Ludwigslust : Vergessene Töne zu Gehör bringen

Sie hat sich auf Spurensuche gemacht: die Pianistin Kyra Steckeweh.
Sie hat sich auf Spurensuche gemacht: die Pianistin Kyra Steckeweh.

Nur mecklenburgische Komponistinnen erlaubt: „Frauenpower“ heißt das Auftaktkonzert der Ludwigsluster Schlosskonzerte

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16. Januar 2020, 05:00 Uhr

„In Ludwigslust aufzutreten, liegt auf der Hand“, sagt Kyra Steckeweh, „denn es ist der Wirkungsort von Sophie Westenholz.“ Stolz schiebt sie hinterher: „Es ist die erste Aufführung ihres Werkes seit ihren Lebzeiten – ein historisches Ereignis.“ Was sie meint? Das Auftaktkonzert „Frauenpower“ der Ludwigsluster Schlosskonzerte am 8. März: Da wird die Pianistin im Goldenen Saal auch die Sonate in C-Moll von Sophie Westenholz spielen, einer mecklenburgischen Komponistin. Genauer einer ehemaligen Ludwigslusterin.

Zwar von ihrem Vorgänger ausgesucht, ist doch die künstlerische Leiterin Martina Scharstein mehr als zufrieden mit dem „hochkarätiges Programm der diesjährigen Konzertreihe“ – gerade die Musik weiblicher Komponisten auf die Bühne zu bringen, liegt ihr am Herzen. Schwerpunkt ist und bleibt natürlich die Ludwigsluster Klassik, so Martina Scharstein. Aber es gibt auch Neues: Die ersten beiden Konzerte werden wieder im Goldenen Saal stattfinden und zwei der Konzerte werden Matinées sein – Konzerte am Morgen. Das Schlosskonzert am zweiten Weihnachtsfeiertag und „Frauenpower“.

„Warum besteht mein klassisches Repertoire eigentlich nur aus Werken männlicher Komponisten?“, fiel Kyra Steckeweh eines Tages auf. Komponierten die Frauen im 18. und 19. Jahrhundert nicht? Die überraschende Antwort ihrer Spurensuche: Ja, sie taten es, waren sogar erfolgreich, berühmt – nur dann wurden sie im Laufe der Zeit vergessen. So wie die Ludwigslusterin Sophie Westenholz. Sie war weit mehr als „nur“ eine Komponistin: Schon als Zehnjährige erkannte Erbprinzen Ludwig von Mecklenburg-Schwerin ihr Talent. Wenig später spielte Sofie in seiner Hofkapelle und heiratete den Hofkapellmeister Carl August Friedrich Westenholz. Nachdem ihr Mann verstorben war, leitet Sophie die Hofmusiker bis 1821 am Ludwigsluster Schloss. Und das als Frau. Eine beeindruckende Leistung, da sind sich Kyra Steckeweh und Martina Scharstein einig. Als man ihr schließlich den Posten wegnahm, soll sie sich auf das heftigste beschwert haben, so Martina Scharstein. Durch Konzertreisen in Europa und Klavierabende in „ihrem Salon“ in Ludwigslust wurde sie bekannt. Und dann vergessen.

Bis Kyra Steckeweh ihre Spuren in den Landesarchiven fand: Handschriften. Bei ihren Recherchen lernte sie Reinhard Wulfhorst kennen, der die Werke von Sofie Westenholz in seinem Verlag Edition Massonneau veröffentlichte. Durch die Zusammenarbeit des Schweriner Verlegers mit dem Förderverein Schloss Ludwigslust, der die Konzertreihe im Ludwigsluster Schloss seit mehr als zwei Jahrzehnten auf die Beine stellt, gelangt Kyra Steckeweh so passend am Weltfrauentag hinter den Flügel im Goldenen Saal – im Gepäck die Werke der wiederentdeckten Komponistinnen Mecklenburgs.

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