Parchim : Jeder kann es schaffen

Hat es geschafft und macht heute eine Ausbildung bei der IHK in Schwerin: Mohammad Bazo (l.) . Sebastian Köpke, Willkommenslotse bei der Handwerkskammer, steht mit Tipps zur Seite
Hat es geschafft und macht heute eine Ausbildung bei der IHK in Schwerin: Mohammad Bazo (l.) . Sebastian Köpke, Willkommenslotse bei der Handwerkskammer, steht mit Tipps zur Seite

Hilfe für Zugewanderte beim Berufseinstieg – Anerkennung von Abschlüssen und Sprachkenntnisse große Hürden

prignitzer.de von
15. März 2019, 12:00 Uhr

Mohammad Bazo erzählt von seinem Berufseinstieg in Deutschland. Vor ihm junge Leute, die wie Bazo aus Syrien kommen, oder aus Russland oder Kenia. Für die Worte des jungen Syrers gibt es spontanen Applaus. „Wenn man will, schafft man das“, sagt der 20-Jährige, der nach der Flucht vor dem Bürgerkrieg im Oktober 2015 nach Deutschland kam und heute in perfektem Deutsch von seiner Ausbildung bei der IHK in Schwerin erzählen kann.

Wo Bazo steht, wollen viele der Zugewanderten hin, die sich gestern bei der Kontakteplattform „Talk the Job“ im Parchimer Landratsamt getroffen haben. Klar, bei den Anforderungen können Betriebe und Schulen keine Abstriche machen. Lernen, präsent sein, ein Ausbildungsnachweisheft pflegen und sorgsam mit Arbeitsmaterialien umgehen: Mit diesen ganz normalen Anforderungen muss man umgehen, ermuntert Doreen Reichow von der Kausa-Servicestelle der Kreishandwerkerschaft Schwerin die potentiellen Azubis. Auf eine Tafel haben diese Zettel mit ihren Berufswünschen geheftet. Krankenpfleger, Metallbauer, Fachinformatiker, Friseur und Kfz-Mechaniker etwa. Alles Berufe, die händeringend gesucht werden. Und doch, so Sebastian Köpke, Willkommenslotse bei der IHK, ist es enorm wichtig, in der Orientierungsphase rechtzeitig Wünsche und Realität sowie Neigungen in ein gutes Verhältnis zu setzen. „Wenn ich Elektriker werden will, dann reichen sechs Jahre Mathematik in der Schule nicht aus“, so Köpke. Damit aus den individuellen Voraussetzungen ein Berufseinstieg werden kann, ist neben dem Spracherwerb vor allem wichtig, dass die Zugewanderten aktiv von sich aus das Netz von Unterstützungsangeboten wahrnehmen. Diese besser kennenzulernen, dafür sorgte das gestrige Treffen, dass nach Ludwigslust nun auch in Parchim stattfand und unter anderem in Zusammenarbeit des Landkreises und des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit des Landes organisiert wurde. Welche Sprachniveaus für welche Ausbildung benötigt werden, das sind Fragen, die die zugewanderten, die mehrheitlich gerade an Berufsvorbereitungsklassen teilnehmen, interessiert.

Ist die Sprachhürde genommen, stellt sich oft die Frage nach bereits erworbenen Abschlüssen. Ausbildungen anzuerkennen sei wegen verschiedener Anspruchskataloge auf Bundes- und Landesebene ein hoch komplexer und individueller Prozess, so Imke Brandt vom Netzwerk IQ, das sich um die Anerkennung von Abschlüssen kümmert. „Ein Beispiel: Wenn Sie Arzt sind, brauchen Sie für die Approbation aus ihrem Heimatland einen Nachweis, dass Sie keinen Behandlungsfehler gemacht haben. Den zu bekommen ist eine echte Hürde“, erklärt Brandt.

Doch mit den richtigen Informationen an der Hand und Leistungsbereitschaft ist vieles möglich. „So viele sagen zu mir: ,Ich möchte ja, aber ich kann nicht.’ Dann sage ich: Sei realistisch und such dir dann einen Job, der zu dir passt“, macht Mohammad Bazo anderen Zugewanderten Mut.

Service

Beratungsstellen

Die Bildungskoordinatoren für Zugewanderte beim Landkreis sind Cindy Klechowicz, erreichbar unter 03871/722 1609, und Martin Peters unter 03871/722 1608. Auskunft gibt auch Heike Dunker vom Jugendmigrationsdienst des Diakoniewerks Kloster Dobbertin unter 03871/420716. Die Anerkennungsberaterin Imke Brandt ist erreichbar unter 0385/ 55572013.

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