Stars bei Bruschetta und Pasta : Der letzte Schliff am Programm

Die Mitwirkenden auf einem Bild vereint. Nur noch eine Generalprobe liegt vor ihnen, dann folgt die Premiere.
Die Mitwirkenden auf einem Bild vereint. Nur noch eine Generalprobe liegt vor ihnen, dann folgt die Premiere.

Solisten der Elblandfestspiele plaudern über Urlaubsträume, intensive Proben und ihre Vorfreude auf die 20. Gala

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11. Juli 2019, 18:57 Uhr

Klimaschock. Assaf Kacholi fröstelt. Der Tenor kommt direkt aus Tel Aviv. „34 Grad, 70 Prozent Luftfeuchtigkeit. Hier in Berlin ist gefühlt deutscher Herbst“, sagt der Tenor und bestellt ein Glas Wasser. Ihm gegenüber sitzt Eva Lind. Sie hatte es nicht so weit, fuhr dafür aber mit ihrem eigenen Auto die 700 Kilometer aus Tirol. Beide Sänger begegnen sich auf dem Pressestammtisch unserer Zeitung vor der Solistenprobe am Dienstag erstmals. Ein freundliches Händeschütteln. Ein „Hallo, ich bin Assaf“.

Miriam Miesterfeldt lebt in Berlin, hat das freie Wochenende für eine Atempause genutzt. Familienzeit mit Partner und ihrem zweijährigen Sohn Oskar. Der Montag verging wie im Fluge. Das Kleid abzuholen, war der schönste Termin. Die Minuten beim Zahnarzt weniger. Er hat nicht gebohrt. Welch ein Glück.

„Was, nur ein Kleid?“, frotzelt Frank Matthias. Nein, es sind mehrere. Matthias ist der Spaßmacher am Tisch, sorgt für manchen Lacher. Zusammen mit seiner Partnerin Alenka Genzel wirkt er tiefenentspannt. Als ob sie gerade aus dem Urlaub kommen würden. Nein. Sie winken ab. Allenfalls mag der Dachkoffer auf ihrem Auto diesen Eindruck erwecken. Die Realität ist eine andere. „Noch am Wochenende haben wir eine Tanzshow moderiert und gesungen. Für uns geht erst jetzt die Spielzeit zu Ende“, sagen sie.

Zustimmendes Nicken. Heiko Reissig kommt direkt von einer Operettengala aus Wien. Miriam Miesterfeldt hat am Staatstheater in Cottbus ihre letzten Auftritte vor der Sommerpause absolviert. Ihr Kollege Martin Shalita bereitet sich auf die Uraufführung von Effi Briest vor – ein Libretto von Frank Matthus nach dem Roman von Theodor Fontane. Kacholi sang vor wenigen Tagen auf der Bühne der Oper in Tel Aviv und Robert Reimer dirigierte das Orchester der Staatsoper München.

Urlaub? Eva Lind winkt ab. Die Wiener Sopranistin wirkte am Wochenende an einer ARD-Aufzeichnung mit und hat neben der eigenen musikalischen Laufbahn ein zweites berufliches Standbein: Sie gründete und leitet die Musikakademie Tirol.

„Wenn ich abends vom Singen nach Hause komme, schließe ich die Bürotür auf.“ Und jetzt also die Elblandfestspiele. Wittenberge statt den Metropolen Wien, Tel Aviv, München. „Ich freue mich sehr darauf“, sagt Lind, die persönlich bei der Festspielleitung Interesse an einem Auftritt bekundet hatte. Sie komme einfach immer wieder gerne zurück nach Wittenberge. „Die Gegend ist so wunderschön und die Aufführung ist eine hochwertige und zugleich entspannte Produktion.“

Für Mirjam Miesterfeldt sei die Gala wie ein musikalischer Urlaub und Martin Shalita freut sich aus zwei Gründen ganz besonders auf seine Premiere an der Elbe: „Ich mag italienische Lieder sehr und anschließend geht es für mich in den vierwöchigen Urlaub nach Amerika, mein Heimatland.“

Vor den Urlaubsträumen, die am Tisch kursieren, wartet aber noch ein hartes Stück Arbeit auf die Künstler. Bei aller Vorfreude und der gepriesenen lockeren Wittenberger Atmosphäre sei die Gala extrem anspruchsvoll. Das spüre man schon an den Proben. Vier sind es für die Sänger insgesamt. Völlig unüblich für so eine Veranstaltung, sagt Eva Lind. „Normalerweise gibt es nur eine gemeinsame Probe mit Künstlern und Orchester.“ Das intensive Proben zahle sich aber aus.

Dabei geht es nicht nur um Nuancen. Das wird bei Bruschetta und Pasta deutlich. „Uns erwartet ein Mordsprogramm. An mehreren Stellen sollten wir kürzen. Es muss knackig sein“, sagt Robert Reimer und entfacht eine Diskussion über das „Trinklied“ aus Verdis „La Traviata“. Wie viele Strophen sollen gesungen werden.

„Eine“, sagt Reimer. „Wir müssen das Ballett mit einbauen“, mahnt Regisseur Peter Fabers. „Schaffen wir“, so Reimer. Miesterfeldt fragt nach dem Medley „Made in Italy“ - eines von mehreren. Auch hier ist noch nicht das letzte Wort gesprochen, sollen die Proben abgewartet werden.

Ein wenig Kopfzerbrechen bereitet ihnen die italienische Sprache. Sie haben ihre Texte richtig pauken müssen. Vor allem Lars Redlich, der eher in der Musik-Comedy beheimatet ist. „Italienisch ist für mich eine echte Herausforderung. Ich bin nicht als klassischer Sänger ausgebildet.“ Deshalb habe er sich zusätzlich stundenlang Videos von Eros Ramazzotti angeschaut. Sicher ist sicher.
Noch ganz andere Sorgen haben die Damen am Tisch. Welches Kleid soll es zu welcher Szene sein? Reicht die Zeit fürs Umziehen? Fragender Blick zum Regisseur. Alenka Genzel will Strumpfhosen einpacken. „Ich friere schnell und bei der Wetterprognose...“

Peter Fabers mahnt zum Aufbruch. Die Probe wartet. Er weiß mit am besten, an wie vielen Details bis zur Premiere am Freitag noch zu feilen sein wird. Seit 17 Jahren ist er dabei. „Ich habe überlebt“, scherzt er. Mal sei es chaotisch gewesen, mal wunderschön. Bei zwei Jahrzehnten Galageschichte eine glaubwürdige Einschätzung. Und sein Gefühl für dieses Jahr? „Freitagnacht am Bierwagen kann ich sagen, ob es gut war.“

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