Kunsthalle Rostock : Doppelschlag in Schwarz-Weiß

Die Welt in kleinen Quadraten: Seine Schwarz-Weiß-Fotografien hält der schwedische Künstler Gerry Johansson bewusst klein, um eine andere Qualität zu schaffen.
Die Welt in kleinen Quadraten: Seine Schwarz-Weiß-Fotografien hält der schwedische Künstler Gerry Johansson bewusst klein, um eine andere Qualität zu schaffen.

Ab heute zwei Ausstellungen in der Kunsthalle: Schwede Gerry Johansson zeigt Fotos, Christine Rusche hat den White Cube bemalt #wirkoennenrichtig

prignitzer.de von
14. Januar 2018, 09:00 Uhr

Schwarz-weiß, quadratisch, pur – aber dennoch in Bewegung: Die beiden Ausstellungen, die am heutigen Sonntag um 11 Uhr in der Kunsthalle eröffnet werden, haben viele Schnittstellen, obwohl sie von Künstlern stammen, deren Vitae sich so gar nicht überschneiden. Das Rostocker Ausstellungshaus beginnt das Jahr des 800. Stadtjubiläums mit einem Doppelschlag, der laut Direktor Jörg-Uwe Neumann für die Kunsthalle ungewöhnlich ist.

Ruhig, ausgeglichen, geduldig und unaufgeregt steht der 72-jährige Schwede Gerry Johansson im Rundgang vor seinen Schwarz-Weiß-Fotografien, deren Charakter dem ihres Meisters gleicht. Unter dem Titel „Deutschland/Schweden“ zeigt der renommierte Fotograf gut 150 minimalistische Aufnahmen von menschenleeren, teils abgelegenen Orten und Industrieschönheiten, die ganz bewusst jenseits von Ort und Zeit eingeordnet werden. Ihm gefalle die Landschaft in Norddeutschland, weil sie ihn an sein Heimatland erinnere, so der Künstler. Seine Aufnahmen habe er bewusst klein gehalten, um eine andere Art der Qualität zu erreichen, zitiert Kunsthallen-Kurator Ulrich Ptak den Schweden. Dabei habe er nie versucht, sich an jemandem zu orientieren, sondern sich selbst zu finden. Die analog aufgenommenen und selbst gedruckten Quadrate liegen sicher in Passepartouts eingefasst unter einem geheimnisvollen milchigen Schleier, der doch nichts von der Sachlichkeit des Becher-Stils verliert, an den Johanssons Aufnahmen erinnern.

Klare Linien in Schwarz und Weiß zieren bis Ende April auch den White Cube im Herzen der Kunsthalle, den die gebürtige Kühlungsbornerin Christine Rusche mit ihren Wandmalereien unter dem Titel „Soundings“ gefüllt hat. „Eigentlich ist es eine Rauminstallation. Man muss in den Raum hineingehen, um die Rotation zu erleben“, sagt die 46-Jährige. Schon während ihres Stipendiums der Hansestadt habe sie im Atelier im Schleswig-Holstein-Haus 2016 die Entwürfe kreiert. „Der quadratische Grundriss hat mich inspiriert: Der Raum hat keine Richtung, man dreht sich automatisch“, erklärt Rusche, die Grafik an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart studiert hat. „Soundings“ meine einen Begriff aus der Nautik, der die Sondierung, das Ausloten bezeichne. So wolle Rusche den Besucher im Raum „positionieren“. Um die unzähligen Liter schwarzer Farbe auf die mehr als sieben Meter hohen weißen Wände im Innenhof der Kunsthalle aufzutragen, habe sie mit vier Helfen seit Neujahr mehr als 100 Stunden auf Leitern gestanden. Bis zur Eröffnung soll die Farbe getrocknet sein, so Rusche.

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