Störkrug in Plate : Leere Gläser, leere Stühle, leere Kasse

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Seit einigen Tagen bleibt der Zapfhahn im Störkrug trocken:  Mario Zimmermann ist besorgt.
Seit einigen Tagen bleibt der Zapfhahn im Störkrug trocken: Mario Zimmermann ist besorgt.

Wirtschaftshilfe wird nicht für alle reichen: Traditionsgaststätte Plater Störkrug schafft es maximal drei Monate

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26. März 2020, 19:00 Uhr

Jeder Schritt hallt durch den großen Saal. Kein Mucks ist zu hören. Und das zur Hauptgeschäftszeit. Seit einigen Tagen herrscht Ruhe in der Plater Gaststätte Störkrug. Seit einigen Tagen bleiben der Zapfhahn trocken, die Teller im Schrank und die Tische leer. Damit auch die Kasse von Gesellschafter Mario Zimmermann. Der Unternehmer spricht von einem Totalausfall.

Rund 95 Prozent seiner Einnahmen seien weggefallen

Fünf seiner acht Mitarbeiter hat er bereits in Kurzarbeit geschickt, zwei arbeiten lediglich 25 Prozent und den Küchenchef versucht er als voll bezahlte Stelle zu halten. Denn noch bleibt die Küche nicht kalt. Der Störkrug bietet seit Anfang der Woche auch einen Außer-Haus-Dienst an. Geöffnet hat der Störkrug aktuell dienstags bis sonntags von 11.30 bis 14.30 Uhr und 17 bis 20 Uhr. Keiner kommt rein. Speisen jedoch raus. Die Karte ist optimiert, die Preise sind runtergeschraubt.

„Es ist der klägliche Versuch, den Kopf über Wasser zu halten. Denn was von Bund und Land kommt, das reicht nicht“, sagt Mario Zimmermann. Die Hilfsprojekte will er nicht schlechtreden, doch für ihn wird es trotz Sofortzahlungen nicht zum Überleben reichen.

Zimmermann nimmt einen Taschenrechner aus der Tresen-Schublade und beginnt zu tippen: „Betriebe zwischen fünf und zehn Angestellten bekommen einmalig für drei Monate maximal 15 000 Euro. Rein rechnerisch macht das für uns bei 7,5 Stellen genau 11 625 Euro – also 3875 Euro pro Monat.“ Nur wenn er jeden Monat 15 000 Euro bekomme und zusätzlich einen Kredit aufnehmen würde, lasse sich die Krise mehr als drei Monate überstehen. „Wir haben doch alle Ausgaben. Strom. Wasser. Leasingverträge. Versicherungen. Und nicht zu vergessen Kredite. Da ist kein großer Puffer drin“, erklärt Mario Zimmermann.

Seit fast 20 Jahren gehört er zur Leitung des Störkrugs, aber Zeiten wie diese habe es noch nie gegeben. „Man denkt immer mal darüber nach, dass der Betrieb selbstverschuldet in die Insolvenz gehen kann, weil man sich verspekuliert“, sagt er nachdenklich. Bislang habe er den Abgrund aber nie gesehen. Jetzt steht er kurz davor.

Nicht mehr als drei Monate

„Es ist schon enorm, was die Politik lockermacht, um der Wirtschaft zu helfen, doch mindestens 50 Prozent der Unternehmen werden es nicht schaffen“, ist der Sukower überzeugt. Ob sein Störkrug die Krise meistert, hänge von drei Dingen ab: „Mehr als drei Monate darf die Schließung nicht dauern. Wir müssen mehr Essen außer Haus verkaufen. Die Kredite müssen günstiger sein“, sagt Zimmermann. Gerade letzteres mache ihn sehr wütend. Denn die Angebote der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KFW) sowie der Gesellschaft für Struktur und Arbeitsmarktentwicklung (GSA) seien nur bis zu einem Limit von 20 000 Euro zinslos. „Das reicht aber nicht und jeder Euro, den ich dann mehr brauche, wird mit 3,699 Prozent verzinst“, sagt der 53-Jährige wütend. Das sei deutlich mehr, als der „gemeine Häuslebauer“ jetzt für ein Darlehen zahlen müsse.

Mario Zimmermann ist gewillt, Hilfen so schnell es geht zurückzuzahlen. Doch er sieht auch die Zeit nach der Krise problematisch: „Jeden Tisch, an dem heute niemand speist, kann ich nach der Krise nicht doppelt verkaufen. Und wer weiß denn, wer nach Corona noch Taschengeld hat, um ständig Essen zu gehen?“ Zimmermann und sein Team hoffen, dass die Gaststätte es schafft.

Das Haus ist von 1897. Zwei Weltkriege hat es geschafft. Ich wünsche mir, dass auch Corona es nicht in die Knie zwingt. Mario Zimmermann
 

 Dankbar ist er auch für die Unterstützung der Gemeinde, die hilft, das Lieferangebot zu bewerben. Auch seine Mitarbeiter zeigen sehr viel Verständnis. Zwei helfen aktuell beim Ausliefern, denn im Acht-Kilometer-Radius werden die Speisen ausgefahren. Stammkunden und Freunde des Störkrugs nehmen auch den Abholdienst in Anspruch. „Aber es reicht noch lange nicht, um optimistisch zu sein“, gesteht Mario Zimmermann.

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