Diese Handgriffe retten Leben

Chefarzt Thomas Libuda führt „Woche der Wiederbelebung“ an Prignitzer Gymnasien durch

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12. September 2019, 12:49 Uhr

Ihr Handeln entscheidet über Leben oder Tod. Was würden Sie machen, wenn ein Mensch vor Ihren Augen einen plötzlichen Herzstillstand erleidet? Sie würden ihn wiederbeleben? Dann gehören Sie zu jenen knapp 50 Prozent, die Herzdruckmassage und Mund-zu-Mund-Beatmung anwenden. Die andere Hälfte der Deutschen macht das nicht. „Schlimmstenfalls stirbt der Betroffene oder erleidet ernsthafte Hirnschäden“, sagt Thomas Libuda.

Der Chefarzt der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin am Krankenhaus Perleberg will das ändern. Er will aufklären und anleiten. Bis zu 10 000 Patienten könnten deutschlandweit Jahr für Jahr gerettet werden. „Das ist eine Kleinstadt“, sagt Libuda. Reanimieren sei einfach, jeder kann es tun, lautet seine Maxime. Deshalb beteiligt er sich seit 2013 an der bundesweiten Aktion „Woche der Wiederbelebung“.

Kommenden Dienstag wird er die Schüler der siebenten Klassen am Gymnasium Wittenberge über Reanimation informieren. Sein Kollege Oberarzt Fabian Wahler übernimmt diese Aufgabe am Gymnasium Perleberg.

„Die Schüler sind begeistert und motiviert“ schildert Libuda seine bisher gemachten Erfahrungen. Nach einem kurzen Vortrag dürfen die Jugendlichen an einem Phantom die lebensrettenden Handgriffe üben. 100 bis 120-mal pro Minute muss das Brustbein nach unten gedrückt werden. Nach 30 Massagen folgen ein bis zwei Beatmungen. Das reiche aus, um die Zeit bis zum Eintreffen der Rettungskräfte zu überbrücken.

Als Notarzt sehe er bei Einsätzen selbst, wie oft Personen es beim Absetzen des Notrufes belassen. „Manche Patienten haben wir bei uns im Krankenhaus und müssen erleben, dass wir ihnen nicht mehr helfen können, dass die Hirnschäden zu groß sind“, sagt Libuda. Jeder sollte sich bewusst machen, dass es auch einen Verwandten oder Nachbarn treffen könne. 60 Prozent der Fälle geschehen im häuslichen Umfeld. Das allein sollte Motivation genug sein, die Handgriffe zu erlernen, mein Libuda.

Er ist dankbar, dass die Schulleitungen der Aktion aufgeschlossen begegnen. „Wir werden gut unterstützt.“ Auch Infomaterial können sie den Schülern übergeben. In diesem Jahr wird das durch die Sparkasse Prignitz finanziert. „Sie ist eingesprungen, nachdem Industriebetriebe aus rechtlichen Gründen ihre bisherige Unterstützung aufgeben mussten“, so Libuda.

Er sieht Handlungsbedarf in Deutschland, verlangt mehr Aufklärung und Werbung für die Wiederbelebung. Im europäischen Vergleich habe nur Rumänien noch schlechter abgeschnitten. Immerhin habe sich Deutschland verbessert, aber andere Länder wie in Skandinavien kommen auf bis zu 80 Prozent, in denen Wiederbelebung praktiziert werde. „Das müssen auch wir schaffen und noch deutlich mehr.“

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