Sternberg : Viele Wildschweine, aber kaum Fleisch im Angebot

Die Jäger sind auch in der Region sehr engagiert, um den Wildschweinbestand zu reduzieren.
Die Jäger sind auch in der Region sehr engagiert, um den Wildschweinbestand zu reduzieren.

Vorsitzender des Sternberger Hegerings kann helfen und sagt auch: Lebensmittelkauf ist Vertrauenssache

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13. Januar 2018, 12:18 Uhr

Sie lese und höre jetzt viel über das Thema Wildschweine und in diesem Zusammenhang, dass es aber Probleme mit dem Absatz des Fleisches gebe, erklärt unsere Leserin Brigitte Ostheeren aus Sternberg. „Ich würde gern kaufen, aber wo?“, fragt sie am SVZ-Telefon.

Im Forstamt Schlemmin beispielsweise kann man derzeit keins kaufen, wie SVZ berichtete. „Wir dürfen die Tiere nicht zerlegen, das dürfen nur die Forstämter Schildfeld und Bad Doberan“, hatte Forstamtsleiter Mathias Regenstein gegenüber SVZ erklärt. Die Jäger könnten die Schweine im ganzen Stück kaufen oder sie würden an einen Händler aus Sachsen-Anhalt weiter geben werden.

Dass die Jäger Wildschwein nur in der Schwarte, also im Ganzen, abgeben dürfen, sei gesetzlich vorgegeben. „Die Jagd unterliegt strengen Regeln des Tierschutzes und der Wildbrethygiene“, erklärt Rainer Barabas, Vorsitzender des rund 70 Mitglieder umfassenden Hegeringes Sternberg. „Vor der Vermarktung muss der Jäger eine Fleischprobe entnehmen, die von einem zugelassenen Tierarzt auf Trichinen untersucht wird. Wir arbeiten zum Beispiel mit Knut Tschammer in Sternberg zusammen“, erklärt er. Wenn das Wild verkauft sei, könne der Jäger aber durchaus behilflich sein, das Stück zu zerteilen, sagt Barabas. „Tipps und Hilfe bei der Weiterverarbeitung können so konkret abgesprochen werden.“

Eine zweite Möglichkeit sei, dass der Jäger mit einem zertifizierten Fleischer zusammenarbeitet, denn dann „darf er das Fleisch verarbeitet anbieten“. Er selbst, so Barabas, achte darauf, dass es ein Schlachter in Mecklenburg-Vorpommern ist.

„Lebensmittelkauf ist Vertrauenssache und Vertrauen basiert auf Informationen“, so der Vorsitzende des Hegeringes. Der Konsument sei also immer gut beraten, wenn er einen Fragenkatalog im Hinterkopf habe - auch beim Kauf von Wildfleisch. Eine Frage, die ihn selber bewege sei, sagt er, ob das Wild aus Deutschland komme oder importiert worden sei? Er wolle deshalb auch auf dem Kreisjägertag und dem Landesjägertag anregen, ein Label für Wild aus Deutschland zu schaffen. „Das ist eine Aufforderung an die Politik.“

Hinterfragt werden könne z. B., ob das Wild bei einem Ansitz oder einer Bewegungsjagd zur Strecke gekommen sei, wie viel Zeit zwischen Erlegung und Aufbrechen (Öffnen) gelegen habe (je schneller es in die Kühlung komme, um so höher ist die Qualität des Fleisches), wo das Wild beim Jäger hänge, ob es ein Frischling oder Keiler sei.. „Der Verbraucher kommt nicht umhin, sich mit dem Jäger in Verbindung zu setzen“, empfiehlt Rainer Barabas. Vom zertifizierten Mecklenburger Landfleischer verarbeitet, kostet vom Schwarzwild eine Mettwurst von ca. 650 Gramm 12 Euro; eine Schinkenwurst von ca. 550 Gramm 10 Euro, das Kilogramm geräucherter Schinken 35 Euro. Barabas nennt auch einige Preise für „waldfrische, unzerlegte, ausgenommene Stücke, die nach dem Erlegen untersucht und gekühlt werden: Schwarzwild unter 40 Kilogramm 3,50 Euro/kg und über 40 Kilogramm 3 Euro/kg.

Interessenten können sich gern an Rainer Barabas wenden, der als Ansprechpartner an Jäger im Sternberger Hegering vermittelt unter E-Mail: post@jagdladen.de

Hintergrund: Trichinen

Trichinellen  sind  Fadenwürmer. Sie leben als Parasiten in der Skelettmuskulatur von Säugetieren, Vögeln und Reptilien. Die Übertragung auf einen neuen Wirt - auch auf  Menschen - erfolgt ausschließlich durch den Verzehr von rohem Fleisch, das die infektionsfähigen Muskellarven enthält. Mit Trichinellen infiziertes Fleisch kann beim Menschen die Infektionskrankheit „Trichinellose“ hervorrufen.

Quelle: BfR

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