Ziegendorf : Sauberes Wasser für Tonga-Dörfer

Eine Begegnung der besonderen Art war der Besuch auf dem Elefantenhof in Platschow
Eine Begegnung der besonderen Art war der Besuch auf dem Elefantenhof in Platschow

Langjährige Partnerschaft mit Menschen aus Simbabwe. Afrikaner beenden dreiwöchigen Deutschlandbesuch auf dem Elefantenhof

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24. August 2018, 21:00 Uhr

Wasser ist ein kostbares Gut. Was das bedeutet, bekommen mehr als 800 Millionen Menschen, die in Afrika noch immer keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben, im Alltag zu spüren. Zu ihnen gehören auch die Frauen und Männer, die in den Dörfern Simatelele, Busiwa und Mulindi in der Region Binga im Norden von Simbabwe zu Hause sind. Sie gehören zum Volk der Tonga und leben mit rund 2100 Menschen südlich des Kariba-Stausees. Für dessen Bau mussten sie 1955 ihre Heimat verlassen und wurden in die höher gelegene Savanne umgesiedelt.

Vor drei Wochen haben sich sechs junge Frauen und Männer aus drei Tonga-Dörfern auf den mehr als 12 000 Kilometer weiten Weg nach Deutschland gemacht. Eingeladen hat sie der Kirchenkreis Oberes Havelland in Brandenburg. „Wir pflegen seit nunmehr 22 Jahren partnerschaftliche Beziehungen mit Menschen in der Region Binga, waren selbst einige Male vor Ort und organisieren regelmäßig Besuchsreisen nach Deutschland“, berichtet Friedemann Humburg aus Oranienburg.

In Afrika hat er sich bereits dreimal selbst ein Bild davon gemacht, wie die Lebenssituation der Menschen in den Dörfern ist, die sich fast ausschließlich selbst versorgen, kaum Geld verdienen, noch immer nicht ans Stromnetz angeschlossen sind und vor allem auf sauberes Trinkwasser verzichten müssen. Das Wasser für den täglichen Bedarf schaffen Frauen aus Sammellöchern mühsam heran. „Ziel der Partnerschaft ist es, sich gegenseitig besser kennenzulernen und sich Hilfe und Unterstützung zu geben“, betonen Dr. Christina Walther und Hans-Georg Budich, die ihre Gäste zusammen mit anderen Mitgliedern des Kirchkreises beim Besuch in Deutschland begleiten.

Erstaunt waren die jungen Tonganer, dass derzeit in Deutschland hochsommerliche Hitze wie in ihrer Heimat herrscht und viele Felder von Dürre gezeichnet sind. „Wir haben zielgerichtet Wasserexperten besucht und über den sparsamen Umgang mit dem Nass gesprochen. Auch Themen wie traditionelles Handwerk und konventionelle Landwirtschaft standen auf dem Besuchsprogramm und fanden bei den jungen Leuten viel Interesse“, berichtet Friedemann Humburg. Der Kirchenkreis Obere Havel hat sich ein ehrgeiziges Ziel gestellt. Mit einer projektbezogenen Hilfsaktion sollen drei Tiefbrunnen in den Partnerdörfern die Situation der Menschen spürbar verbessern. „Es könnten solarbetriebene Brunnen sein, die allerdings teuer sind“, sagt Friedemann Humburg. Derzeit werden Spenden gesammelt. Auch Gelder der Aktion „Brot für die Welt“ stehen zur Verfügung. Umso wichtiger wird, dass junge Leute in Deutschland Erfahrungen sammeln, die sie vor Ort nutzen können.

Das jährliche Austauschprogramm wird in Deutschland von vielen Bürgern, darunter längst nicht nur aktive Christen, unterstützt. So werden die Flüge finanziert und die Gäste aus Simbabwe während des dreiwöchigen Aufenthalts in Familien aufgenommen.

Und auch für besondere Erlebnisse ist gesorgt. So hat Familie Frankello vom Elefantenhof in Platschow die jungen Afrikaner zu einem Erlebnistag eingeladen. Zum fernen Simbabwe haben Frankellos eine ganz besondere Beziehung, stammen doch viele ihrer zehn Dickhäuter aus diesem afrikanischen Land und gehören schon seit mehr als drei Jahrzehnten zur Familie. Es war für die Tonganer eine besondere Erfahrung, dass man den großen Tieren im Elefantendorf in Mecklenburg so nahe kommen konnte. In ihren Heimatdörfern hält man lieber respektvollen Abstand zu den grauen Riesen. Für den netten Empfang in Platschow bedankten sich die Gäste mit traditionellen Liedern ihrer Heimat. Auch den Besuchern gefiel es.

Am Sonntag treten die Tonganer mit vielen neuen Eindrücken und Erfahrungen den Rückflug nach Simbabwe an. „Wenn die Situation des Landes, das gerade einen politischen Neuanfang erlebt, es zulässt, werden wir uns sicher im kommenden Jahr wiedersehen“, hofft Friedemann Humburg. Überglücklich wären er und seine Mitstreiter, wenn dann in Tongas Dörfern frisches Trinkwasser aus einem der gespendeten Brunnen sprudelt.

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