Legenden-Spiel „Bochum 99“ : Hansa holt 0:2, 2:3 und 3:4 auf und gewinnt noch 7:6

Torjubel bei Oliver Neuville und Marcel von Walsleben-Schied
Torjubel bei Oliver Neuville und Marcel von Walsleben-Schied

In Erinnerung an das Drama von vor 20 Jahren trafen die alten Haudegen aus Rostock und Bochum erneut aufeinander.

prignitzer.de von
26. Mai 2019, 17:28 Uhr

Rostock | Sie sind in Ehren ergraut beziehungsweise büßten im Verlauf der zurückliegenden 20 Jahre viele Haare ein, einige trainierten sich auch mehr Bauchmuskeln an, fußballerisch aber haben sie es noch immer drauf und erfreuten mit ihren Ballbehandlungen (Schiedsrichter Dr. Merk in Anlehnung an die damalige Radio-Reportage von Oliver Schubert in der Halbzeitpause auch mit einer Zahnarztbehandlung) das Publikum.

Nach einer Viertelstunde stand es 0:2, die Weißen noch mehr als damals akut vom „Abstieg“ bedroht, doch diese Mannschaft 1998/99 nebst Gästen war eine ganz besondere und ist es noch heute. Sich geschlagen geben? Niemals! Auch ohne Yasser und Victor Agali, die auf Grund von Problemen mit dem jeweiligen Visum nicht anreisen konnten, arbeiteten die Hanseaten wieder an der Wende. Dexter Langen, als nach wie vor aktiver Spieler des Kreisligisten FC Nebelküste noch immer topfit, lief alleine auf VfL-Keeper Thomas Ernst zu, umkurvte ihn und schob ein – nur noch 1:2 (32.). Kurz darauf „Foul“ an einem Hanseaten im Bochumer Strafraum, Dr. Merk ist sich nicht sicher, wirft an der Seitenlinie sicherheitshalber noch mal einen Blick durch die dort stehende Videokamera und pfeift Elfmeter. Zafer Yelen aus dem Stand zum 2:2-Pausenresultat (36.).

Auch der erneute Rückschlag des 2:3 durch Mahdavikia warf die Rostocker nicht aus der Bahn, eine Minute später der erneute Ausgleich durch Djordjije Cetkovic. Doch es musste weiter um den „Klassenerhalt“ gezittert werden: Wieder gingen die extrem ehrgeizigen Grünen des eigentlich blau-weißen VfL in Führung: 3:4 Schindzielorz (52.). Und das Wasser stand dem FC Hansa bis zum Halse. Ein Sieg musste her, dafür rackerten die Helden von 1999, allen voran Oliver Neuville (dem 1999 fast ein Ohr abgerissen worden war), der in der zweiten Halbzeit einen dicken Kopfverband trug – Spaß muss sein.

Der FCH setzte angesichts seiner deutlich volleren Bank auf die Trumpfkarte Kondition, doch die Bochumer ließen die Kugel kraftsparend durch ihre Reihen zirkulieren, blieben auch in Sachen „Körner“ auf der Höhe, und schon lief den Mecklenburgern genau wie am 29. Mai 1999 allmählich die Zeit weg. Aber dann, es konnte nicht anders sein: Traumtor durch Neuville – nach Pass von Mohamed Emara bratzte er den Ball an die Unterlatte, und vom Körper von Thomas Ernst prallte das Spielgerät ins Netz (70.).

4:4, nun fehlte nur noch ein einziger Treffer zum erneuten „Wunder“. Und er fiel! Durch einen herrlich gefühlvollen Kopfball von Magnus Arvidsson (73.) – Hansa auch diesmal „gerettet“, zumal Olli Neuville kurz darauf auf das 6:4 folgen ließ (75.). Schindzielorz' 6:5 beantwortete Peter Wibrån mit dem 7:5, doch es blieb spannend: erneuter Anschluss durch Delron Buckley (85.), aber am Ende reichte es zum „Klassenerhalt“!

Übrigens: Dem Vernehmen nach hätte der FC Hansa im Fall eines unliebsamen Ausgangs der Partie Protest eingelegt, da der Gäste-Spieler und zweifache Torschütze Dariusz Wosz in der Saison 1998/99 nicht beim VfL Bochum, sondern bei Hertha BSC Berlin unter Vertrag stand.

FC Hansa Rostock: Martin Pieckenhagen, Daniel Klewer – Hilmar Weilandt, Uwe Ehlers, Olaf Holetschek, Timo Lange, Peter Wibrån, Mohamed Emara, Slawomir Majak, Oliver Neuville, Thomas Gansauge, Marco Zallmann, Magnus Arvidsson, Djordjije Cetkovic, Jens Dowe, Ralf Ewen, Gledson, Martin Groth, Björn Laars, Dexter Langen, Kevin Pannewitz, Marcel von Walsleben-Schied, Zafer Yelen

Trainer: Andreas Zachhuber, Juri Schlünz:

Arzt: Dr. Frank Bartel

Physiotherapeuten: Frank Scheller, Peter Meyer

Zeugwarte: Andreas Thiem, Alexander Kodera

VfL Bochum: Thomas Ernst – Samir Toplak, Maurizio Gaudino, Delron Buckley, Sebastian Schindzielorz, Peter Peschel, Kai Michalke, Mehdi Mahdavikia, Marcel Maltritz, Dariusz Wosz, Olaf Schreiber mit Sohn Ricardo, Michael Bemben, Jan Majewski, Michael Lameck und Hansa-A-Junioren-Trainer Vladimir Liutyi sowie als Trainer Ralf „Katze“ Zumdick

Schiedsrichter: Dr. Markus Merk

Zuschauer: 5000

Tore: 0:1 Wosz (2./Heber nach gewonnenem Laufduell mit Zallmann), 0:2 Wosz (13.), 1:2 Langen (32.), 2:2 Yelen (36./Foulelfmeter nach „Videoentscheid“), 2:3 Mahdavikia (48.), 3:3 Cetkovic (49.), 3:4 Schindzielorz (52.), 4:4 Neuville (70.), 5:4 Arvidsson (73.), 6:4 Neuville (75.), 6:5 Schindzielorz (79.), 7:5 Wibrån (83.), 7:6 Buckley (85.)



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