausschuss als beschließendes Organ soll von neun auf sieben Mitglieder verkleinert werden. Der Hauptausschuss entscheidet über Personalien.

Warum sind Sie eigentlich von Ihrem Amt als stellvertretende CDU-Kreisvorsitzende zurückgetreten?

Weil ich in dieser Sache, die man mir jetzt vorwirft, keinen Rückhalt gefunden habe.

Darum geht's im MEDIENPROJEKT von SVZ und NNN

Etwa 65.000 Schüler und Lehrer allein in unserem Verbreitungsgebiet erhalten in einem gemeinsamen Projekt der Zeitungsverlage und des MV-Bildungsministeriums bis zum Jahresende kostenlosen Zugang zu den Newsportalen. Fragen Sie an den Einrichtungen ihrer Kinder nach den Bedingungen und Login-Daten, die Sie auch in der Familie nutzen können.
Was bewegt die Schüler ab Klasse 5 bis hinauf in die Gymnasien und Berufsschulen unseres Landes? Was passiert in ihrem Umfeld, in Deutschland und der Welt? Wie können seriöse Nachrichten von Fake News unterschieden werden?
Die Schweriner Volkszeitung und die Norddeutschen Neuesten Nachrichten bieten den Schülern die aktuellsten Berichte, liefern in einem speziellen Dossierbereich "Diskussionsstoff" für den Unterricht und möchten mit ihnen in Austausch kommen.
 
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen