In Gedenken an getöteten Polizisten : Spenden statt Geschenke

Für Peter Schröder (l.) und Ullrich Papperitz ist der Martin-Heinze-Fonds eine Herzensangelegenheit.
Für Peter Schröder (l.) und Ullrich Papperitz ist der Martin-Heinze-Fonds eine Herzensangelegenheit.

Leiter der Polizeiinspektion Prignitz übergibt über 600 Euro an Martin-Heinze-Fonds

prignitzer.de von
05. August 2016, 04:45 Uhr

Auch nach über 20 Jahren lassen Peter Schröder die Erinnerungen an diese eine Nacht nicht los. Die Nacht des 19. auf den 20. August 1995, in der der heutige Leiter der Polizeiinspektion Prignitz knallhart mit den Schattenseiten seines Berufs konfrontiert wurde. „Es war die Nacht, in der Martin Heinze starb. Er war gerade als Zivilfahnder am Potsdamer Hauptbahnhof unterwegs, als er im Einsatz erstochen wurde“, erzählt Schröder auch nach so langer Zeit noch sichtlich betroffen.

Martin Heinze war an diesem Tag der erste und bislang auch der einzige Polizist in Brandenburg, der im Einsatz ermordet wurde. Ihm zur Erinnerung wurde der Martin-Heinze-Fonds gegründet, der nun, 20 Jahre später, wieder eine wichtige Rolle im Leben Peter Schröders spielt. „Zu meinem 60. Geburtstag habe ich nun bewusst auf Geschenke verzichtet und die Bürgermeister, Amtsdirektoren oder Mitarbeiter des Landkreises gebeten, lieber für diesen Fonds zu spenden“, erzählt Schröder. Zusammengekommen sind knapp 1000 Euro, die er nun an Fonds-Vorsteher Ullrich Papperitz übergab.

Doch gibt es noch mehr Überschneidungen zwischen dem Inspektionsleiter und der Geschichte des Fonds. Nicht nur, dass er ihn seit Jahren begleitet sowie den Spendenkasten, z.B. auf dem jährlichen Neujahrskonzert in Wittenberge, bereitstellt, sondern auch sehr persönliche Gründe.

„Ich bin nun seit über 40 Jahren Polizist und war in den 80er Jahren auch in Potsdam. Hier gehörte Martin Heinze ein halbes Jahr zu meiner Mannschaft. Der Kontakt war nicht sehr eng, aber wenn es die Menschen trifft, die den eigenen Lebensweg kreuzen, ist man immer besonders hart getroffen“, erzählt Schröder. Heinze habe er als einen sehr engagierten, lebensfrohen und disziplinierten Kollegen in Erinnerung. Und so ließ er es sich auch nicht nehmen, als Vertreter seines Präsidiums an der Beisetzung teilzunehmen.

„Auch wenn unsere Zusammenarbeit nur eine Momentaufnahme war, war sie doch sehr prägend“, so Schröder. Allgemein sei er derzeit über die Gewaltbereitschaft sehr erschrocken, die den Polizeibeamten teilweise entgegenschlage. „Man sieht das an der Häufung solcher Aktionen, vor allem auch vor dem Hintergrund der Weltlage und den Geschehnissen in Deutschland. Da muss man sich manchmal schon fragen: Wie garantiere ich Sicherheit“, so Schröder.

Seine Spendenaktion will er auch als Signal an die jungen Kollegen verstanden wissen. „Einmal Polizist, immer Polizist heißt es. Und der Fonds unterstützt ja nicht nur Witwen und Waisen von im Dienst ums Leben gekommenen Polizisten, sondern auch dienstunfähig gewordene Kollegen“, resümiert der Inspektionsleiter.

Worte und vor allem auch eine Aktion, über die sich besonders Ullrich Papperitz freut. Er steht dem Fonds vor und ist begeistert von Schröders Idee. „Jeder Kollege, der am Ende seiner Laufbahn so ein Signal setzt, macht den Fonds weiter bekannt“, so Papperitz. Insgesamt hätte der Fond bisher in zwei konkreten Sachverhalten helfen könnten. „Wir sind da natürlich immer an unseren festgesetzten Zweck gebunden. Eine sehr hilfreiche Idee wäre es z.B., wenn bei Delikten der Gewalt gegen Polizisten, die Amtsgerichte bei der Verteilung von Strafgeldern an unseren Fonds denken würden“, so Papperitz.

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