Kummer : Am Silvestertag nicht allein

Polonaise zu Silvester: In der Tagespflege „Parkidylle“ wurde gemeinsam gefeiert.
Polonaise zu Silvester: In der Tagespflege „Parkidylle“ wurde gemeinsam gefeiert.

Tagespflege „Parkidylle“ feierte am letzten Vormittag des alten Jahres mit Polonaise, Grünkohl und kleinem Feuerwerk

23-11367782_23-66107803_1416392139.JPG von
02. Januar 2020, 05:00 Uhr

„Wollen wir noch eine Polonaise machen?“ Mario Lenthe muss nicht lange warten, da haben sich die ersten Damen – und ein Herr – schon hinter ihm aufgestellt.  Ganz langsam geht es durch den bunt geschmückten Raum. Wer nicht gehen kann, wippt mit den Füßen mit.  Silvesterparty in der Tagespflege „Parkidylle“ in Kummer. Während man anderswo schon die eigene Feier zum Jahreswechsel vorbereitet, haben der Geschäftsführer und sein Team zum letzten Mal im alten Jahr für ihre Senioren geöffnet. „So sind sie nicht allein und die Angehörigen haben Gelegenheit, ihren Silvesterabend vorzubereiten“, sagt der 45-Jährige. „Noch wichtiger ist das natürlich Heiligabend.“ Auch da hatte die Tagespflege geöffnet.

Zu den Partygästen gehört auch Emmi Lembke, die täglich in die Tagespflege kommt. „Wenn ich den ganzen Tag allein zu Hause bin, sind meine Töchter doch unruhig“, erzählt die 81-Jährige. „Hier werden wir liebevoll betreut.“ Und nicht nur das: Man trifft auch alte Bekannte. „Unsere Töchter sind zusammen zur Schule gegangen“, sagt die Göhlenerin und weist auf einen anderen Tagesgast.

„Wir sind eine schöne Gruppe hier“, ergänzt Gisela Tiedemann. „Und den Chef kenne ich schon als kleinen Jungen.“ Sie kommt nur einmal in der Woche zur „Parkidylle“. „Ich bin ja auch nicht allein zu Hause“, sagt die Kummeranerin, die schon über 90 ist. „Meine Nachbarin kommt jeden Tag vorbei und auch meine Kinder.“ Trotzdem freut sich Gisela Tiedemann auf den Dienstag in der Tagespflege. „Hier habe ich noch Rommé spielen gelernt“, sagt sie. „Und am letzten Tag im alten Jahr wollte ich auch mit dabei sein.“

Zum Team der Tagespflege „Parkidylle“ gehören sieben Mitarbeiterinnen, vier von ihnen waren am Silvestertag dabei. „Wir wollen nicht, dass unsere Gäste den Tag allein zu Hause verbringen“, sagt Simone Höhn, die seit drei Jahren dabei ist. „Ich mache das mit Herzblut und bin heute gern hierhergekommen.“ Bunte Papierschlangen auf den Tischen, Musik aus der Box, Grünkohl zum Mittag, Bowle und ein kleines Feuerwerk vom Chef persönlich im Park vor den großen Fenstern – an alles, was zu einer echten Party gehört, war gedacht. 17 Tagesgäste nutzten die Gelegenheit und feierten bis gegen 13 Uhr mit.

Seit 2015 gibt es die Tagespflege „Parkidylle“, die eine Kapazität von 20 Plätzen hat. Einige Tagesgäste kommen täglich, andere nur einmal in der Woche. Für die Angehörigen sei das oft eine enorme Hilfe. „Sie können mal in Ruhe zum Friseur oder zum Einkauf, ohne sich Sorgen machen zu müssen“, erklärt Mario Lenthe. Allerdings warten viele sehr lange, ehe sie diese Möglichkeit der Entlastung nutzen. „Manch einer steht da schon kurz vorm Burnout.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen