Rostock : Rempeln auf Rollen

In Rostock etabliert sich gerade ein neuer Trendsport: Isa, Isabelle, Yvonne und Jule (v. l.) trainieren Rollerderby. Aktuell gibt Trainer Kim aus Kiel die Anweisungen, wie die jungen Frauen richtig Rollschuhfahren lernen, um einmal an Wettkämpfen in dieser Vollkontaktsportart teilnehmen zu können.
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In Rostock etabliert sich gerade ein neuer Trendsport: Isa, Isabelle, Yvonne und Jule (v. l.) trainieren Rollerderby. Aktuell gibt Trainer Kim aus Kiel die Anweisungen, wie die jungen Frauen richtig Rollschuhfahren lernen, um einmal an Wettkämpfen in dieser Vollkontaktsportart teilnehmen zu können.

Erstes Rollerderby-Team Mecklenburg-Vorpommerns gegründet. Das nächstes Ziel ist die Wettkampfreife. #wirkoennenrichtig

prignitzer.de von
23. Januar 2018, 08:00 Uhr

Wo sonst laute Bässe wummern, sind immer montags quietschende Rollen zu hören: Der Mau-Club am Warnowufer ist die Heimat der RebelGrrrlz, Mecklenburg-Vorpommerns erstem Rollerderby-Team. Das wöchentliche Training lässt Zuschauer schwindelig werden. Schließlich drehen die jungen Frauen auf Rollschuhen erst einmal unermüdlich Runden gegen den Uhrzeigersinn – so, wie es die Wettkampfordnung vorsieht.

Heute lauschen die Rostockerinnen den Anweisungen von Trainer Kim. Er gehört zum Kieler Rollerderby-Team und will den Hansestädtern zur Wettkampfreife verhelfen. „Ziel ist, dass wir im Sommer unseren ,MST’ ablegen, das ist ein Test der Mindestanforderungen, damit man beim Derby starten darf“, erzählt Teamchefin Ulli. Bis dahin heißt es für die aktuell zehn aktiven Mitglieder, darunter ein Mann, sicher fahren zu lernen – vorwärts, rückwärts, auf einem Bein und mit Übersetzen in der Kurve. Denn der kraftvolle Vollkontaktsport setzt das Beherrschen der Rollschuhe voraus.

Die Leidenschaft der 32-jährigen Teamchefin erwachte bereits 2009, als sie in der Hauptstadt lebte und erstmals ein Derby der Berlin Bombshells besuchte, die mittlerweile sogar international spielen. „Danach stand für mich fest: Entweder ich werde Superfan oder ich mache das selber. Ohne diesen Sport wollte ich nicht mehr sein“, erzählt Ulli, deren Derbyname SheenaTrash ist. So kam es, dass sie während ihrer Ausbildungszeit in Hannoverdas dortige Team mit aufbaute und nach dem Umzug an die Warnow auch in Rostock Mitstreiterinnen suchte. Von Beginn an dabei ist Jule alias Dibie Blocksberg. „Ich kam durch eine Freundin, mit der ich vorher Musik gemacht hatte, zum Rollerderby. Für mich ist das mittlerweile die perfekte Alternative zur Band“, erklärt die 30-Jährige. Ganz neu mit dabei ist dagegen Krankenschwester Isa. „Ich hatte mir zusammen mit einer Freundin Rollschuhe gekauft und dann Touren am Stadthafen entlang gemacht. Als sie wegzog, fehlte mir die Sportpartnerin und dann bin ich im Internet auf Rollerderby gestoßen“, erzählt die 25-Jährige, während sie immer wieder das Bremsen beim Rückwärtsfahren übt.

Alle Sportlerinnen tragen beim Training Kleidung, in der sie sich wohlfühlen und beweglich sind. Identisch ist allerdings die Schutzausrüstung: Helm, Knie-, Handgelenk- und Ellenbogenschoner sowie Mundschutz. Spezielle Derby-Rollschuhe, die einen festen Stand bieten und am Knöchel nicht so hoch sind wie normale Exemplare, kosten etwa 80 Euro. „Die gesamte Ausrüstung mit Schuhen und Schonern kommt etwa auf 300 Euro, aber wir haben von einem Sponsor eine Erstausstattung bekommen, kaufen Secondhand oder erhalten Sachen von anderen Teams – das ist echte Derbylove“, sagt Ulli.

Für Interessenten, die sich ausprobieren wollen, hätte das Team immer entsprechendes Equipment da. Wer mitmachen möchte, ist zu den Trainingszeiten willkommen: ganz egal, ob sportlich oder nicht. „Niemand ist hier falsch – wir haben für jede Statur die richtige Position“, sagt Ulli.

Was das Rostocker Team noch braucht, ist neben weiteren Mitstreiterinnen vor allem eine entsprechend große Sporthalle. „Unsere Heimat ist und bleibt zwar das Mau, weil es uns von Anfang an unterstützt hat und zu uns passt. Aber für das Training unter Wettkampfbedingungen wäre eine richtige Sporthalle schon gut“, erklärt die Teamchefin. Ein Anfang ist gemacht – die Wohnungsgesellschaft Wiro hat den RebelGrrrlz einmal pro Monat sonnabends eine freie Übungszeit in der Sporthalle Groß Klein ermöglicht.

Kurz erklärt: So läuft der Sport

• Die Anfänge des Rollerderbys stammen aus Amerika, etwa um 1935, und waren als simples Rundenfahren auf einer ovalen Bahn an Sechs-Tage-Rennen angelehnt. Erst in den 1940er-Jahren wurden die Regeln umgeändert – das Rollerderby wurde zum von Frauen dominierten Vollkontaktsport auf Rollschuhen, der sich seit den 2000er-Jahren über den Globus ausbreitet.

• Weltweit gibt es mehr als 1200 aktive Vereine, auch eine wachsende Zahl von Männer- und Juniormannschaften. Rollerderby gehörte sogar zu den Bewerbern als neue Sportart für die Olympischen Spiele. In Deutschland gibt es eine Erste, Zweite sowie Dritte Bundesliga und eine Nationalmannschaft der Frauen. Diese sind Anfang Februar bei den Weltmeisterschaften in Manchester dabei.

• Im Spiel (Bout) treten zwei Mannschaften gegeneinander an. Jede darf maximal 14 Mitglieder haben, fünf davon sind auf der ovalen Bahn (Track). Davon ist eine Spielerin die Punktemacherin (Jammer) und muss innerhalb von zwei Minuten (Jam) die Gegnerinnen so oft wie möglich überrunden – gegen den Uhrzeigersinn. Für jede überholte Gegnerin erhält sie einen Punkt. Die restlichen Spielerinnen (Pack/Blocker) rollen langsam bis mittelschnell und versuchen, die gegnerische Punktemacherin aufzuhalten oder ihrer eigenen zu helfen. Nach Ablauf der zwei Minuten kann das Team seine Spielerinnen auswechseln. Das Spiel dauert zwei mal 30 Minuten.

• Erlaubt ist Körperkontakt an Hüften, Schultern und dem Vorderkörper. Zu den Fouls gehören Festhalten, Ellbogenschübe, Beinstellen, in den Rückenfahren. Auch Skaten oder Überholen außerhalb der Markierungen ist nicht erlaubt.

• Kontakt zur Rostocker Gruppe: Training immer montags ab 20 Uhr im Mau-Club, Warnowufer 56, Anmeldung per E-Mail unter rollerderbyrostock@gmail.com

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