Kirchturmprojekt in Rosenhagen : Hauptgewinn für Rosenhagen

Glockenstuhl samt Glocken erhalten ihren Platz wieder im entstehenden Turm.
Glockenstuhl samt Glocken erhalten ihren Platz wieder im entstehenden Turm.

Kirchturmprojekt der Gemeinde überzeugt im Wettbewerb der Wüstenrot Stiftung und die honoriert jenes mit 7500 Euro.

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11. Juni 2019, 20:00 Uhr

Es ist amtlich: Einer der beiden gleichwertigen Hauptgewinne des Wettbewerbs der Wüstenrot Stiftung geht nach Rosenhagen. Am 21. September im Rahmen des Evangelischen Kirchbautages erfolgt in Erfurt die feierliche Preisverleihung. Die Nachricht über die Prämierung mit 7500 Euro gab es aber schon jetzt.

Fast majestätisch entbietet er schon von Weitem sein Willkommen: Der Kirchturm von Rosenhagen. Das jüngste Kind der Kirchengemeinde ist zugleich auch der ganze Stolz der Rosenhagener. Zu Recht, denn abgerissen war der Turm 1975 schnell, da der Einsturz drohte. Wieder aufgebaut – daran hatte inzwischen längst kaum noch einer geglaubt.

In all den Jahren gab es viele Ideen, doch letztlich wurde nie etwas daraus. Ohne Engagement der Kirchengemeinde, hätte es sicher auch nicht geklappt. Beharrlich war sie auf der Suche nach Fördermöglichkeiten und hat nicht aufgegeben, als es erst mal wieder eine Ablehnung gab. Und die Mitglieder vermochte vor allem eins, andere zu begeistern und mit ins Boot zu holen.

Der Turm steht, er wurde geweiht, seit Weihnachten vergangenen Jahres läuten hier wieder die Glocken. Auch die ersten Veranstaltungen haben bereits im neuen Multifunktionsraum stattgefunden. So hatte die Leaderförderung hier ihre Tagung, waren die Bodendenkmalpfleger hier zu Gast, trafen sich im Turm die Ortsvorsteher der Perleberger Ortsteile, ist von Anne Petrick, eine der Kirchenältesten, zu erfahren.

Wiederentstanden ist nicht schlechthin nur der Turm in seiner alten Kubatur mit multifunktionaler Nutzung, wie Gordon Thalmann vom Denkmalschutz des Landkreises erläutert, sondern eine Stätte der Begegnung. Für das Dorf, für die Gemeinschaft ganz wichtig.

„Land und Leute – Die Kirche in unserem Dorf“ – der Wettbewerb der Wüstenrot Stiftung war da den Rosenhagenern schier auf den Leib geschneidert, fanden Stadt und Architekt Jan Bodenstein vom Wittenberger Unternehmen Boarchitekt, der das Turmprojekt betreute. Denn gesucht wurden Projekte, wie Kirchen, Klöster und andere Gebäude im kirchlichen Kontext, die mit neuen Konzepten einer veränderten oder ergänzten Nutzung weiterhin als zentrale Orte und Begegnungsräume in kleinen Gemeinden bestehen können.

Wer Rosenhagens Kirchenälteste kennt, weiß, dass sie nicht nur Ideen und ein Händchen, sondern auch den Blick dafür haben, was dem Dorf gut zu Gesicht steht. Kurzum, Rosenhagen bewarb sich und befand sich damit in Gesellschaft von 200 anderen. Die 20 überzeugendsten Projekte bekamen Besuch von der Jury. Und Rosenhagen war dabei.

Großer Bahnhof in einem kleinen Dorf. Superintendentin, Kirchengemeinde, Pfarrer, Perlebergs Bürgermeisterin, Untere Denkmalpflege, Architekt und, Ortsvorsteherin – alle kamen, standen Rosenhagen und seiner Kirche zur Seite. Als Partner, die kompetente Antwort geben konnten und zugleich signalisierten, dass hier Kirche im Dorf neu zu erleben ist. Die Juroren zeigten sich beeindruckt. „Nach Auffassung des Preisgerichtes handelt es sich um ein herausragendes rundum sehr überzeugendes Konzept mit vielen Impulsen für die Gemeinde.“

„Wir haben uns riesig gefreut“, gesteht Pfarrer Matthias Frenzel, der die Nachricht über die Prämierung per Post erhielt. Sofort sprudelten auch Ideen, wofür man das Geld investieren will, ergänzt Anne Petrick. Zu erst wolle man aber die Schlussrechnung der Leaderförderung abwarten, denn vor Enthusiasmus für das Turmprojekt sprühten hier Laien. Anschließend kommen alle Ideen auf den Tisch, werde gemeinsam entschieden. Denn das Dorf hat mit zugepackt, als endlich feststand, die Kirche bekommt wieder einen Turm. „Die Erdarbeiten für den Wasser- und Abwasseranschluss sowie für die Elektrik haben wir in Eigenregie gemacht“, fügt Ortsvorsteherin Sonja Franke an. Und Anne Petrick unterstreicht den Einsatz, mit dem die Rosenhagener erst für Baufreiheit gesorgt und später dann Gräben für den Leitungsbau ausgehoben haben, um nur zwei Beispiele zu nennen. „Es war Warnsinn, was da an zwei Wochenenden geschaffen wurde.“ Übrigens, den Bagger für die Erdarbeiten stellte kurzerhand die Stadt, wie sie später auch für die Möblierung des Treffs samt kleiner Küche sorgte. Und Anne Petrick macht eines auch ganz deutlich: Ohne die europäische Leaderförderung hätte Rosenhagen noch keinen Kirchturm und somit keinen Treff fürs Dorf. „Und ohne eine solch eine engagierte Kirchgemeinde auch nicht“, ergänzt Heiko Jaap, Beratendes Mitglied im Bauausschuss des Kirchenkreises Prignitz.

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