Plastiktüten : Segen oder Fluch?

Jährlich werden in Deutschland laut Statistik 65 Tüten pro Kopf verbraucht.
Jährlich werden in Deutschland laut Statistik 65 Tüten pro Kopf verbraucht.

EU befürwortet 80-prozentige Reduktion von Plastetüten / Elbe Buchhandlung Wittenberge will auf Stoffbeutel umsteigen

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10. März 2015, 08:00 Uhr

Sie ist praktisch, aber zugleich eine tückische Gefahr: die Plastiktüte. Fast jeder greift zu der allseits bekannten Tüte, die verführerisch an jeder Supermarktkasse liegt. In der kleinen Edeka-Filiale in Wittenberge werden allein schon 400 große sowie 200 kleine Tüten pro Woche verkauft, sagt Elke Gülzow, Filialleiterin des Marktes.

Wenn man diese Zahl nun hochrechnet, dann sind es in den größeren Märkten mehrere tausend Plastiktüten, die pro Woche über den Ladentisch gehen. Laut Umweltbundesamt werden allein in Deutschland 65 Tüten im Jahr pro Kopf verbraucht. Auf diese Weise entstehen jährlich 1,3 Kilogramm Verpackungsmüll pro Einwohner.

Die kostenfreie Abgabe der Tüten zum Beispiel in Modeläden, Kaufhäusern, Drogerien sowie Apotheken fördert den ungehemmten Konsum und verhindert einen sparsamen sowie verantwortungsbewussten Umgang mit den Ressourcen.


Buchhandlung verzichtet auf Plastik


Dies will René Bulz, Leiter der Elbe Buchhandlung Wittenberge, nun aufhalten. „Zurzeit verbrauchen wir 36 Tüten in der Woche. Wenn wir alle Plastiktüten verbraucht haben, wollen wir auf Stoffbeutel umsteigen, die die Kunden gegen einen Pfand von einem Euro erwerben können“, sagte er. Diesen Beutel könne man in jedem Zustand sowie nach mehrfachen Gebrauch an die Buchhandlung zurückgeben und so auch seinen Euro zurück erhalten.

Dieses Vorhaben erfordert nicht nur Mut, sondern auch die Überwindung, etwas Neues auszuprobieren und somit einen neuen Schritt in Richtung Umweltschutz zu wagen. Einkaufstüte ist nicht gleich Einkaufstüte. Mehrweg-Tüten sind besser verarbeitet und können häufiger genutzt werden und bieten so eine umweltfreundliche Alternative zur Einweg-Tüte.

Es gibt keinerlei klar aufgeführte Statistiken, die den Verbrauch der Plastiktüten pro Kopf in der Prignitz zusammenfassen. Andreas Much, verantwortlich für Abfallwirtschaft im Landkreis, bedauerte dies und findet es schade, dass es keine regionalen Statistiken gibt, die Auskunft über den Verbrauch von Plastiktüten geben.

Am 21. November vergangenen Jahres fiel in Berlin die lang diskutierte Entscheidung. Einstimmig befürwortete die EU die 80-prozentige Reduktion von Plastiktüten. Nun müssen demnach auch in Deutschland wirksame Maßnahmen gefunden werden. Die einfachste und zugleich wirkungsvollste Alternative wäre eine Lenkungsabgabe von 22 Cent für alle Einweg-Plastiktragetaschen ab 2015. So wird es auch schon in Irland gehandhabt, erklärte Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der deutschen Umwelthilfe e. V.


Der „Prignitzer“ fragte nach


Das ist jedoch problematisch, da sich die Regelung lediglich auf dünnwandige Plastiktüten mit einer Wandstärke von weniger als 0,05 Millimetern bezieht und auch biologisch abbaubare Tüten aus dem Beschluss ausgenommen sind. Plastiktütenhersteller brauchen so nur ihre Plastiktüten etwas dicker zu machen, um sie weiterhin und kostenlos vertreiben zu können. Des Weiteren bauen sich viele der biologisch abbaubaren Plastiktüten unter den in der Natur vorkommenden Bedingungen ähnlich schlecht ab wie Plastiktüten aus herkömmlichen Kunststoffen.

Wir haben nachgefragt, was Prignitzer vom Thema Plastiktüten halten, ob sie diese neue Maßnahme zur 80-prozentigen Reduktion gutheißen beziehungsweise ob sie für ein komplettes Verbot wären oder alles so lassen würden, wie es die letzten Jahre war. Hier konnten die Passanten einmal selbst in die Rolle eines Politikers schlüpfen.

Darum geht's im MEDIENPROJEKT von SVZ und NNN

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