Alt Damerow : Duft von Reet liegt in der Luft

Aus der Dronenperspektive gut zu sehen: Das Reetdach ist ein handwerkliches Meisterstück Fotos: wolfried pätzold
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Aus der Dronenperspektive gut zu sehen: Das Reetdach ist ein handwerkliches Meisterstück Fotos: wolfried pätzold

Dach der historischen Pingelhofscheune neu eingedeckt / Förderverein bedankt sich bei Unterstützern für finanzielle Hilfe

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27. Juli 2018, 12:00 Uhr

Noch bevor die Besucher das Gelände der weitläufigen Hofanlage am Rande der Lewitz betreten, können sie es riechen. In der glühend heißen Sommerhitze zieht der Duft von frischem Reet in die Nase. Ein wunderschön gelb schimmerndes Reetdach auf einer uralten Scheune fällt ins Auge. „Es ist ein Schmuckstück geworden“, freut sich Fördervereinsvorsitzender Hans-Werner Beck und räumt ein, „vor einem Jahr hätten wir es kaum für möglich gehalten, dass es gelingt, dieses für das agrarhistorische Museum existenziell wichtige Projekt zu stemmen“. Umso größer war die Freude, dass viele der Unterstützer des rund 50000-Euro-Projektes zur kleinen Dankeschön-Veranstaltung gekommen waren.

Auf dem mehr als 400 Jahre alten Pingelhof – dem ältesten erhalten gebliebenen Bauernhofensemble in Norddeutschland – sind das große Dielenhaus und die mehr als 200 Jahre alte Scheune Blickfang für Gäste aus nah und fern. Nach dem Tod der letzten Bewohnerin Erna Pingel im Jahr 1986 hatte sich die Domsühler LPG dafür eingesetzt, dass der Hof als kulturhistorisches Erbe erhalten bleibt. Obwohl die Baumaterialien und das Geld knapp waren, konnten die Gebäude instandgesetzt und Dächer mit Reet wie vor hunderten Jahren gedeckt werden. „Wir hatten gehofft, dass die Dächer länger halten, aber das sparsam eingesetzte Material ist nach drei Jahrzehnten so verschlissen, dass nur eine Neueindeckung in Frage kam“, sagt Vorstandsmitglied Hermann Freude. Die Gemeinde Domsühl als Eigentümer und der ehrenamtlich agierende Förderverein konnten eine Sanierung aus eigenen Mitteln nicht realisieren. Ein Antrag bei der Lokalen Aktionsgruppe für die Leader-Region Warnow-Eldeland wurde positiv entschieden. Im März wurde dem Förderverein ein Zuwendungsbescheid von 40 000 Euro für ein neues Scheunen-Reetdach übergeben. Für den Eigenanteil von 20 Prozent – rund 16 000 Euro – muss allerdings der Verein aufkommen. „Wir hoffen auf Sponsoren“, hatte sich Hans-Werner Beck zuversichtlich gegeben. Und er sollte Recht behalten. Obwohl die Zeit ziemlich knapp war, schließlich sollte das Dach bis zum Beginn der Hauptsaison fertig gestellt sein, ging der Plan auf. „Viele in der Region haben ein Herz für dieses eindrucksvolle Zeugnis vergangener Zeit. Von der Ehrenamtsstiftung Mecklenburg-Vorpommern, über regionale Unternehmen, Banken, befreundete Vereine, Privatleute und auch die plattdeutsche Späldeel haben sich viele tüchtig ins Zeug gelegt, so dass der größte Brocken unseres Eigenanteils inzwischen zusammenkam“, berichtet Hans-Werner Beck.

Für die Dachdeckerfirma von Frank Casper aus Plate war das neue Reetdach für die Pingelhofscheune etwas Besonderes. Rund 3500 Bund Reet von den Ufern des Schwarzen Meeres wurden vor den neugierigen Blicken der Besucher verlegt. Pünktlich zum 25. Jubiläum der über die Region bekannten Reetdachfirma war das Werk vollendet. Grund genug für Frank Casper an diesem besonderen Ort mit Kollegen und befreundeten Firmen den runden Betriebsgeburtstag zünftig zu feiern.

Bei aller Freude geht der Blick von Hans-Werner Beck und seinen Mitstreitern vom neuen Scheunendach hinüber zum Dielenhaus. „Ein Teil des dortigen Daches ist in einem bedauernswerten Zustand. Wir müssen handeln. In den vergangenen Tagen haben wir bereits einen weiteren Förderantrag bei der Leader-Aktionsgruppe eingereicht“, sagt der Chef. Und wieder liegt die Latte für den sicher beachtlichen Eigenanteil hoch. „Ich bleibe optimistisch. Mit Sponsoren habe ich bereits gute Gespräche geführt. Wenn alles klappt, könnte rechtzeitig zum 30. Geburtstag des Agrarhistorischen Museums im Herbst 2019 auch das Dielenhaus mit einem neuen Teil-Reetdach glänzen“, sagt Beck.

Der Pingelhof kann Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr besucht werden.

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