Pampow : Bauern werden zu Herren der Seen

Vereiste Riesen-Pfützen statt satter grüner Flächen – ein Bild, das wohl nicht nur Landwirt Frank Gombert in diesen Tagen Sorgen bereitet.
Vereiste Riesen-Pfützen statt satter grüner Flächen – ein Bild, das wohl nicht nur Landwirt Frank Gombert in diesen Tagen Sorgen bereitet.

Landwirte haben zu viel Wasser auf den Feldern – auch schmale Heu- und Silage-Ernte bereitet ihnen Sorgen

von
14. Januar 2018, 05:00 Uhr

Einen Fischereischein hat er nicht, auch keinen Bootsführerschein. Dafür aber zahlreiche kleine Seen. Frank Gombert kann drüber schmunzeln, wenn er gefragt wird, ob der demnächst einen Tauchschein macht. Doch es ist Galgenhumor. Zusammen mit seiner Frau Diana Gombert-Marquardt bewirtschaftet er seit 25 Jahren einen Landwirtschaftsbetrieb in Pampow. Mutterkuhhaltung, Pferde, Ackerbau und Weidewirtschaft sichern der Familie den Lebensunterhalt. Im vergangenen Jahr, so Frank Gombert, unter erschwerten Bedingungen: Viel Regen. Nasse Flächen. Schlechte Ernte. Die Wiesenflächen liegen zum größten Teil im Siebendörfer Moor. „Da ist es auch so gut feucht. Aber mit dem Regenmassen war eine Ernte 2017 ein Glücksspiel“, sagt Frank Gombert. Seine Vorräte an Heu und Silage sind auf die Füttertage abgezählt. Mitte September konnt er noch einmal einige Flächen mähen. Bis auf den letzten Zentimeter hat der 45-Jährige die Flächen ausgereizt. Das ist geradeso ausreichend für den Eigenbedarf. Der Verkauf ab Hof ist auch 2018 kein Thema.

Sonst seien durchschnittlich 550 Millimeter pro Quadratmeter an Niederschlag gekommen. „In den vergangenen zwölf Monaten waren es mehr als 980 Millimeter für unsere Region. Fast ein Meter Wasser auf jedem Quadratmeter“, erklärt Frank Gombert. Ein weiterer Grund, warum die Arbeiten auf dem Feld bislang ruhen. „Wir beschäftigen uns derzeit noch mit den Sturmschäden. Davon gab es reichlich. Das muss alles weg“, ergänzt der Pampower. Ebenso wie die Wasserflächen. „Doch wohin?“, fragt er. Frank Gombert weiß, dass Seenlandschaften auf Ackerflächen schnell zu Biotopen umgewandelt werden können. Dann sei auf diesen Flächen kein ackern mehr möglich. Gut 13 Hektar hat er an den Regen verloren. Zwei Hektar Gerste mussten auf dem Halm bleiben. Bei seinem Berufskollegen Michael Pahlow im Nachbarort sehe es nicht besser aus. „Gut zehn Hektar stehen noch auf dem Acker, da ist kein rankommen“, erklärt der Zülower. Dass die Bauern aber auch selbst in der Pflicht sind, bekamen Michael Pahlow und rund 120 weitere Landwirte und Gäste am Donnerstagabend von Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) zu hören. Beim Auftakt der 15. Agrarpolitischen Tagung nahm der Minister auch die Situation auf den Acker- und Weideflächen in seiner Rede auf. Mahnte aber auch zu mehr Eigeninitiative der Landwirte: „Die Bauern müssen ihre Hausaufgaben bei der Melioration machen“, so Till Backhaus. Er räumte aber ebenso ein, dass die Situation im vergangenen Jahr besonders war. „Es bleibt zu hoffen, dass es jetzt abtrocknet und die Bauern mit ihrer Arbeit beginnen können“, sagte er und sprach auch Dirk Schünemann aus dem Herzen. Er ist im Vorstand der Landwirtschaftlichen Produktion- und Absatz-Genossenschaft Wessin und hat neben der Milchviehhaltung auch ein Auge auf den Ackerbau. Zwar sei bei ihm „nur ein halber Hektar“ Kartoffeln auf dem Feld geblieben. „Doch die Böden sind so wassergesättigt, dass es einem   bange wird“, gesteht Dirk Schünemann. Die Aufforderung des Ministers, die Melioration im Blick zu behalten, sei für die eigenen Flächen in Ordnung. „Aber was ist mit gepachteten Flächen, wer investiert da?“, stellt er die Frage in den Raum.

Eine andere Frage wird in diesen Tagen Frank Piehl, dem Vorsitzende des Bauernverbandes Parchim, gestellt: „Wohin mit dem organischen Dünger?“ Denn schon lange vor der Sperrfrist konnten die Landwirte keine Gülle auf die Felder bringen. In Schleswig-Holstein wird derzeit über eine Sperrfristvorverlegung auf den 16. Januar diskutiert. Für MV sei das undenkbar, stellte Backhaus klar: „Dann könnten wir die Gülle gleich an die Ostsee fahren und in die Vorflut pumpen.“ Landwirte dürfen nach aktueller Gesetzgebung ab Februar wieder organischen Dünger ausbringen – wenn die Bodenverhältnisse es zulassen. Frank Piehl ist sich sicher, dass sie dieses Problem nur über eine Erweiterung der Güllelager gelöst werden kann. Im Landwirtschaftsministerium sind bis gestern fünf Anträge für die Errichtung temporärer Güllelager eingegangen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen