Rostock : Aida-Cruises will weg vom „Dreckschleuder“-Image

Die Kreuzfahrtindustrie steht immer wieder in der Kritik, wenn es um die Umweltfreundlichkeit der Schiffe geht. Das Rostocker Unternehmen Aida Cruises hat nun einen neuen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht. Der Nabu nimmt die Bemühungen wohlwollend zur Kenntnis.

prignitzer.de von
21. Juli 2019, 11:29 Uhr

Der Präsident der Rostocker Kreuzfahrtgesellschaft Aida Cruises, Felix Eichhorn, hat für sein Unternehmen das langfristige Ziel einer „emissionsneutralen Kreuzfahrt“ ausgegeben.

Bereits 2023 würden 94 Prozent aller Aida-Gäste auf Schiffen reisen, die mit emissionsarmem Flüssigerdgas oder im Hafen mit grünem Landstrom betrieben werden können, sagte Eichhorn. Im vergangenen Dezember war die Aidanova in Dienst gestellt worden, das als erstes Kreuzfahrtschiff weltweit vollständig mit dem emissionsarmen Flüssigerdgas (LNG) betrieben wird. 2021 und 2023 würden zwei weitere dieser innovativen Schiffe fertig sein.

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Aida Vorrreiter auf deutschem Markt

Als deutscher Marktführer für Kreuzfahrten übernehme Aida die Verantwortung in Deutschland für die ökologischen und sozialen Herausforderungen und sei damit Vorreiter auf dem deutschen Markt, sagte Eichhorn. Das Rostocker Unternehmen hatte vergangene Woche seinen neuen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht.

Das Vorgehen von Aida steht im Einklang mit dem Umweltengagement des internationalen Kreuzfahrtverbands Clia. Nach heftigen Angriffen von Umweltschutzverbänden hatte Clia den nachhaltigen Umgang mit Meeren als Voraussetzung für ein nachhaltiges Geschäftsmodell bezeichnet.

Die Branche würde rund 20 Milliarden Euro für den Bau von LNG-Kreuzfahrtschiffen bereitstellen, um geringere Emissionen und eine höhere Energieeffizienz zu erreichen. Der deutsche Clia-Chef Helge Grammerstorf verwies jüngst darauf, dass die Kreuzfahrt einen Anteil von nur zwei Prozent am internationalen Reiseaufkommen habe.

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Landstrom für die Kreuzliner

Wie Eichhorn weiter sagte, ist die Nutzung von Landstrom ein weiteres zentrales Thema. Ab Ende 2020 würden 12 der 14 Schiffe Landstrom beziehen können. Bei den beiden anderen sei das aus technischen Gründen nicht möglich. 2018 seien mit den Landesregierungen in Kiel und Schwerin Verträge über den Aufbau einer Landstromversorgung in den Häfen Kiel und Rostock geschlossen worden. 2020 solle dort der Testbetrieb aufgenommen werden. Ein wichtige Voraussetzung für Aida sei dabei, dass der Strom aus regenerativen Quellen stamme.

„Aida gehört sicherlich zu den Unternehmen, die am meisten versuchen, neue Technologien auszuprobieren“, sagt Daniel Rieger, der bei der Umweltschutzorganisation Nabu für die Verkehrspolitik zuständig ist. „Das nehmen wir sehr wohlwollend zur Kenntnis.“ Es sei auch zu beobachten, dass andere Reedereien von dem Aida-Engagement mitgezogen würden. Dabei dürfe aber nicht vergessen werden, dass ein Großteil der Flotte noch weiter mit Schweröl unterwegs ist, betonte Rieger.

Stickoxide, Feinstaub und Ruß weiterhin problematisch

Ein weiterer blinder Fleck sei die Abgastechnik. Es sei eine Hauptforderung des Nabu, dass die Technologien aus dem Pkw- und Lkw-Bereich zur Abtrennung von Stickoxide, Feinstaub und Ruß übernommen werden. Das wäre vor allem für die Anwohner der Häfen eine große Entlastung, erklärte der Nabu-Experte.

Neben technischen Erneuerungen etwa bei Abgasreinigungssystemen oder einem ersten Praxistest von Brennstoffzellen im Jahr 2021 versucht Aida, Plastik- und Einwegartikel zu vermeiden. So weist der Nachhaltigkeitsbericht auch Bemühungen aus, mit vielen verschiedenen Initiativen Lebensmittelabfälle an Bord zu reduzieren.

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