Alt Damerow : Pingelhof trotzt Ernteausfällen

Beim Tanz unter der Erntekrone werden die Besucher in Schwung gebracht Fotos: Wolfried Pätzold
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Beim Tanz unter der Erntekrone werden die Besucher in Schwung gebracht Fotos: Wolfried Pätzold

Auf der ältesten Hofanlage im Parchimer Land wird am Sonntag zum bunten Fest geladen

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06. September 2018, 12:00 Uhr

Bevor Getreidegarben die Hofanlage zieren, eine prächtige Erntekrone über der Tanzfläche unter uralten Eschen aufgezogen ist und auch die Tischdekoration stilvoll das Gesamtbild des Pingelhofes verzaubert, hat Museumsführerin Kerstin Zimmermann in dieser Woche noch alle Hände voll zu tun. Neben der Gästebetreuung im laufenden Betrieb, sind auch die Vorbereitungen für das wichtigste Fest des Jahres pünktlich zu erledigen.

Am kommenden Sonntag, 9. September, wird auf der mit mehr als 400 Jahren ältesten erhalten gebliebenen Hofanlage im Parchimer Land das jährliche Erntefest gefeiert. Auch auf den Feldern rund um Alt Damerow ist seit Wochen nicht zu übersehen, dass der heiße Sommer Spuren hinterlassen hat und die Bauern trotz harter Arbeit nur mäßige Erträge bei Getreide, Kartoffeln und vor allem Mais einbringen können. „Da bereitet es in diesem Jahr etwas Kopfzerbrechen, die passende Deko fürs zünftige Erntefest zu besorgen. Vor allem prächtige Maiskolben, die es kaum gibt, waren dafür bislang besonders geeignet“, meint Museumsführerin Kerstin Zimmermann.

Ein erlebnisreicher Tag

Doch mit Geschick, Fantasie und vor allem viel Leidenschaft wird sie unter Beweis stellen, wie die alte Hofanlage ein einzigartiges Festkleid anlegt. Die Besucher sollen sich hier wohlfühlen und einen erlebnisreichen Tag mit der ganzen Familie verbringen. Und eine Erntekrone, die schon im Vorjahr aufgezogen wurde, steht auch zur Verfügung.

Erntefeste haben seit Jahrhunderten im bäuerlichen Leben eine besondere Bedeutung. „Die Früchte waren größtenteils in Fass und Scheune und es gab zum Fest auch den Jahreslohn“, weiß die Museumsführerin. Dann wurde ausgiebig gefeiert. Auch in diesem Jahr gibt es in dem kleinen Dorf Alt Damerow Grund zum Feiern. Obst und Gemüse gab es dank der Rekordsonne reichlich, auch wenn dies nicht über die geringen Erträge der Landwirte hinwegtrösten kann.

Auf dem Pingelhof ist es dem rührigen Förderverein gelungen, ein neues Reetdach für die rund 200 Jahre alte Scheune fertigzustellen. Und auch die Besucherzahlen sprechen für sich. „Selbst bei Strandwetter sind mehr Reisegruppen als in den Vorjahren zu uns gekommen. Der Pingelhof ist mit seinem agrarhistorischen Museum längst über die Region hinaus bekannt“, freut sich die Museumschefin.

Das Programm

Am Sonntag öffnen sich um 10 Uhr die Tore. Von 11 bis 13 Uhr stimmt der Chor „Zeitlos“ auf das Erntefesttreiben ein. Um 11 Uhr und noch einmal um 13 Uhr geht auf der Dielenbühne der Vorhang auf. Der Titel „Blauteegels und Heiten Büxen/II“ erinnert an die Anfangsjahre der Späldeel. Es stammt aus der Feder von Erfolgsautorin Lotti Jenßen. Seit 2004 hat sie plattdeutsche Geschichten mit ihrer guten alten Schreibmaschine aufs Papier gebracht. Ganz im Stil des berühmten Ohnsorg-Theaters gelingt es der Parchimerin, die kleinen Geschichten des Alltags mit Witz und Charme zu würzen. Die Karten gibt es eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn vor Ort.

Von 13 bis 14 Uhr dürften sich dann die Balken biegen. Die bekannte Trachtentanzgruppe „Witziner Danzlüd“ bringt Jung und Alt in Schwung und lädt zum Mittanzen unter der Erntekrone ein. Das ist ein Genuss für Auge und Ohr gleichermaßen. Die Frauen und Männer in ihren traditionellen Kostümen übergeben den Staffelstab um 14 Uhr an die Schweriner Blasmusiker. Und auch die Fans alter Fahrzeuge kommen in Alt Damerow diesmal auf ihre Kosten. Der Oldtimer-Stammtisch Parchim steuert am Sonntag den Pingelhof an und das selbstverständlich in liebevoll restaurierten Fahrzeugen früher Jahre. Wer sich für Technik interessiert, kann die Pingelhofmühle und auch das Horizontalsägegatter in Funktion erleben. Gezeigt wird außerdem, wie zu Pingels Zeiten geschrotet wurde.

Kulinarisch dürfen sich die Gäste auf deftige Suppe aus der Gulaschkanone, leckeren Kuchen, Kaffee und andere Köstlichkeiten freuen. Der Lehmbackofen muss allerdings kalt bleiben. „Das ist der Trockenheit in diesem Sommer geschuldet. Auch das Schmiedefeuer wird nicht entfacht. Wir wollen kein Risiko eingehen. In der Nähe von Reetdächern ist die Brandgefahr besonders hoch“, bittet Kerstin Zimmermann um Verständnis.

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